Hamburg. Der 2014 von frustrierten HSV-Fans gegründete Club hofft auf eine eigene Heimat. Kritik an der Sportstadt Hamburg.

„Kleine Heimat“ lautet der Name der erst vor Kurzem bezogenen Geschäftsstelle des HFC Falke e. V. in der Fruchtallee 124 in Eimsbüttel. Wo früher ein Schlachter seine Frikadellen für 1,50 Euro verkaufte, strahlt das frische Weiß von den Wänden. Mit dem Tisch für acht Personen ist der Raum fast gefüllt. Für die optimale Nutzung haben Vereinsmitglieder eine Galerie gezimmert. „Im Zuge der Renovierung hätten wir locker 30.000, 40.000 Euro ausgeben können, dank der Handarbeit sind es nur 5000 Euro geworden“, sagt Tamara Dwenger, die Präsidentin des Clubs.

Was dem 2014 nach der Ausgliederung des HSV-Profifußballs in eine AG von frustrierten Fans gegründeten Verein noch fehlt, ist die große Heimat – eine eigene Sportstätte. Sein fünfjähriges Bestehen feiert der HFC Falke – der Name erinnert an zwei der drei Gründungsvereine des HSV, Hamburger FC von 1888 und FC Falke 1906 – mit einem Freundschaftsspiel gegen den belgischen Fanverein YB SK Beveren auf dem Sportplatz Quellental in Nienstedten (Sonnabend, 15.30 Uhr). Seine Spiele trug der Bezirksligist zuletzt auf dem Union-Platz an der Waidmannstraße aus, wechselt nun an den Steinwiesenweg. Trainieren mussten die Teams, die Zweite spielt Kreisliga, an vier Orten – sogar nach Tangstedt (Stormarn) ging es für Trainer und Spieler zeitweise. Ein Nomadendasein, das bald Geschichte sein soll.

Das große Ziel sind 200.000 Euro

Um den 400 Mitglieder großen Verein weiterentwickeln zu können, startet der HFC Falke am Sonnabend offiziell eine Crowdfunding-Kampagne mit dem Titel „Falkenfieber“. In der ersten Stufe wollen die Initiatoren innerhalb eines Monats 50.000 Euro einsammeln. Das große Ziel sind 200.000 Euro.

Unter „www.crowdFANding.net“ können Unterstützer tätig werden. Der Name verweist auf den Jenaer Verein „crowdFanding e. V.“, der bereits einige Crowdfunding-Aktionen erfolgreich durchführte. So wurden in Jena unter dem Motto „Südkurve bleibt“ 154.000 Euro gesammelt, in Mainz kamen für ein Fanhaus 156.000 Euro zusammen. Wissenschaftlich begleitet wird die Kampagne vom Leipziger Fraunhofer Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie.

Es fehlt ein Ort, wo die Kinder trainieren und spielen können

Mit der zweckgebundenen Summe will der HFC Falke aber auch Druck ausüben. Als „katastrophal“ und „Armutszeugnis der selbsternannten Sportstadt Hamburg“ bezeichnete Dwenger das Verhalten der Politik und bemängelte die fehlende Unterstützung im Bestreben des Vereins, seiner sozialen Verantwortung als gemeinnütziger Verein gerecht zu werden. „Falke hat seit der ersten Saison Jugendtrainer ausgebildet, es fehlt allein an einem Ort, wo die Kinder der Stadt auch trainieren und spielen können“, beklagen die Macher. „Ein Zustand, dessen Änderung aber in den Händen der Politik liegt. Gleichzeitig gibt es Vereine, die Nutzungsrechte und Trainingszeiten auf Sportplätzen besitzen, diese aber nicht in Anspruch nehmen.“

Deshalb sammelt Falke mit der Kampagne nicht nur Geld, sondern auch „Stimmen“ um klarzumachen, dass der Club nicht nur ein Spielzeug von Fußballfans ist, das mittelfristig wieder von der Landkarte der Hamburger Amateure verschwindet, sondern ein nachhaltiges, ein leidenschaftliches Unterfangen.