Champions League

BVB bricht Rekorde nach Gala gegen Legia Warschau

Mehr Tore in einer Champions League-Partie gab es noch nie

Mehr Tore in einer Champions League-Partie gab es noch nie

Foto: Imago

Nach dem 8:4 des BVB ist die internationale Presse begeistert. Vor Beginn der Partie hatte es eine Aufstellungspanne gegeben.

Dortmund/Moskau/Rostov/Gladbach. Nach der unglaublichen Nacht von Dortmund ist die Aufregung rund um den 8:4-Sieg des BVB in der Champions League gegen Legia Warschau auch noch einen Tag später groß. Neben den Dortmundern haben sich am Dienstagabend auch die Leverkusener für das Achtelfinale qualifiziert. Heute Abend geht es dann für den FC Bayern in Rostov, um den Gruppensieg in der Champions League. Eine ganz schwere Aufgabe wartet auf Borussia Mönchengladbach. Die Fohlen empfangen Manchester City, das Team von Pep Guardiola, im Borussen-Park. Nur bei einem Sieg gegen die Engländer hat die Borussia noch Chancen auf das Achtelfinale. Neuigkeiten rund um die Champions League finden Sie hier.

Bayern: Ungemütliche Wetterlage

Beim Abschlusstraining im zugigen Stadion des FK Rostow bekamen die Starkicker des FC Bayern schon mal einen Vorgeschmack auf einen frostigen Fußballabend in Russland. „Das wird kein einfaches Spiel“, sagte Torjäger Robert Lewandowski zur Aufgabe in der Champions League beim heimstarken FK Rostow. Und nicht nur das ungemütliche Winterwetter in Russland könnte den Bayern-Profis einige Probleme bereiten. „Rostow ist ein Team mit einer guten defensiven Organisation und gutem Konterspiel. Gegen Atlético Madrid haben sie hier zuletzt gut gespielt. Wir werden kämpfen müssen, um zu gewinnen“, sagte Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.

Ausnahmsweise steht Sven Ulreich im Fokus beim FC Bayern. Da Weltmeister Manuel Neuer wegen einer Wadenblessur gar nicht erst mit nach Rostow reiste, darf der 28-Jährige im Bayern-Tor sein Saisondebüt in einem Pflichtspiel feiern. „Jetzt habe ich die Gelegenheit zu spielen. Ich freu mich natürlich drauf“, sagte Ulreich. Bei seinem Champions-League-Debüt vor fast genau einem Jahr zeigte er beim 2:0 bei Dinamo Zagreb eine überzeugende Leistung.

Pep hat Respekt vor Gladbach

Pep Guardiola hat trotz der Talfahrt von Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga großen Respekt vor der Mannschaft von Trainer André Schubert. "Wir spielen gegen eine der besten Mannschaften in Deutschland. Sie haben tolle Spieler. Ich habe schon öfters gegen Gladbach verloren", sagte Guardiola vor dem Auftritt von Manchester City am Mittwoch (20.45 Uhr) in der Champions League im Borussia-Park.

Dem englischen Ex-Meister würde ein Punkt reichen, um ins Achtelfinale der Königsklasse einzuziehen. "Wir haben eine große Möglichkeit, die nächste Runde zu erreichen. Das wollen wir schaffen", sagte Guardiola bei der Pressekonferenz im Düsseldorfer Hilton Hotel.

Gladbach wartet seit sechs Bundesligaspielen auf einen Sieg und ist nach dem 1:2 im Rheinderby gegen den 1. FC Köln auf Platz 13 zurückgefallen. "Sie haben gegen Köln sehr gut gespielt. Aber Fußball ist manchmal so", sagte Guardiola. City hatte das Hinspiel gegen den fünfmaligen deutschen Meister mit 4:0 gewonnen.

Reus glücklich nach Comeback

"So stellt man sich eine Rückkehr doch vor", sagte Reus nach seinem Comeback, "das war doppelt und dreifach schön." Die Bühne war perfekt bereitet. Ein ohnehin nicht allzu bedeutsames Champions-League-Spiel mit dem Charakter eines Sonntagskicks auf Tore aus zerknüddelten Jacken im Park; wie ein Kindergeburtstag auf der Kirmes mit unendlich vielen Süßigkeiten. Es wurde das torreichste Spiel in der Geschichte der Königsklasse. Ohne Verteidigung, ohne überharte Zweikämpfe, ohne im Tiefflug heranrauschende Gegenspieler. Wie erfunden als Aufbauprogramm für den Zocker Reus, der zweimal nur den Ball ins Tor schieben musste. "Außergewöhnlich, fantastisch, überragend" habe der 27-Jährige das gemacht, schwärmte sein Trainer Thomas Tuchel, der Reus durchspielen ließ. "Ich habe mich ja nicht totgequält", sagte der gelassen.

Presse: "Epochale Nacht"

Auch die internationale Presse überschlägt sich mit Superlativen. Hier ein kleiner Ausschnitt.

Corriere dello Sport (Italien): "Dortmund gegen Warschau – eine verrückte Angelegenheit: 8:4, zwölf Tore, Rekord! Kagawa macht zwei Tore in 60 Sekunden, Reus einen Hattrick nach sechs Monaten Abwesenheit."

Marca (Spanien): "Dortmund schreibt Geschichte – das Team um Reus schießt in einer epochalen Nacht gegen Legia acht Tore."

