Fussball

So geschickt motivierte Großkopf seine Mannschaft

Jörn Großkopf, HEBC-Trainer: "Ich habe meinen Jungs die Geschichte von David und Goliath vorgelesen" (Archivaufnahme)

Jörn Großkopf, HEBC-Trainer: "Ich habe meinen Jungs die Geschichte von David und Goliath vorgelesen" (Archivaufnahme)

Foto: Witters

Amateurfußball: Biblische Anleihe von David gegen Goliath führt zum Sensationssieg, Fabian Boll gibt Comeback, Dersimspor hofft .

Eine uralte Geschichte. HEBC-Trainer Jörn Großkopf reckte seine Faust mit dem Schlusspfiff in die Höhe und schrie seine Freude heraus. Gerade hatte der von allen schon als Absteiger gehandelte HEBC den Oberliga-Tabellenführer Teutonia 05 mit 4:3 besiegt. „Bisher hatten wir nach Altona die wenigsten Gegentore. Völlig ungewöhnlich, dass die Defensive heute so schwach war“, sagte 05-Co-Trainer Matthias Reincke, der den im Urlaub befindlichen Sören Titze vertrat. Matchwinner war HEBC-Stürmer Janek Bundt, der in der 86. Minute zur Stelle war, als Teutonia-Torhüter Semir Svarka einen Freistoß nur abklatschen konnte. Wie der Sieg zustande kam, das wusste Großkopf genau: „Ich hab da so ein Coaching-Buch, und daraus habe ich vor dem Spiel die uralte Geschichte von David gegen Goliath vorgelesen. Das kam bei den Jungs gut an und hat Wirkung gezeigt. Ich bin einfach stolz auf die Truppe – das war geil!“


Philosophischer Rücktritt. Thorsten Beyer ist überraschend als Trainer des Nord-Bezirksligisten Eimsbütteler TV zurückgetreten, obwohl der ETV als Tabellenzweiter noch alle Chancen im Aufstiegsrennen hat. „Es gab unterschiedliche Auffassungen im Leitungsteam über die sportliche Entwicklung der Mannschaft“, hieß es in einer Presseerklärung des Vereins. Dem widersprach Beyer auf Nachfrage des Abendblatts: „Mit der Mannschaft hat mein Rücktritt nichts zu tun.“

Seine Begründung? „Ich möchte es philosophisch sagen: Das Funktionsteam um die Mannschaft ist der Bedeutung des Wortes in keinerlei Hinsicht gerecht geworden. Es hat weder seine Funktionen erfüllt, noch war es ein Team.“ Einen Nachfolger für Thorsten Beyer will der Eimsbütteler TV demnächst verkünden.

Fabian Boll spielt wieder. 63 Ballkontakte, zehn von 14 Zweikämpfen gewonnen, zwei Torschüsse, ein Foul und eine Passquote von über 80 Prozent – Fabian Boll (39) staunte nicht schlecht, als ihn das Abendblatt noch auf dem Feld mit den Daten seines Comebacks konfrontierte. „Das ist für meinen ersten Auftritt nach über vier Jahren doch gar nicht schlecht“, sagte Boll lächelnd. Für den SC Condor lief die St.- Pauli-Ikone beim Oberligaspiel der Alten Herren in Sasel vor 70 Zuschauern mit seiner geliebten Nummer 17 auf dem Rücken auf. Beim 2:1-Sieg zeigte er auf der Sechs eine ordentliche Leistung, war am 2:1 per Kopfballverlängerung beteiligt.

Am 11. Mai 2014 gegen Aue (2:2) am Millerntor hatte Boll sein letztes Pflichtspiel bestritten. Boll, Co-Trainer des Oberligisten SC Condor, ereilte fünf Tage vor dem Spiel ein Hilferuf der Alten Herren des Vereins. „Ich bekam eine Mail, dass gerade kaum noch Spieler da seien. Also haben wir einen Pass beantragt, und es ging ratzfatz. Das soll aber eine einmalige Geschichte bleiben“, so Boll. Die Mannschaft hofft auf das Gegenteil. Condors linker Mittelfeldspieler Söhren Grudzinski: „Fabian hat nichts verlernt. Wir als Mannschaft wollen ihn überzeugen, öfter dabei zu sein.“


Dersimspor weicht aus. Eine atemberaubende Kehrtwende legte Dersimspor in dieser Woche hin. Monatelang kritisierte der Hansa-Landesligist das Bezirksamt Harburg und die Gebäudemanagement GMH teils massiv aufgrund der Kündigung des Nutzungsrechtes des Clubs auf der Anlage an der Baererstraße (Abendblatt berichtete) – nun folgte das Gegenprogramm: Dersimspors Vorstand trat zurück, ein neuer Vorstand übernahm kommissarisch. In einer Pressemitteilung entschuldigte sich der Club für Fehler, am zweiten November-Wochenende soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit Wahlen stattfinden.

Gespräche mit dem Bezirksamt Harburg will der reuige Verein nun führen, für das nächste Heimspiel gegen Altengamme ist eine Ausweichspielstätte gefunden worden. „Stimmt der Verband zu, werden wir auf dem Platz von Viktoria Harburg an der Winsener Straße antreten“, sagte Neu-Vorstandsmitglied Samir Balouch. „Wir wollen erst einmal bis zum Winter Lösungen finden, dann weitersehen.“


Nürnberger Flop, Conteh top! Zwei Spieler prägten das Regionalliga-Derby zwischen Eintracht Norderstedt und dem FC St. Pauli II (1:4). Eintrachts Torwart Nick Nürnberger verschuldete aufseiten der Eintracht unnötigerweise an der Grundlinie den Strafstoß zum 1:1 und verlor zusätzlich bei einem überflüssigen Dribbling gegen St. Paulis Stürmer Jan-Marc Schneider vor dem 1:4 den Ball. „Vor dem Elfmeter darf Nick da niemals so übermotiviert hingehen und vor den Dribblings habe ich ihn schon mal gewarnt“, ärgerte sich Trainer Dirk Heyne. Anders sah es bei den Kiezkickern aus. Sirlord Conteh ließ sich von Nürnberger vor dem 1:1 foulen, besorgte das 2:1 und das 3:1 für die Braun-Weißen und war somit Mann des Tages. Für seine Leistung heimste er ein Sonderlob von seinem Trainer Joachim Philipkowski ein: „Sirlord ist mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld.“