Splitter

Ire Brady erzielt zweitschnellstes Tor der EM-Geschichte

Cantona singt "Will Grigg's on Fire". Islands Kult-Kommentator verliert Job. Dopingkontrolle stört Spanier. Polnische Fans wüten.

Srna beendet Nationalelf-Karriere

Einen Tag nach dem Achtelfinal-Aus bei der EM hat Kroatiens langjähriger Kapitän Darijo Srna (33) seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft angekündigt. Der Außenverteidiger von Schachtjor Donezk hat 134 Länderspiele absolviert, das 0:1 n.V. gegen Portugal am Sonnabend in Lens war sein letztes.

Buffon will auch bei der WM das Tor hüten

Italiens Torhüter-Ikone Gianluigi Buffon (38) will seine Karriere bis zur WM 2018 in Russland fortsetzen. "Ich möchte sehr gerne noch zwei Jahre weitermachen. Wenn meine Leistungen den neuen Cheftrainer glücklich machen, bin ich so lange sehr gerne auch noch bei der Nationalmannschaft dabei", sagte Buffon.

Allerdings betonte der Weltmeister von 2006, dass es nicht alleine in seinen Händen liege, wie lange er noch zwischen den Pfosten der Squadra Azzurra steht. "Wenn man auf so einem hohen Level spielt, entscheidest nicht du alleine darüber, ob du weitermachst oder nicht, sondern deine Leistungen auf dem Platz sind entscheidend", betonte Italiens Rekordnationalspieler Buffon.

Brady schreibt gegen Frankreich Geschichte

Der Ire Robbie Brady hat am Sonntag das zweitschnellste Tor bei einer EM-Endrunde erzielt. Brady verwandelte im Achtelfinale in Lyon gegen Gastgeber Frankreich nach 1:58 Minuten einen Foulelfmeter zur Führung. Es war zudem der schnellste Elfmeter der Turnierhistorie.

Frankreich gegen Irland im Liveticker

Schneller als Brady hatte nur Dimitri Kiritschenko getroffen. Der Russe erzielte am 20. Juni 2004 bei der EM in Portugal beim 2:1 im Gruppenspiel gegen den späteren Europameister Griechenland nach 67 Sekunden das 1:0.

Ärgern dürfte Bradys Treffer auch Petr Jiracek: Der ehemalige HSV-Profi traf 2012 nach 2:14 Minuten für Tschechien gegen Griechenland (2:1) und rutscht in der Rekordliste nun auf Rang vier ab.

Grindel packt die EM noch nicht

Die EM hat DFB-Präsident Reinhard Grindel noch nicht so recht in ihren Bann gezogen. "Es ist sicher nicht mit dem Sommermärchen, wie wir es bei der WM 2006 erlebt haben, zu vergleichen. Man stellt fest, dass dieses Land Frankreich andere Probleme hat, auch als die Fußball-Europameisterschaft", sagte der 54-Jährige im Interview mit dem ARD-Hörfunk.

So sei in Frankreich auch wieder das Thema Fangewalt in den Fokus gerückt. Das Thema Hooligans, so der DFB-Chef, habe eine Bedeutung bekommen, "wie wir es etwa in Brasilien oder selbst auch bei der letzten Europameisterschaft in der Ukraine und Polen nicht erlebt haben".

Grindel sieht bei der EM-Endrunde in verschiedenen Bereichen Verbesserungspotenzial: "Die Organisation, wenn ich an den Rasen, wenn ich an manches denke drum herum, hätte vielleicht auch an der ein oder anderen Stelle noch optimaler sein können." Insgesamt könne man allerdings mit der EURO im Nachbarland zufrieden sein, "das ist hier vom französischen Verband alles gut abgewickelt worden, und wir freuen uns jetzt auf die kommenden Spiele".

Cantona singt den nordirischen EM-Hit

Die französische Legende Eric Cantona hat sich als Fan von Mario Götze geoutet. Allerdings lobte der ehemalige Stürmer von Manchester United in seiner Videokolumne bei Eurosport nicht die fußballerischen Fähigkeiten des WM-Helden, sondern dessen, nun ja, nachdenkliche Seite.

