3:4 gegen Liverpool

"Klopp beweist, dass er Wunder vollbringen kann"

Jürgen Klopp feiert den Sieg gegen Dortmund

Jürgen Klopp feiert den Sieg gegen Dortmund

Foto: Carl Recine / REUTERS

BVB-Kapitän bezeichnet Aus in der Europa League als "herben Rückschlag für den Verein". Englische Medien feiern Jürgen Klopp.

Liverpool. Mehr Drama geht kaum: In einem denkwürdigen Spiel hat Borussia Dortmund den Einzug ins Halbfinale der Europa League verpasst. Der Fußball-Bundesligist unterlag dem FC Liverpool am Donnerstagabend im Viertelfinal-Rückspiel nach zweimaliger Zwei-Tore-Führung mit 3:4 (2:0). Der entscheidende Treffer für die von Ex-BVB-Coach Jürgen Klopp betreuten "Reds" fiel in der Nachspielzeit.

Abendblatt.de hält Sie über Borussia Dortmund und die Europa League auf dem Laufenden:

Englische Pressestimmen

„The Sun“: „Der Tag, an dem Jürgen Klopp seine Reise von Gelb zu Rot beendete.“

„The Mirror“: „Jürgen Klopp hat sich heute Nacht selbst in die Folklore Liverpools eingereiht - die Fundamente für eine neue Ära des Erfolges sind gelegt.“

„Daily Mail“: „Borussia Dortmund hatte Klasse, aber Liverpool hatte etwas mehr. Etwas Undefinierbares. .... Sie waren geschlagen, sie waren kaputt. Und dann waren sie es doch nicht.“

„The Telegraph“: „Wie hat Liverpool das Comeback gegen Borussia Dortmund geschafft? Und wo reiht sich das Spiel in die größten europäischen Nächte in Anfield ein? Klopps Mut hat sich ausgezahlt.“

„Independent“: „Jürgen Klopp beweist, dass er Wunder vollbringen kann. Liverpool erschien in dem Spiel bereits zweimal tot und beerdigt.“

„The Guardian“: „Das war eine der großen europäischen Nächte in Anfield, und das sogar bevor Liverpool ein Comeback hinlegte, das sich mit allem in seiner großen Geschichte messen kann.“

„The Times“: „Es gibt Augenblicke im Leben, die immer im Gedächtnis der Menschen verbleiben. Erinnerungen, die sie lächeln und glauben lassen.“

Nächster Sport1-Quotenrekord bei Dortmunds Europa-League-K.o.

Der Europa-League-K.o. von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat dem TV-Sender Sport1 die zweite Rekordquote binnen Wochenfrist beschert. Durchschnittlich 6,26 Millionen Zuschauer beim 3:4 des BVB im Viertelfinal-Rückspiel bei seinem Ex-Trainer Jürgen Klopp und dem FC Liverpool sorgten für den Höchstwert in der über 20-jährigen Geschichte des Senders. Der Marktanteil (MA) bei der Übertragung von der Anfield Road lag bei starken 21,2 Prozent und machte die Münchner am Donnerstag zum Tagessieger im deutschen Fernsehen.

Sport1 hatte erst in der Vorwoche durch das Hinspiel (1:1) seinen Rekordzuspruch auf 5,68 Millionen Fans (MA: 19,1) verbessert. Zuvor hatte die höchste Quote von Sport1 und seines Vorgängers DSF bei den 4,88 Millionen Zuschauern beim UEFA-Cup-Halbfinale zwischen Dortmund und AJ Auxerre im Jahr 1993 gelegen.

Englische Medien feiern Klopp

In den englischen Medien wird Jürgen Klopp natürlich gefeiert. „Der Tag, an dem Jürgen Klopp seine Reise von Gelb zu Rot beendete“, schrieb das englische Boulevardblatt „Sun“ und im „Mirror“ war zu lesen: „Jürgen Klopp hat sich heute Nacht selbst in die Folklore Liverpools eingereiht - die Fundamente für eine neue Ära des Erfolges sind gelegt.“

Übervolle BVB-Kneipe in Hamburg

Auch in der Stadt des nächsten BVB-Gegners wurde mit den Dortmundern gezittert. Doch am Ende herrschte in der übervollen Hamburger Fankneipe "Dreißig" Katzenjammer unter den Dortmunder Anhängern. Am Sonntag trifft Dortmund in der Bundesliga auf den jüngsten Angstgegner HSV (15.30 Uhr, im Liveticker auf abendblatt.de).

