Nationalmannschaft

Joachim Löw holt Rekordstürmer Miroslav Klose zurück

Fußball: Deutschland, Training der Nationalmannschaft vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino am 09.11.2016. in Misano, Italien. Trainer-Azubi Miroslav Klose steht vor dem Training mit einem Ball in der Hand auf dem Platz. Foto: Guido Kirchner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Fußball: Deutschland, Training der Nationalmannschaft vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino am 09.11.2016. in Misano, Italien. Trainer-Azubi Miroslav Klose steht vor dem Training mit einem Ball in der Hand auf dem Platz. Foto: Guido Kirchner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: Guido Kirchner / dpa

WM-Qualifikation gegen Studenten und Olivenöl-Verkäufer: Joachim Löw baut die Mannschaft um. Erstmals neuer Videobeweis.

Rimini. Das WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in San Marino (Freitag, 20.45 Uhr live bei RTL und abendblatt.de) bringt mehrere Premieren mit sich: Rekordstürmer Miroslav Klose kehrt zurück, Manuel Neuer fehlt in einem Pflichtspiel, und im folgenden Länderspiel gegen Italien wird eine völlig neue Technik zum Einsatz kommen.

Und er fährt so gern nach San Marino… Das könnte ein Hit sein, gesungen von einem Star wie der Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft inzwischen einer ist. Joachim Löw hat in der europäischen Fußball-Enklave nahe der Adria und Rimini den höchsten Sieg seiner, man darf es sagen, högschd erfolgreichen Karriere beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) errungen. 13:0 hieß es am 6. September 2006. Und nun geht es wieder gegen die Kicker-Zwerge vom Appennin.

Auch wenn es in San Marino aussieht „wie bei einem Bezirksligisten“ (Benedikt Höwedes), will „die Mannschaft“ das WM-Qualifikationsspiel am Freitag (20.45 Uhr live bei RTL und im Liveticker bei abendblatt.de) auf dem Weg zur Titelverteidigung in Russland 2018 ernst nehmen. Beim Löws ersten „ Duell“ mit San Marino vor zehn Jahren schoss Lukas Podolski vier Tore, Miroslav Klose zwei.

Miroslav Klose Assistent von Joachim Löw

Klose (38) ist nun mitgefahren als neuer Assistent oder Praktikant oder wie immer man seine Rolle nennen will. In jedem Fall ist der WM-Rekordtorschütze in neuer Funktion beim DFB. Oder doch in alter? Löw sagte zu den Schlaubergern, die Kloses Rolle als Betreuer skeptisch sehen: "Ein kleiner Tipp für alle, die nach der Aufstellung fragen: Miro ist immer noch spielberechtigt." Klose sagte, es sei für ihn toll, wieder im Kreis der Nationalmannschaft zu sein. „Ich musste weder singen noch strippen", meinte Klose zu Fragen nach einem Aufnahmeritual im Trainerstab des DFB.

Für Löw ist es das 142. Länderspiel als Bundestrainer. Allein Sepp Herberger hat als Chefcoach mehr Partien bestritten (167). Löw würde mit dem erwarteten Erfolg alleiniger Rekordhalter mit 95 Länderspielsiegen. Beim 2:0 gegen Nordirland im Oktober hatte er die Marke von Sepp Herberger (94) eingestellt. In Löws Bilanz stehen zudem noch 24 Unentschieden und 23 Niederlagen.

Für Manuel Neuer kommen ter Stegen und Leno zum Zug

Allerdings muss Löw auf Manuel Neuer, Toni Kroos, Jérôme Boateng und Julian Draxler verzichten. Mesut Özil bekam eine Pause. Thomas Müller ist somit mit 81 Länderspielen der erfahrenste Akteur im Kader. Hinter dem Münchner folgen Sami Khedira und Mario Gomez mit je 68 Partien für Deutschland. Mario Götze steht bei 60 Einsätzen. Yannick Gerhardt, Serge Gnabry und Benjamin Henrichs könnten ihr Debüt feiern.