Cantona, der während der EM als "selbsternannter Fußballchef" mit Rauschebart und offenem Hemd auftritt, holt weit aus. Er sei angesichts des Spruchs des Schweizers Xherdan Shaqiri über Kondome ins Grübeln geraten. "Ich habe herausgefunden, dass ich wohl einen Sohn in Deutschland habe ... ja, Mario Götze!", sagt Cantona mit gespielter Erschütterung und zitiert dessen Satz: "Mal ist man der Hund, mal der Baum."

Er liebe diese Art von "philosophischem Nonsens", ruft Cantona begeistert, "das sind meine Gene, ich mag Mario". Aber, fügt er entrüstet an: "Meine Möwen haben niemals jemanden angepinkelt."

Hintergrund der Ergänzung: Für seinen legendären Kung-Fu-Tritt gegen einen Fan rechtfertigte sich Cantona (50) einst mit den Worten: "Die Möwen folgen dem Fischkutter, weil sie glauben, dass die Sardinen wieder ins Wasser geworfen werden." Was er damit genau meinte, ist bis heute offen; Cantona begründete damit aber seinen Ruf als Fußball-Philosoph.

Diesen bestätigt er in seiner EM-Kolumne, in der er auf aktuelle Entwicklungen bei der Endrunde eingeht. Er lobt die Kleinen und veralbert die Großen. Er schimpft über die Spielflächen ("Kartoffelacker!") und den Brexit, ja er singt sogar. In der jüngsten Ausgabe intoniert er inbrünstig den inoffiziellen EM-Hit "Will Grigg's on fire" - mit einem lauten "Lalalalalalala" und wackelndem Waschbrettbauch.

Frankreich vorerst ohne Coman gegen Irland

Frankreich startet in das Achtelfinale gegen Irland mit der Startelf vom Eröffnungsspiel. Damit muss Bayern Münchens Kingsley Coman zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen. Im Vergleich zum letzten Gruppenspiel am vergangenen Sonntag nimmt Trainer Didier Deschamps drei Veränderungen vor, unter anderem kehren die gelb-belasteten N'Golo Kanté (Mittelfeld) und Olivier Giroud (Sturm) zurück.

Irlands Trainer Martin O'Neill vertraut am Sonntag in Lyon derselben Elf, die er bereits beim entscheidenden Spiel um den Achtelfinaleinzug aufs Feld geschickt hatte. Die Iren qualifizierten sich durch das 1:0 gegen Italien am vergangenen Mittwoch erstmals für die nächste Runde.

Hodgson will nicht um seinen Job betteln

Roy Hodgson will im Falle eines vorzeitigen Scheiterns nicht um seinen Job als Teammanager der englischen Nationalmannschaft "betteln". Das sagte der 68-Jährige, dessen Vertrag mit der EURO in Frankreich endet, im Gespräch mit verschiedenen britischen Sonntagszeitungen.

Er wolle zwar gerne weitermachen, sagte Hodgson vor dem Achtelfinale der Three Lions am Montag (21 Uhr/ARD) gegen Island. Aber wenn der Verband FA sich anders entscheide, könne er das auch nicht ändern. Hodgson steht auf der Insel wegen verschiedener Personalentscheidungen während der Vorrunde, die Kapitän Wayne Rooney und Co. nur auf Platz zwei hinter Wales beendeten, unter Druck.

Mit Hodgson scheiterte England 2012 im EM-Viertelfinale gegen Italien, 2014 bei der WM war bereits in der Vorrunde Schluss. Der Coach wirkte im Gespräch mit den Medienvertretern dünnhäutig und wies mehrfach Fragen zurück. Er habe keine Lust auf "dumme Kommentare", sagte er.

Besonders die Diskussionen um Rooney, den er im abschließenden Gruppenspiel gegen die Slowakei (0:0) nur eingewechselt hatte, nervten ihn. "Ich habe so viel Schwachsinn akzeptiert, der über mich gesagt und geschrieben wurde. Ich bekomme nicht oft die Chance, die Dinge richtig zu stellen", sagte er - und tat dies. Niemand könne ihm garantieren, dass das Spiel mit Rooney in der Startelf gewonnen worden wäre, sagte er.

