EM-Splitter

Del Bosque tritt als spanischer Nationaltrainer zurück

Trainer aus China will die "Three Lions" übernehmen. Buchmacher favorisieren Klinsmann. Evra fordert Eigeninitiative gegen Island.

Del Bosque tritt zurück

Vicente del Bosque wird seinen Ende Juli auslaufenden Vertrag als spanischer Nationaltrainer nach dem Achtelfinal-Aus bei der Fußball-EM nicht mehr verlängern. Das sagte der 65-Jährige dem spanischen Radiosender RNE am Donnerstagabend. Del Bosque hatte Spanien 2010 zum WM- und 2012 zum EM-Titel geführt.

Er hatte schon vor Euro in Frankreich verkündet, dass er für das Amt nicht weiter zur Verfügung stehe. Nach der 0:2-Niederlage gegen Italien hatte er seine Zukunft aber wieder offengelassen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

EM für Belgischen Stammspieler beendet

Belgiens Abwehrspieler Jan Vertonghen fällt für das EM-Viertelfinale gegen Wales aus. Der Profi von Tottenham Hotspur knickte im Abschlusstraining um und erlitt dabei eine Knöchelverletzung. Eine genaue Diagnose steht noch aus, Vertonghen wurde aber an Krücken gesehen. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll er mehrere Monate nicht spielen können. Für Vertonghen könnte an diesem Freitag (21 Uhr/ZDF) in Lille Jordan Lukaku vom KV Ostende auflaufen. Verteidiger Thomas Vermaelen fehlt der belgischen Nationalmannschaft ohnehin gelbgesperrt.

Erster Island-Bundesligaprofi glaubt an Coup

Der ehemalige Bundesliga-Profi Atli Edvaldsson traut Island gegen Frankreich eine weitere Überraschung zu. „Die Franzosen werden sich insgeheim sicher sagen, uns passiert das nicht. Aber das haben sich die Engländer und die Österreicher vorher auch gesagt. Und die Portugiesen zu 100 Prozent“, sagte der einstige isländische Nationalcoach am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mit Bezug auf die bisherigen EM-Spiele des Teams von Trainer Lars Lagerbäck.

Nach dem sensationellen 2:1 im Achtelfinale gegen England sieht Edvaldsson den Außenseiter mental im Vorteil: „Wir haben zu dieser kollektiven Einstellung gefunden. Das ist unsere Stärke. Alle anderen müssen, aber wir wollen.“ Der 59-Jährige war in den 1980er Jahren erster isländischer Profi in der Bundesliga. Für Borussia Dortmund, Bayer Uerdingen und Fortuna Düsseldorf bestritt er insgesamt 224 Partien und erzielte 59 Tore.

Islands Trainer gelassen vor Frankreich-Spiel
Islands Trainer gelassen vor Frankreich-Spiel

Spiel zwischen EM- und Südamerika-Champion?

Die Uefa hat Aussagen von Südamerikas Fußball-Präsident Alejandro Domínguez über ein vereinbartes Duell des künftigen Europameisters mit Copa-America-Sieger Chile zurückgewiesen. Es habe bislang lediglich informelle Gespräche über eine solche Partie gegeben, hieß es von derUefa am Donnerstag. Domínguez hatte zuvor geäußert, dass das Kräftemessen der Kontinentalchampions bereits abgesprochen sei. Nach dpa-Informationen scheitert das Vorhaben vermutlich an Terminproblemen.

Bereits im kommenden Sommer könnte es allerdings beim Confederations Cup zu einem Duell des neuen Europameisters mit Chile kommen. Beide Teams sind - wie Weltmeister Deutschland - für den WM-Testlauf vom 17. Juni bis 2. Juli in Russland qualifiziert.

Sollte Deutschland auch Europameister werden, nimmt der Finalgegner am Confederations Cup teil. Der neue Europameister wird am 10. Juli im Stade de France gekürt. Chile hatte am vergangenen Sonntag die Copa America Centenario gewonnen. Die Teilnahme am Confederations Cup hatte sich das Team um Bayern Münchens Arturo Vidal allerdings schon mit dem Copa-Sieg 2015 gesichert.