Khedira wird beim anschließenden Klassiker gegen Italien in Mailand definitiv nicht dabei sein. Löw wird den Legionär von Juventus Turin am Dienstag (20.45 Uhr, live in der ARD) schonen. "Wir machen das nicht aus Jux und Dollerei. Ich habe 24 Pflichtspiele gemacht. Natürlich will ich unheimlich gerne spielen. Aber man muss sinnvoll an die Sache herangehen", sagte Khedira (29) in San Marino. Er wolle "die ganze Saison auf hohem Niveau spielen. Deshalb ist so eine Pause sinnvoll."

Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona wird gegen San Marino im Tor spielen. Bernd Leno (Bayer Leverkusen) wird gegen Italien von Anfang an zwischen den Pfosten stehen.

Neuer Videobeweis im Italien-Spiel

Erstmalig bei einem Spiel mit deutscher Beteiligung wird im Italien-Spiel am Dienstag vom Weltverband Fifa der sogenannte "Video Assistant Referee" eingesetzt. Die Begegnung in Mailand ist der zweite internationale Testlauf für den Assistenten, der auf dem Spielfeld getroffene Entscheidungen anhand von Fernsehbildern überprüft. Erstmalig wurde der "Video Assistant Referee" international beim Spiel zwischen Italien und Vize-Europameister Frankreich (1:3) Anfang September eingesetzt

Nationalmannschaft vor neuen Rekorden

Gewinnt Löws Team in San Marino wäre mit vier Siegen auch der bisherige Startrekord in eine WM-Qualifikation (bislang drei Siege in Folge) geknackt. Das deutsche Team hat derzeit 8:0 Tore und neun Punkte. Noch nie ging man ohne Gegentor durch die ersten vier Partien. Dass San Marino auch offensiv spielen will, belegt Andy Selva. Der 40 Jahre alte Stürmer will die Deutschen ärgern. Acht Tore hat er bislang im Nationalteam erzielt. In seiner Mannschaft stehen ansonsten Olivenöl-Verkäufer, Buchhalter und Studenten. Sie spielen entweder bei den Clubs ihrer Heimat oder in den unterklassigen italienischen Ligen. Filippo Berardi steht immerhin beim italienischen Erstligisten FC Turin unter Vertrag.

Mit Glück und Können könnte ein weiterer Rekord fallen. Den höchsten Sieg einer deutschen Nationalmannschaft gab es am 1. Juli 1912 in Stockholm gegen Russland: 16:0 hieß das Endergebnis.

San Marino vs. Deutschland: Die voraussichtlichen Aufstellungen

San Marino: A. Simoncini (Libertas B. Maggiore/30 Jahre/51 Länderspiele) - D'Addario (US Pianese/19/0), D. Simoncini (Libertas B. Maggiore/30/44), F. Vitaioli (SS Murata/32/43), Palazzi (Tre Penne/29/27) - Berardi (FC Turin/19/1), Cervellini (Pennarossa/28/28), Tosi (Sant Ermete/24/12), Domeniconi (Sammaurese/32/16), M Vitaioli (Coriano/27/44) - Stefanelli (Sporting Novafeltria/23/9)

Deutschland: ter Stegen (FC Barcelona/24/7) - Kimmich (Bayern München/21/9), Höwedes (Schalke 04/28/42), Hummels (Bayern München/28/53), Hector (1. FC Köln/26/24) - Khedira (Juventus Turin/29/68), Gündogan (Manchester City/26/18) - Müller (Bayern München/27/81), Götze (Borussia Dortmund/24/60), Volland (Bayer Leverkusen/24/8) - Gomez (VfL Wolfsburg/31/68)

Schiedsrichter: Artjom Kutschin (Kasachstan)

Löw verlängert beim DFB bis 2020
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