Island-Kommentator als Trainer gefeuert

Vor wenigen Tagen wurde der isländische Kommentator Gudmundur Benediktsson noch weltweit bejubelt, jetzt muss er sich einen neuen Job suchen. "Gummi Ben" verlor sein Amt als Assistenzcoach des isländischen Erstligisten KR Reykjavik - allerdings nicht wegen seines irren Kommentars beim EM-Triumph der Nationalmannschaft gegen Österreich (2:1).

Rekordmeister KR ist nach vier Niederlagen in den vergangenen fünf Spielen nur Neunter der ersten isländischen Liga Pepsi-Deildin (zwölf Mannschaften). Nach der jüngsten Pleite am Donnerstag gegen IA Akranes (1:2) mussten der frühere Nationalspieler Benediktsson und sein Chef, Bjarni Gudjonsson Eggert, gehen.

Klub und Trainergespann seien nach den zuletzt "inakzeptablen Ergebnissen" übereingekommen, dass eine Trennung unausweichlich sei, hieß es in einer Mitteilung auf der Internetseite des Vereins. Da half es auch nicht mehr, dass "Gummi Ben" eigens für das Spiel gegen Akraness nach Hause geflogen war.

Benediktsson bleibt noch sein Zweitjob beim Fernsehen, für das der 41-Jährige als freier Mitarbeiter tätig ist. Beim Achtelfinal-Duell zwischen Island und England am Montag (21.00 Uhr) in Nizza wird er die Kopfhörer mit dem Mikrofon wieder aufsetzen.

Polnische Fans randalieren in Berlin

Dutzende betrunkene polnische Fans haben nach dem Sieg ihrer Mannschaft im Achtelfinale in Berlin-Gesundbrunnen randaliert. Mehr als 130 Polizisten waren am Sonnabendabend in der Pankstraße/Ecke Thurneysserstraße im Einsatz, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Etwa 30 polnische Fans blockierten vor einem Lokal zunächst die Fahrbahn und zündeten Pyrotechnik. Ein Mann wurde festgenommen, als er flüchten wollte. Andere versuchten immer wieder, ihn zu befreien. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben schließlich Pfefferspray gegen einen Täter ein, der besonders aggressiv gewesen sein soll.

Die Gruppe der Randalierer wuchs zwischenzeitlich auf rund 150 Menschen. Flaschen und Gläser wurden auf Polizisten geworfen. Erst als die Ordnungshüter Verstärkung erhielten, beruhigte sich die Lage. Der Inhaber des Lokals schenkte nach Absprache mit der Polizei keine Getränke mehr aus. Daraufhin verließen die betrunkenen Fans den Ort.

Waliser bangen um ihren Kapitän

Wales muss im Viertelfinale womöglich auf Kapitän Ashley Williams verzichten. Der Abwehrchef (31) hat sich beim 1:0 (0:0) im Achtelfinale gegen Nordirland an der linken Schulter verletzt.

"Wir müssen jetzt abwarten, die nächsten 24, 48 Stunden werden zeigen, wie schwer die Verletzung ist", sagte Trainer Chris Coleman nach der Begegnung in Paris. Noch sei nicht klar, ob Williams lediglich eine Prellung erlitten habe, oder ob die Bänder oder Muskeln in der Schulter schwerer verletzt seien. Wales trifft im Viertelfinale am Freitag in Lille auf Ungarn oder Belgien.

Portugal und Wales jubeln nach Viertelfinaleinzug
Portugal und Wales jubeln nach Viertelfinaleinzug

Pirlo warnt Spanien vor Italien

Andrea Pirlo traut Italien gegen Spanien eine Überraschung zu. „Spanien ist der Favorit, weil sie immer noch den besten Fußball spielen, aber jetzt kann man versuchen, gegen sie zu spielen. Bei der letzten EM war das quasi unmöglich“, sagte der Mittelfeldspieler der „Gazzetta dello Sport“ (Sonntag). „Gegen Italien zu spielen ist nie leicht, gegen dieses Italien auch nicht“, sagte der Weltmeister von 2006.