Deutscher Anfield-Fluch hält an

Es bleibt dabei: Deutsche Mannschaften können an der Anfield Road einfach nicht gewinnen. Durch das 4:3 gegen Dortmund baute Liverpool seine Bilanz gegen Bundesligateams auf 14 Siege aus (bei drei Unentschieden). Schwacher Trost für den BVB: Die Borussia verdoppelte durch ihre drei Treffer auf einen Schlag die deutsche Torausbeute. Dennoch ist die Auswärts-Tordifferenz gegen die "Reds" mit nun 6:47 aus deutscher Sicht weiterhin vernichtend.

Klopp verletzt sich beim jubeln

Jürgen Klopp hat sich beim jubeln verletzt: Mein rechter Arm tut weh, ich weiß nicht, wer mich da getroffen hat", sagte Liverpools Trainer dem vereinseigenen Sender. Nicht der erste folgenreiche Jubel für Klopp: Beim 5:4-Sieg in der Premier League bei Norwich City musste der 48-Jährige den Verlust seiner Brille hinnehmen. Gleiches widerfuhr ihm bereits im DFB-Pokal nach einem Triumph seiner damaligen Dortmunder beim FC Bayern München.

Liverpools Ikonen aus dem Häuschen

Auch Liverpools Ikonen sind ganz aus dem Häuschen. "Wie könnte man den FC Liverpool, die Anfield Road und dieses wunderschöne rote Trikot an einem solchen Europacup-Abend nicht lieben?", fragte Ex-Spieler John Arne Riise rhethorisch. Und Club-Legende Ian Rush twitterte: "Was für ein unglaubliches Spiel! Und die Fans machten es sogar noch besser."

Klopp: "Es gab vielleicht fünf Spiele dieser Art"

Für Jürgen Klopp war der Erfolg auf den letzten Drücker gegen seinen Ex-Club ein hoch emotionales Erlebnis. "Ich habe etwa 500 Spiele als Trainer erlebt, aber es gab vielleicht fünf Spiele dieser Art. Die muss ich nicht miteinander vergleichen", sagte Klopp nach dem Spiel. "Ich genieße es einfach und werde es sowieso nie vergessen. Anfield ist ein Ort für große Fußball-Momente. Wir kennen unsere Verantwortung, hier ein paar weitere schöne Geschichten zu schreiben. Heute war eine davon." Was Klopp noch sagte, lesen Sie hier.

Wusste BVB nichts von den Comeback-Reds?

Dortmund hätte es eigentlich wissen können: Der FC Liverpool ist Spezialist für Last-Minute-Comebacks, und das nicht erst seit der Amtszeit Jürgen Klopps. Legendär war unter anderem der 5:4-Sieg im Finale des damaligen Uefa-Cups gegen Deportivo Alavés im Jahr 2001, der nach stetem Hin und Her erst in der Verlängerung durch ein Golden Goal sichergestellt wurde. Und wo fand das Endspiel statt? Richtig, im Dortmunder Westfalenstadion. Vier Jahre später das nächste Drama mit glücklichem Ende für die "Reds": Nach 0:3-Pausenrückstand kam Liverpool im Finale der Champions League gegen den AC Mailand zurück und triumphierte letztendlich im Elfmeterschießen.

Auch in dieser Saison haben die Engländer ihre Comeback-Qualitäten unter Beweis gestellt. Unter anderem kamen sie in der Premier League in der Nachspielzeit noch zu einem Punktgewinn gegen Arsenal (3:3) und schlugen beim 5:4-Sieg bei Norwich City nach dem in der Nachspielzeit kassierten Ausgleichstreffer selbst noch einmal zu. Dazu kamen in Ligapokal und FA-Cup insgesamt drei Elfmeterschießen und eine Verlängerung.

