Mainz schlägt Freiburg

Trägt dieser kuriose Elfmeter zum Abstieg des HSV bei?

DFB-Kommission erklärt verrückten Videobeweis zum Halbzeit-Strafstoß für Mainz. Freiburgs Trainer Streich denkt sofort an den HSV.

Mainz/Hamburg. Einer der kuriosesten Elfmeter der Bundesliga-Geschichte könnte ein Sargnagel für den vom Abstieg bedrohten Hamburger SV sein, der als einziger Verein seit dem ersten Tag in der höchsten deutschen Fußball-Klasse mit dabei ist. Beim Stande von 0:0 trotteten die Mannschaften von Mainz 05 und dem SC Freiburg schon in die Kabinen zur Halbzeit. Der Rasensprenger ging bereits los. Doch der Videobeweis holte sie zurück.

Nach einem zunächst nicht geahndeten Handspiel von Freiburgs Marc Oliver Kempf hatte Schiedsrichter Guido Winkmann zur Halbzeit gepfiffen. Dann schaute er sich nach einem Gespräch mit Video-Assistentin Bibiana Steinhaus die Szene erneut an und entschied auf Elfmeter. Er bat die Freiburger zurück auf den Platz und Pablo De Blasis traf zum 1:0 für die Mainzer. Später traf er noch zum 2:0-Endstand – mit einem weiteren kuriosen Tor.

HSV-Abstieg? Drei Mannschaft haben acht Punkte mehr

"Das müssen wir akzeptieren. Es wird immer kurioser", sagte der Freiburger Sportvorstand Jochen Saier bei Eurosport. "Aber es ist schon regelkonform." Auch für Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich war der Ablauf der Videobeweis-Entscheidung höchst unglücklich. "Das sind Szenen, die am Ende keiner will", sagte er bei Eurosport: "Das ist nicht schön und keine Werbung für den Ablauf." Dennoch sei die Entscheidung "nicht anders möglich" gewesen.

Die Schiedsrichterkommission des Deutschen Fußball-Bundes hat Referee Winkmann für die Anwendung des Videobeweises ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der Handelfmeter sei korrekt gewesen, auch sei es richtig, dass Video-Assistentin Bibiana Steinhaus den Schiedsrichter darauf hingewiesen habe, sich die Szene nochmal in der Review-Area anzuschauen, hieß es in einer kurz nach Schlusspfiff veröffentlichten Stellungnahme der DFB-Schiedsrichterkommission.

"Der Halbzeitpfiff unterbricht das Spiel wie jeder andere Pfiff des Schiedsrichters auch. Daher ist es auch regeltechnisch in Ordnung, hier dann den Strafstoß zu geben. Erst wenn ein Spiel wieder fortgesetzt wäre, könnte der Strafstoß nicht mehr gegeben werden", teilte die Kommission mit. Freiburgs Trainer Christian Streich indes trat sichtlich angefressen vor die Mikrofone, verkniff sich aber weitere Kommentare. "Dazu sage ich nichts mehr. Ich war nicht ruhig in Schalke, deshalb bin ich jetzt ruhig", sagte er bei Eurosport.

"Ich lasse diese Dinge jetzt über mich ergehen und über die Mannschaft, thematisiere das nicht und versuche, das zu beeinflussen, was wir beeinflussen können", sagte Streich: "Sollen sie machen, was sie machen wollen. Deshalb heißt es Schiedsrichter. Die entscheiden das, und wir haben das zu akzeptieren."

HSV: So ist die Lage

Die Mainzer gewannen das Abstiegsduell mit 2:0. Jetzt haben drei Mannschaften 30 Punkte und damit acht Zähler Vorsprung vor dem HSV, der auf Platz 17 der Bundesligatabelle zu finden ist: Freiburg, Mainz und Wolfsburg. Gegen Freiburg (Sonnabend) und in Wolfsburg muss der HSV noch spielen. Die Relegation (Platz 16) ist bei vier verbleibenden Spielen unwahrscheinlich. Mindestens drei müssten davon gewonnen werden, die Konkurrenz dürfte bei diesem Rechenbeispiel nicht mehr sonderlich punkten, zumindest ein Verein nicht, den der HSV noch abfangen wollte.

"Die Tabellensituation weiß man ja. Wenn wir heute gewinnen, dann hätten wir einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Es ist ein Spiel zweier Mannschaften, die gegen den Abstieg spielen", sagte Streich – vor dem Spiel in Mainz. Nach dem Abpfiff dachte Freiburgs Coach nur noch an den kommenden Gegner. "Was geht in mir vor? Dass wir in fünf Tagen ein Spiel in Hamburg haben", blaffte Streich den Reporter an.

Montagspiele bei Eurosport verärgern Fans

Pablo De Blasis beendete mit seinem Doppelpack die Mainzer Negativserie von sechs sieglosen Spielen. Zunächst traf der Argentinier per Handelfmeter (45.+7), dann nach einem kapitalen Schnitzer von SC-Torwart Alexander Schwolow (79.). Fans beider Mannschaften protestierten vor der Partie mit Plakaten und lauten Pfiffen. "Gegen Montagsspiele" schrieben sie in großen Lettern, die an der Außenlinie aufgestellt waren. Weil es eine Weile dauerte, bis das Protestmaterial weggebracht worden war, verzögerte sich der Anpfiff um einige Minuten.

Die Deutsche Fußball Liga hatte die Einführung von fünf Montagsspielen in dieser Saison mit der Entlastung für die Europa-League-Teilnehmer begründet. Auch der Start der zweiten Hälfte verzögerte sich, weil Zuschauer Klopapier auf das Spielfeld warfen.

Zu Beginn hatten beide Teams Mühe, in die Partie zu finden. Von einer ständigen und ungewohnten Geräuschkulisse begleitet, die an den Klang der Vuvuzelas bei der WM 2010 in Südafrika erinnerte, konnte sich weder Mainz noch Freiburg wirkliche Vorteile erspielen. Es dauerte knapp 20 Minuten, ehe Abdou Diallo die erste Chance hatte. Nach einer Freistoß-Flanke von Danny Latza verfehlte der Mainzer Verteidiger das Freiburger Tor knapp.

Die Gastgeber erhöhten nun zwar etwas den Druck, kamen aber kaum gefährlich zum Abschluss. Das fußballerische Niveau blieb überschaubar. Zweikämpfe und Laufarbeit prägten das Geschehen.

Torwart Schwolow patzte jämmerlich

Nach der deutlich verlängerten ersten Hälfte und dem kuriosen Gegentreffer versuchte Freiburg ab dem Wiederanpfiff, energischer nach vorne zu spielen. Den Gästen fiel in der Offensive jedoch nicht viel ein. Mainz stand hinten sicher und verfehlte durch einen De-Blasis-Schlenzer knapp das 2:0 (57.). Kurz darauf setzte Freiburgs Tim Kleindienst einen Kopfball auf die Latte des eigenen Tores (64.).

Elf Minuten vor Schluss hatte der SCF weniger Glück: Schwolow leistete sich einen Riesenpatzer und passte den Ball zum Mainzer Quaison. Der Schwede legte quer und De Blasis musste nur noch einschieben. Das Spiel war entschieden. Freiburg probierte zwar nochmal alles, doch mehr als ein Lattentreffer von Nils Petersen sprang nicht dabei heraus.

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