Daily Mail (England): "Das bereits qualifizierte Borussia Dortmund zerlegt Legia Warschau mit 8:4. Dortmund lieferte einer großen Zahl an Zuschauern im Westfalenstadion einen Abend, an den sie sich erinnern werden. Mit einer großartigen Offensiv-, aber auch einer schrecklichen Defensivleistung. Marco Reus schnürt bei seinem Comeback nach Verletzung einen Hattrick im Rekord-Match der Champions League."

Mirror (England): "Legia Warschau egalisiert einen Champions-League-Rekord und bricht einen anderen bei der 4:8-Niederlage gegen Dortmund. Legia kassiert 16 Gegentore in den ersten vier Gruppenspielen, und muss weitere acht im Westfalenstadion hinnehmen."

BVB bricht Rekorde

Das Zwölf-Tore-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Legia Warschau war ein Duell der Superlative. Noch nie fielen in einer Partie der Königsklasse so viele Tore. Die bisherige Bestmarke war 13 Jahre alt. Im Spiel des AS Monaco gegen Deportivo La Coruña fiel 2003 ein Treffer weniger. Mit dem SV Werder Bremen war noch ein Fußball-Bundesligist an einer der torreichsten Begegnungen beteiligt. Vor elf Jahren verlor Bremen 2:7 gegen Olympique Lyon.

Doch Warschau und Dortmund stellten am Dienstagabend noch mehr Rekorde auf: Fünf Treffer in 16 Minuten gelang vor dem BVB noch keiner Mannschaft in der Champions League. Warschau ist schon vor dem letzten Gruppenspiel bei einem Torverhältnis von 8:24 das Team mit den meisten Torbeteiligungen (32) in der Gruppenphase. Diesen Rekord hielt bislang Manchester United (1998/99) mit 31 Treffern.

Aufstellungspanne beim BVB

Marc Bartra? Sokratis? Doch wieder Marc Bartra. Es gab erhebliche Verwirrung um die Besetzung der Innenverteidigerposition bei Borussia Dortmund. Grund war schlicht eine Panne: Trainer Thomas Tuchel hatte sich vor dem Champions-League-Spiel gegen Legia Warschau (8:4) für Sokratis entschieden, aber ein Mitarbeiter trug Bartra in den Spielberichtsbogen ein.

"Ein interner Übermittlungsfehler", wie BVB-Pressesprecher Sascha Fligge erklärte, Tuchel spielte das Thema herunter: "Unsere Aufstellung war gut so, wie sie war."

In der Bundesliga hätte sich ein solcher Patzer bis zum Anpfiff noch schmerzlos korrigieren lassen, nicht jedoch in der Champions League. Die einzige Möglichkeit für den BVB wäre gewesen, Bartra doch noch mit Sokratis zu tauschen - in dem Fall hätte allerdings Bartra nicht mal auf der Bank sitzen dürfen, und das Wechselkontingent wäre bereits vor dem Anstoß belastet gewesen.

Die Dortmunder konnten die Panne verkraften. Vor einem Halbfinalrückspiel sollte sie sich besser nicht wiederholen.

Bayer rollt am Flughafen ins Glück

Als der Airbus mit dem Tross von Bayer Leverkusen auf dem Flughafen Moskau-Scheremetjewo gemächlich Richtung Startbahn rollte, starrte Rudi Völler gebannt auf sein Smartphone und verfolgte die Schlusssekunden der Partie zwischen AS Monaco und Tottenham Hotspur.

Auch die Profis hatten nach ihrem vorangegangenen 1:1 (1:0) bei ZSKA Moskau noch ihre Handys an und den Champions-League-Liveticker eingeschaltet. Als um 00.38 Uhr russischer Zeit das 2:1 der Monegassen gegen die Spurs und damit der vorzeitige Achtelfinaleinzug von Bayer amtlich war, brandete grenzenloser Jubel auf. Mit leichter Verspätung hob die Bayer-Delegation dann Richtung Heimat ab.

"Last 16" hatte zuvor noch Hakan Calhanoglu getwittert, ehe er wie die meisten seiner Kollegen glückselig auf dem dreieinhalbstündigen Rückflug nach Köln/Bonn von Real Madrid oder Juventus Turin als nächstem Gegner träumte. Als die Bayer-Stars um 1.42 Uhr wieder deutschen Boden betraten und mit einem Lächeln im Gesicht schnell im Bus verschwanden, ordnete Völler noch einmal die erfolgreiche Nacht im frostigen Moskau ein.

"Wir sind alle sehr glücklich. Gerade nach der 2:3-Niederlage gegen Leipzig tut uns so ein Erfolg gut", sagte der Sportchef und machte dann deutlich: "Für uns ist der Achtelfinaleinzug keine Selbstverständlichkeit, ebenso wenig wie die Qualifikation für Champions League überhaupt. Und dass wir in so einer ausgeglichenen Gruppe vorzeitig weiterkommen, ist auch nicht normal."

Bayer-Trainer Roger Schmidt, der seinen Spielern am Mittwoch frei gab und erst am Donnerstagnachmittag die Vorbereitung auf das Gastspiel am Sonnabendabend bei Rekordmeister Bayern München (18.30 Uhr/auf abendblatt.de) aufnimmt, hatte sich bereits nach dem Abpfiff im Eisschrank ZSKA-Arena zufrieden geäußert: "Wir sind im fünften Champions-League-Spiel ungeschlagen, das sehe ich als sehr positiv an."