Champions League

Bayern kehren in Liverpool zu alter Klasse zurück

Liverpools Trent Alexander-Arnold (hinten) bestaunt die Ballfertigkeit von Bayern-Stürmer Robert Lewandowski.

Liverpools Trent Alexander-Arnold (hinten) bestaunt die Ballfertigkeit von Bayern-Stürmer Robert Lewandowski.

Foto: PHIL NOBLE / REUTERS

Der deutsche Rekordmeister erkämpft sich mit einem Unentschieden in England eine gute Ausgangsposition fürs Achtelfinal-Rückspiel.

Liverpool. Das hat man nun davon, wenn man das Hinspiel in einem Achtelfinale der Champions League bedeutungsvoll als Fortbildungsreise auflädt. „In diesem Spiel geht es um alles“, hatte Präsident Uli Hoeneß über die Dienstreise nach Liverpool gesagt. „Anschließend wissen wir, wo wir international stehen.“ Die Lernkurve des FC Bayern fiel dann am Dienstagabend etwas flacher als erwartet aus: Ohne die angeschlagenen Arjen Robben und Leon Goretzka sowie den rotgesperrten Thomas Müller ertrotzte der deutsche Rekordmeister ein 0:0 auf der Insel.

Sogar größte Torchancen in der Schlussphase konnte Liverpools angeblicher Wundersturm mit Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah nicht gegen die Innenverteidigung mit Niklas Süle und Mats Hummels verwerten. Die Nullnummer erinnert zwar an das Ergebnis von vor fast vier Jahrzehnten, als München 1981 im Rückspiel ausschied – aber das Team von Trainer Niko Kovac darf zuversichtlich sein.

"Wir haben sehr gut und kompakt in der Defensive gestanden und es Liverpool dadurch schwer gemacht", sagte Bayern-Torwart Manuel Neuer am Sky-Mikrofon. "Unsere Ausgangslage ist nicht ganz so schlecht." Beim Rückspiel in München ziehen die Bayern am 13. März schon ins Viertelfinale ein, wenn sie Liverpool knapp besiegen.

Bayern mit mehr Ballbesitz

Machbar ist die Aufgabe: Auch in der aufgeheizten Atmosphäre vor 54.000 Zuschauern an der Anfield Road hatte Bayern zeitweise 54 Prozent Ballbesitz, was Selbstsicherheit im Spielaufbau ausdrückt. Im Duell Bundesliga gegen Premier League steht es jetzt 0,5:1,5. Vorige Woche hatte Dortmund 0:3 bei Tottenham Hotspur verloren. Mittwoch spielt Schalke zu Hause gegen Manchester City.

Bayern München war mit dem Selbstbewusstsein angereist, nicht ein einziges Spiel in der laufenden Europacup-Saison verloren zu haben, und ließ zunächst Franck Ribéry auf der Bank. Liverpool dagegen hatte in der Gruppenphase drei Niederlagen kassiert und war mit Ach und Krach ins Achtelfinale eingezogen. Doch zurückhaltend lässt Trainer Jürgen Klopp seine Mannschaft niemals spielen. In der Anfangsphase gewannen seine Liverpooler zwar Spielanteile, aber kamen nur durch Salah (12. und 24. Spielminute) zu ersten Torchancen.

Wer nun ein Spektakel erwartet hatte, weil erstens die Erwartungen hoch und zweitens beide Formationen mit jeweils drei Angreifern in der vordersten Linie offensiv ausgerichtet waren (bei Bayern mit Kingsley Coman, Robert Lewandowski und Serge Gnabry), wurde nicht enttäuscht. Das Mittelfeld überbrückten beide Mannschaften schnell. Packende Strafraumszenen passierten jedoch selten und entsprangen zumindest für Bayern allein aus unerklärlichen Abwehrschnitzern. Coman vergab mit einem harmlosen Linksschuss (16.).

Martínez sorgte für Balance

Im Mittelfeld zahlte sich aus, dass Leon Goretzka mit Knöchelblessur ausgefallen war und vom defensiveren Javi Martínez ersetzt wurde. So entstand gegen das überfallartige Pressing, das Liverpool schon am Strafraum startete, eine gute Balance nach der ersten Sturm-und-Drang-Phase. Bayern machte zunächst nicht den Eindruck, vom Tempo-Fußball aus der Premier League überfordert zu sein. Die Null stand zur Halbzeit. Ja, mit Glück: Sadio Mané schoss zweimal frei vorm Tor vorbei (33./38.), beim zweiten Mal sogar mit einem Fallrückzieher.

Vor 38 Jahren, beim letzten Aufeinandertreffen in der Königsklasse, waren die zwei Duelle nervenaufreibend mit 0:0 und 1:1 ausgegangen – Bayern schied damals aufgrund des fehlenden Auswärtstores aus. Vermutlich stehen die Chancen aufs Weiterkommen diesmal besser. „Kämpfen, Bayern!“, stand auf einem Plakat, das die Münchner Fans zum Anpfiff angebracht hatten. Das Plakat sollten sie beim Rückspiel ohne Joshua Kimmich (Gelbsperre) in der Südkurve der Allianz-Arena aufhängen. Ein hartes Stück Arbeit werden die zweiten 90 Minuten allemal.

Ter Stegen rettet Barcelona 0:0

Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen und der FC Barcelona haben mit dem 0:0 bei Olympique Lyon eine bessere Ausgangsposition im Kampf um den Viertelfinaleinzug in der Champions League verpasst. In einer tempo- und chancenreichen Begegnung im Groupama-Stadion hatten die Gäste aus Spanien am Dienstag die besseren Möglichkeiten, im Abschluss aber kein Glück.

Der frühere Mönchengladbacher ter Stegen, der sich seit Wochen in herausragender Form präsentiert, reagierte einige Male bei Chancen der Gastgeber prächtig. Das Rückspiel findet am Mittwoch, 13. März, statt.