Evra fordert Initiative gegen Island

Frankreich will gegen Island von Beginn an die Initiative ergreifen. „Wir dürfen nicht reagieren, wir müssen agieren“, betonte Routinier Patrice Evra am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im EM-Quartier der Franzosen in Clairefontaine. Die Mannschaft habe viel miteinander gesprochen, betonte der 35-Jährige: „Wir wollen nicht bis zur zweiten Halbzeit abwarten.“

In den bisherigen vier Spielen gelang der Équipe tricolore in den ersten 45 Minuten kein Treffer. Die beiden Gruppenpartien gegen Rumänien (2:1) und Albanien (2:0) entschieden die Franzosen erst in der Schlussphase für sich. Gegen Irland (2:1) hatten sie einen frühen 0:1-Rückstand nach knapp einer Stunde aufgeholt. „Respekt vor der irischen Mannschaft, aber vor einer so einer Situation durften wir erst gar nicht stehen“, meinte Evra.

Gegen Island müsse die Mannschaft ihren Fußball spielen und gewinnen. Es werde aber ein kompliziertes Spiel, prophezeite Evra vor der Partie an diesem Sonntag (21 Uhr) in Saint-Denis. Die Mannschaft spiele seit vier, fünf Jahren zusammen und habe gute Spieler in ihren Reihen. Dennoch betonte Evra mit Blick auf das verlorene Viertelfinale beim vergangenen großen Turner, der WM 2014 in Brasilien (gegen Deutschland): "Ich habe keine Lust, wieder im Viertelfinale auszuscheiden.“

Konzert im Hamburger Michel zum Finale

Passend zum EM-Finale wird in der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai am 10. Juli (18 Uhr) das französische Chor- und Orchesterwerk "Et la vie l'emporta" ("Und das Leben behält den Sieg") von Frank Martin aufgeführt. Auch die deutsche Final-Beteiligung sei mit Kantaten von Johann Sebastian Bach gewährleistet, teilte die Gemeinde am Donnerstag mit. Den jubelnden Schlusspunkt des Konzerts bildet mit Pauken und Trompeten Bachs Osteroratorium "Kommt eilet und laufet". Nach dem Konzert bleibe ausreichend Zeit, um sich einen Ort zum Anschauen des Fußball-Finales zu suchen, hieß es.

Scolari will England-Trainer werden

Zehn Jahre nach seiner Absage hat sich der Brasilianer Luiz Felipe Scolari für den Posten als englischer Nationaltrainer selbst ins Gespräch gebracht. "Ich bin Coach bei Guangzhou und konzentriere mich auf diesen Job. Aber ich weiß von der Wichtigkeit des Jobs bei England im Weltfußball“, sagte der 67-Jährige der "Daily Mail“. "Ich habe eine Zuneigung für den englischen Fußball und bin mir bewusst, dass das Nationalteam erfolgreich sein muss.“ Seit 2015 ist Scolari beim chinesischen Erstligisten Guangzhou Evergrande angestellt.

Nach dem peinlichen Achtelfinal-Aus gegen Island war Roy Hodgson als Trainer der Three Lions zurückgetreten. Nach der WM 2006 hatte Scolari Avancen des englischen Verbandes zurückgewiesen, als Nachfolger von Sven-Göran Eriksson zu übernehmen, da das Interesse öffentlich geworden war, als er selbst noch Portugal trainierte.

Bei der derzeitigen Suche hat der englische Verband FA einen ausländischen Coach ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Als Topfavorit für das Amt als Interimstrainers galt zunächst Gareth Southgate, der U21-Coach steht Medienberichten zufolge jedoch nicht zur Verfügung. Arsenal-Trainer Arsène Wenger gilt als erste Option des Verbandes, zudem werden Laurent Blanc, Claudio Ranieri, Jürgen Klinsmann oder Engländer wie Glenn Hoddle als mögliche Kandidaten von den Medien genannt. Der scheidende FA-Vorsitzende Greg Dyke sagte, die schwierige Frage sei: "Warum sollte es jemand werden wollen?“

Lesniak traut Polen wenig zu

Der frühere Bundesliga-Profi Marek Lesniak glaubt nicht an einen Halbfinaleinzug der Polen. "Wenn alles normal läuft, hat Polen keine Chance. Das muss ich leider so ehrlich sagen", sagte der Ex-Nationalspieler der Rheinischen Post vor dem Viertelfinale gegen Portugal am Donnerstag (21 Uhr/ARD): "Die Polen haben bisher sehr gut gespielt, aber Portugal ist einfach schon eine große Hausnummer."