Hummels legt den Finger in die Wunde

Weder Marco Reus ("Ich habe keine Ahnung") noch Trainer Thomas Tuchel ("Es ist etwas Unlogisches passiert") konnten oder wollten die Niederlage gegen Liverpool erklären. Als vorerst einziger BVB-Profi legte stattdessen Mats Hummels den Finger in die Dortmunder Wunde. Hier die Antworten des Kapitäns auf die Fragen der Medienvertreter:

Frage: Die Borussia hat drei Tore geschossen, aber das Spiel dennoch aus der Hand gegeben. Wie ist zu erklären?

Mats Hummels: Das ist völlig richtig, diese Frage müssen wir uns stellen. Wir hätten mit dem 3:1 das Spiel so unter Kontrolle bringen müssen, dass nichts mehr anbrennt. Aber wir haben die Konzentration weder in der Offensive noch in der Defensive auf den Platz gekriegt. Liverpool hat am Ende jedes Ding reingemacht. Das war ein Spiel der Kategorie, bei der man sagen muss, wir haben es verloren und nicht der Gegner gewonnen.

Hätte man nach dem 3:1 nicht die Defensive verstärken müssen?

Hummels: Das ist ein Denkfehler. Wir müssen das Spiel mit dem Ball kontrollieren. Das haben wir am Ende einfach nicht mehr gemacht. Wir müssen uns zeigen auf jeder Position, hart in die Zweikämpfe gehen. Man kann nicht ganz ausschließen, das wir uns zu sicher gefühlt haben. Nach dem 3:1 haben Einzelne bereits gedacht, damit ist das Ding besiegelt.

Was heißt diese Niederlage für den Rest der Saison?

Hummels: Im Endeffekt ist es eine Riesenenttäuschung, das kann man nicht anders sagen - für uns alle, für jeden Dortmunder. Das war der realistischste Titel, der in dieser Saison rumlag. Ich dachte eigentlich - das muss ich zugeben -, dass wir das Ding holen. Das ist schon ein herber Rückschlag für den Verein.

Weidenfeller: "Hätten den Stecker ziehen müssen"

Wie seine Teamkollegen war auch Dortmund Torhüter Roman Weidenfeller nach der Last-Minute-Pleite mehr als bedient. "Wir waren kurz vor dem Ziel, haben es aber nicht geschafft, den Vorsprung über die Zeit zu bringen", sagte Weidenfeller. "Wir hätten unser Spiel weiter durchziehen müssen und nicht irgendwann den Stecker ziehen müssen. Wir müssen alle zwei Mal durchschnaufen - das ist heute eine ganz bittere Niederlage."

Deutscher Nationalspieler Can verletzt

Liverpools deutscher Nationalspieler Emre Can droht eine verletzungsbedingte Zwangspause. "Er hat etwas am Knöchel, was genau, weiß ich noch nicht", sagte Jürgen Klopp nach dem Sieg gegen Dortmund. Can musste in der 80. Minute beim Stande von 3:3 ausgewechselt werden, humpelte nach dem Schlusspfiff aber schon wieder mit einem Verband um den rechten Fuß auf den Platz, um den Sieg mit seinem Team zu feiern.

"So einen Abend erlebt man nicht oft", sagte Can im Anschluss, "ich kann das noch gar nicht richtig realisieren. Respekt an jeden Einzelnen - was wir heute gezeigt haben, was die Fans gezeigt haben, so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich bin einfach nur stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein.“

Statistik

Liverpool: Mignolet - Clyne, Lovren, Sakho, Moreno - Milner, Can (80. Lucas Leiva) - Lallana (62. Allen), Firmino (62. Sturridge), Coutinho - Origi. - Trainer: Klopp

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer - Weigl - Castro (82. Gündogan), Kagawa (77. Ginter) - Mchitarjan, Aubameyang, Reus (83. Ramos). - Trainer: Tuchel

Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei)

Tore: 0:1 Mchitarjan (5.), 0:2 Aubameyang (9.), 1:2 Origi (48.), 1:3 Reus (57.), 2:3 Coutinho (66.), 3:3 Sakho (78.), 4:3 Lovren (90.+1)

Zuschauer: 45.000 (ausverkauft)

Beste Spieler: Can, Origi - Castro, Kagawa, Reus

Gelbe Karten: - Hummels (2), Piszczek, Schmelzer

Erweiterte Statistik (Quelle: deltatre):

Torschüsse: 21:10

Ecken: 11:2

Ballbesitz: 55:45 %