Das Duell zwischen den beiden Fußball-Großmächten im Achtelfinale am Montag komme zu früh, urteilte Pirlo. „Es hätte ein schönes Finale sein können. Und eine schöne Revanche für uns, aber das geht auch im Achtelfinale“, sagte er mit Blick auf das EM-Finale 2012, das Pirlo mit den Azzurri 0:4 gegen Spanien verloren hatte. Antonio Contes Handschrift als Trainer sei deutlich sichtbar, lobte Pirlo. „Jeder Spieler weiß bis ins kleinste Detail, was er zu tun hat.“

Der 37-Jährige hatte nach der WM 2014 zunächst seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, dann aber angekündigt, doch weiter zur Verfügung zu stehen. Nach seinem Wechsel zu New York City FC berücksichtigte ihn Conte jedoch nicht für die EM. „Als ich in die USA gegangen bin, waren die Sachen zwischen mir und dem Trainer sofort klar“, sagte der 116-malige Nationalspieler dazu.

Quoten: ZDF schlägt ARD zweifach

Trotz extrem langweiliger 120 Minuten verbuchte das ZDF am Sonnabendabend bei der Live-Übertragung des EM-Achtelfinals zwischen Kroatien und Portugal (0:1 n.V.) mit 12,59 Millionen Zuschauern eine gute Quote. Der Marktanteil bei der 129-minütigen Übertragung betrug 43,9 Prozent.

Das Zweite verzeichnete mit 8,95 Millionen bei Schweiz-Polen (1:1 n.V., 4:5 i.E.) ebenfalls eine ansprechende Reichweite. Der Marktanteil belief sich auf stolze 52,6 Prozent.

Knapp dahinter lag die Live-Übertragung des dritten Achtelfinals am Sonnabend in der ARD, Wales-Nordirland (1:0). Hier schauten 8,90 Millionen (MA: 41,0 Prozent) die kleine "Battle of Britain".

Die EM-Übertragungen dominierten auch am Sonnabend wieder die Einschaltquoten der öffentlich-rechtlichen TV-Sendern. Bis auf das heute-journal (11,35 Millionen/MA: 37,3) und die Tagesschau (10,20/MA: 39,3) waren unter den Top Ten acht EM-Übertragungen bzw. Zusammenfassungen und Moderationen zur EURO in Frankreich.

Dopingkontrolle stört Spanier

Die Vorbereitung der Spanier auf das Achtelfinale gegen Italien am Montag (18 Uhr/ARD) in St. Denis wurde am Sonnabend kurzzeitig gestört. Gleich zehn Spieler des Titelverteidigers mussten eine Dopingprobe abgeben. "Die Blut- und Urinproben wurden ohne Zwischenfälle durchgeführt", teilte der spanische Verband mit.

Auf der Ile de Ré vor der französischen Westküste führte die Anti-Doping-Kommission der Uefa eine Trainingskontrolle durch. Bei den Wettkampfkontrollen unmittelbar nach den EM-Spielen werden normalerweise nur zwei Spieler getestet.

Darf Brych im Viertelfinale wieder ran?

Schiedsrichter Felix Brych (München) muss weiter auf seinen dritten EM-Einsatz warten, er darf dafür aber höchstwahrscheinlich ein Viertelfinale leiten. Die Uefa nominierte am Sonnabend den slowenischen Unparteiischen Damir Skomina (39) für das Achtelfinale zwischen England und Island am Montag (21 Uhr/ARD) in Nizza und Cüneyt Cakir (39) aus der Türkei für das Spiel zwischen Italien und Spanien am gleichen Tag in St. Denis (18 Uhr/ARD).

Brych (40) war in Frankreich bislang in den Vorrundenspielen zwischen England gegen Wales (2:1) sowie Schweden und Belgien (0:1) zum Einsatz gekommen. Der Jurist gehört zu den zwölf (von zunächst 18) Unparteiischen, die mindestens bis nach den Viertelfinals in Frankreich bleiben. Die Uefa hatte angekündigt, die zwölf Achtel- und Viertelfinals auf die Schiedsrichter verteilen zu wollen.