Auch im Torjägerduell Cristiano Ronaldo gegen Robert Lewandowski sieht der 52-Jährige die Portugiesen im Vorteil. "Ronaldo ist ein absoluter Ausnahmespieler. Er ist einfach noch kompletter als Robert. Total schwer zu stoppen, über 90 Minuten nicht aus dem Spiel zu nehmen", sagte der Trainer der SpVgg Olpe in der Westfalenliga.

Santos: 'Sind glücklich, Cristiano Ronaldo im Team zu haben'
Santos: 'Sind glücklich, Cristiano Ronaldo im Team zu haben'

TV-Experte Lutz Pfannenstiel hält Island für "das Darmstadt 98 der EM" und traut dem Sensationsteam zwar einen weiteren Coup gegen Frankreich, nicht aber den Titel wie Griechenland 2004 zu. "Die Isländer sind absolute Kämpfer, Mentalitätsspieler, die können über sich hinauswachsen. Irgendwann fressen sie dich auf", sagte Weltenbummler Pfannenstiel, der für das ZDF und die BBC alle Spiele des EM-Debütanten analysierte, dem SID.

Pfannenstiel vergleicht Island mit Darmstadt

Im Viertelfinale am Sonntag (21 Uhr/ZDF) in St. Denis gegen den Gastgeber schätzt der 43-Jährige, der als Torhüter auf jedem Kontinent gespielt hat, die Isländer als "nicht chancenlos ein. Die Franzosen verkrampfen leicht, sie leiden schon das gesamte Turnier unter dem Erwartungsdruck, der auf dem Gastgeber lastet. Island dagegen hat doch nichts zu verlieren. Wenn es lange 0:0 steht oder die Isländer sogar in Führung gehen, können sie Frankreich auch rausschmeißen."

Dass der furchtlose Außenseiter den ganzen Weg gehen werden wie Otto Rehhagels Griechen beim Sensations-Titel 2004, glaubt Pfannenstiel aber nicht: "Da sie auf der schweren Seite des Turnierbaumes spielen, ist das fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn sie drei Top-Mannschaften nacheinander ausschalten wollen - England, Frankreich und dann Deutschland oder Italien - müssten sie dreimal 1000 Prozent abzurufen. Das durchzuziehen, wird enorm schwer."

Zumal die Nordeuropäer "fußballerisch limitiertes Talent" haben und "eher bieder spielen. Schöner Fußball ist das nicht", so Pfannenstiel: "Aber jeder erfüllt zu 100 Prozent seine Aufgabe. Sie spielen mit guter Ordnung und Disziplin, versuchen das Spiel langsam zu machen und zu unterbrechen. Körperlich sind das riesige Brocken und gegen diese beiden Viererketten zu spielen, ist ein Geduldsspiel. Daran scheitern dann letztendlich viele."

Auf die Frage, welcher Spieler neben dem überragenden Ex-Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson von Swansea City und dem Augsburger Alfred Finnbogason sich in der Bundesliga durchsetzen könnten, nennt Pfannenstiel sofort Birkir Bjarnasson vom FC Basel.

"Das ist ein absoluter Wikinger", sagte der Verantwortliche für Internationale Beziehungen und Scouting beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim: "Eine Maschine hoch drei. Was der abräumt, ist eine Augenweide. Er könnte in jeder Mannschaft spielen."

Coman darf auf Einsatz hoffen

Angreifer Kingsley Coman vom deutschen Rekordmeister Bayern München hat am Mittwoch wieder das Training bei der französischen Nationalmannschaft in Clairefontaine aufgenommen. Der 20-Jährige hatte sich im Achtelfinale am Sonntag gegen Irland (2:1) eine leichte Verletzung am Knöchel zugezogen. Außenverteidiger Patrice Evra musste das Training dagegen wegen einer Verletzung an der linken Hand vorzeitig abbrechen.

Comans Einsatz im Viertelfinale am Sonntag (21 Uhr/ZDF) in St. Denis gegen Island ist derweil nicht gefährdet. Der Bundesliga-Profi war gegen Irland in der Nachspielzeit ausgewechselt worden.

EM-Auftritte der Spielerfrauen:

Klinsmann Favorit auf England-Posten

Jürgen Klinsmann gilt inzwischen sogar bei Buchmachern in Großbritannien als Favorit auf den Posten als Teammanager der englischen Fußball-Nationalmannschaft. Der Ex-Bundestrainer, bislang noch Coach der USA und im Halbfinale der Copa América als Gastgeber gescheitert, wird besonders bei den Wettanbietern hoch gehandelt. Für einen Buchmacher ist er sogar der wahrscheinlichste Kandidat für die Nachfolge von Roy Hodgson.

"Klinsmann ist meine Wahl für die Übernahme des Postens", sagte der Ex-Liverpooler Jamie Carragher. Klinsmann habe mit Deutschland "ein WM-Halbfinale erreicht, das Halbfinale der Copa América mit den USA, und er kennt das Spiel in England".

Bei den Fans auf der Insel genießt Klinsmann aufgrund seiner Zeit als Spieler bei Tottenham Hotspur in den 1990er-Jahren ein hohes Ansehen. Auch das WM-Achtelfinale 2014 mit den USA nach einer schweren Vorrundengruppe mit Deutschland gilt als Referenz. England hatte vor zwei Jahren die K.o-Runde bei der WM in Brasilien ohne Sieg in der Vorrunde verpasst.

Sky Sport News widmete Klinsmann am Mittwoch erhebliche Sendezeit, der 51-Jährige gilt auch bei Englands führendem Sportsender als Kandidat. Beim US-Verband hat Klinsmann allerdings noch einen Vertrag bis 2018.

Neben U21-Coach Gareth Southgate, der eher als Interimslösung gilt, werden auch Arsenals Teammanager Arsène Wenger und Meistercoach Claudio Ranieri von Leicester City sowie Slaven Bilic (West Ham) gehandelt.

Waliser denken noch immer an Speed

Ein knappes Jahr hat Gary Speed gereicht, um den walisischen Fußball nachhaltig zu verändern. Als der langjährige Kapitän die Mannschaft Ende 2010 übernahm, dürften das jedoch gar nicht so viele Menschen in Wales mitbekommen haben. Rugby ist die dominierende Sportart der Waliser, deren Rugbymannschaft zu den besten der Welt zählt. Eine Fußballpartie zwischen Wales und Nordirland wollten im Mai 2011 dagegen gerade mal 529 Zuschauer sehen.

Speed hatte also die Mannschaft übernommen, feierte mit ihr keine besonderen Erfolge, beeinflusste sie aber nachhaltig. „Er hat die Art verändert, wie wir spielen, und unsere ganze Mentalität“, sagte Superstar Gareth Bale mal über seinen Ex-Coach. Dass Speed nur rund ein Jahr lang sein Trainer war, hat einen traurigen Grund: Im November 2011 nahm er sich das Leben.

„Gary Speed mag zwar nicht mehr unter uns sein, aber er wird immer in unseren Gedanken bleiben“, sagte der walisische Trainer Chris Coleman. „Es war eine fantastische Qualifikation - und Gary Speed hatte daran seinen Anteil.“ Noch besser als die erstmalige Quali für ein großes Turnier läuft das Turnier selbst. Wales trifft im EM-Viertelfinale auf Belgien. Knapp fünf Jahre nach Gary Speed.

Wilmots vor Wales: 'Nur eins im Kopf: Das Finale erreichen'
Wilmots vor Wales: 'Nur eins im Kopf: Das Finale erreichen'

Tschechien-Coach geht nach Russland

Tschechiens Nationaltrainer Pavel Vrba (52) nimmt nach dem Vorrunden-Aus Abschied vom Verband und wechselt als Vereinstrainer nach Russland zum Erstligisten Anschi Machatschkala. Dies gab der tschechische Verband am Donnerstag bekannt.

"Wir können nur den Wunsch des Trainers respektieren, eine Stelle im Ausland annehmen zu wollen", hieß es vonseiten des Verbands-Präsidenten Miroslav Pelta. Die Tschechen hatten in der Vorrunde gegen Spanien (0:1) und die Türkei (0:2) verloren sowie gegen Kroatien (2:2) unentschieden gespielt.

Die Kritik an Coach Vrba, dessen Vertrag noch bis Dezember 2017 lief, hatte zuletzt in den tschechischen Medien stark zugenommen. Pelta widersprach allerdings in dem offiziellen Statement: "Auch wenn unsere Mission in der Gruppenphase endete, war die Vorstellung des Trainers trotzdem ein Erfolg." Vrba hatte im Dezember 2013 den Trainerposten bei den Tschechen angetreten. Für die WM 2014 in Brasilien hatten sich die Tschechen nicht qualifiziert.