Champions League

Spanische Medien bedienen Cristiano Ronaldos Eitelkeit

Cristiano Ronaldo, der du bist im Himmel: Reals Luka Modric (l.) und Pepe (r.) wagen es, ihren übergroßen Teamkollegen anzufassen

Cristiano Ronaldo, der du bist im Himmel: Reals Luka Modric (l.) und Pepe (r.) wagen es, ihren übergroßen Teamkollegen anzufassen

Foto: Witters

Zeitung dichtet "Ronaldo Unser". Wolfsburgs Arnold nimmt das "Sch..."-Wort in den Mund. VfL drohen zwei Ausfälle, Allofs scherzt.

Es kam, wie es wohl kommen musste: Der VfL Wolfsburg konnte dem Druck von Real Madrid nicht Stand halten und ist nach einer 0:3 (0:2)-Niederlage im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League ausgeschieden. Überragender Mann am Dienstagabend im Bernabéu war Cristiano Ronaldo, der den Fußball-Bundesligisten mit drei Treffern im Alleingang aus der Königsklasse schoss. Nach dem überraschenden 2:0-Sieg im Hinspiel steht für Wolfsburg dennoch unter dem Strich der größte internationale Erfolg der Vereinsgeschichte. Abendblatt.de hält Sie über die Champions League auf dem Laufenden.

Wolfsburgs Viertelfinalfluch hält an

Schon wieder ereilte den VfL Wolfsburg das vorzeitige Aus im Europapokal-Viertelfinale. Zum dritten Mal in Serie scheiterte der Bundesligist in der Runde der letzten Acht. Diesmal sogar trotz eines 2:0 im Hinspiels. Davor war in der selben Runde jeweils in der Europa League Endstation.

"Waisenkind" Wolfsburg - Die Pressestimmen

Nach seinem Dreierpack gegen "Waisenkind" VfL Wolfsburg wird Cristiano Ronaldo in den spanischen Zeitungen als "Superheld", "Hurrikan" und "Everest" gefeiert. AS stimmt sogar ein Gebet an: "Cristiano Ronaldo, der du bist im Himmel...". Ausgewählte Pressestimmen zum Durchklicken:

Arnold: "So ging die Scheiße los"

Die Wolfsburger hatten es Dreierpacker Ronaldo ziemlich leicht gemacht. Ronaldos ersten Treffer leitete Maximilian Arnold mit einem kapitalen Fehler ein. Beim Kopfball zum 0:2 stand Luiz Gustavo zu weit weg von Ronaldo. Und beim Freistoßtreffer des Portugiesen flog der Ball durch die Mauer. "Vor dem 0:1 spiele ich einen Katastrophenball. So ging die Scheiße los", sagte ein sichtlich mitgenommener Arnold. Auch Weltmeister André Schürrle war kaum zu trösten: "So eine Chance bekommt man nicht so oft - und die haben wir leider vergeigt."

Lineker und Matthäus adeln Ronaldo

Auch ehemalige Fußball-Größen verneigen sich vor Cristiano Ronaldo. „Ronaldo ist wirklich ein wunderbarer besonderer Spieler. Einer, der dann da ist, wenn es drauf ankommt“, schrieb der einstige englische Nationalspieler Gary Lineker bei Twitter. „Ein großes Spiel braucht einen großen Spieler“, meinte der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.

Ronaldo befand allerdings, dass er gegen Wolfsburg nicht mal seine beste Leistung gezeigt habe. „Ich habe schon besser gespielt“, sagte der 31 Jahre alte Portugiese nach der Partie im Estadio Santiago Bernabéu am Dienstagabend. „Nur weil ich drei Tore geschossen habe, muss es nicht meine beste Leistung gewesen sein.“ Zumindest verriet der Ausnahmefußballer einen Teil seines Erfolgsrezepts: „Wenn Du hart arbeitest, kommen die Tore und Vorlagen.“ Und er arbeite immer hart.

Allofs scherzt schon wieder

Trotz des Wolfsburger Ausscheidens war Klaus Allofs bereits wieder zu Scherzen aufgelegt. Auf die Frage, wann er mit den Niedersachsen zurück auf die Champions-League-Bühne möchte, antwortete der Manager: "Nächstes Jahr, vielleicht bekommen wir ja eine Wild Card (lacht). Die Champions League ist natürlich das Salz in der Suppe, wir haben es genossen. Aber jetzt müssen wir einmal aussetzen."

"Besserer" Ibrahimovic gratuliert ManCity

Nach dem Scheitern in der Champions League hat Paris St. Germains Trainer Laurent Blanc die Verantwortung für das erneute vorzeitige Aus des französischen Meisters übernommen. „Ich haue aber nicht ab“, betonte der Coach des Hauptstadt-Clubs, der nach dem 2:2 im Hinspiel vor heimischer Kulisse durch ein 0:1 bei Manchester City im Viertelfinale ausschied. Das Tor gegen PSG-Keeper Kevin Trapp hatte der Ex-Wolfsburger Kevin De Bruyne erzielt.

„Wir haben unsere Grenzen aufgezeigt in beiden Spielen, sowohl taktisch als auch technisch“, räumte Blanc ein: „Wir waren einfach in beiden Spielen nicht effizient genug.“

Paris St. Germain, das in der Meisterschaft von EM-Gastgeber Frankreich seit Langem wieder als Titelträger feststeht, scheiterte in der Königsklasse nun zum vierten Mal in Serie im Viertelfinale. Seit 21 Jahren wartet der Verein auf den Einzug unter die besten vier Teams Europas.

„Ich denke, wir sind eigentlich eine bessere Mannschaft, aber wir haben heute Abend verloren und wir hatten zuhause 2:2 gespielt, daher alles Gute Manchester City“, meinte Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic. Trotz einer Vielzahl nationaler Titel in den Niederlanden, Italien, Spanien und Frankreich wartet der Schwede mit nunmehr 34 Jahren noch immer auf seinen ersten Titel in der Champions League.

Draxler und Henrique verletzt

Wolfsburg droht am Sonnabend im Bundesliga-Spiel bei Werder Bremen der Ausfall von Julian Draxler und Bruno Henrique. „Julian Draxler hat sich eine Muskelverletzung und Bruno Henrique wohl eine Gehirnerschütterung zugezogen“, sagte VfL-Trainer Dieter Hecking nach der Pleite von Madrid. Beide Spieler mussten vorzeitig ausgewechselt werden. Vor allem Henrique hat es offensichtlich schlimmer erwischt. „Er hat einen Schlag ins Gesicht bekommen und war benebelt. Er lag mit einer blutigen Lippe in der Kabine und war nur kurzzeitig ansprechbar“, berichtete VfL-Sportchef Klaus Allofs. Laut Hecking dürften beide am Sonnabend ausfallen.

Ronaldo schwärmt von sich selbst

Cristiano Ronaldo gerät über seine eigene Leistung ins Schwärmen. "Das war eines meiner besten Nächte im Europapokal", sagte der 31 Jahre alte Portugiese, der seine unglaubliche Torquote so erklärte: "Tore liegen in meiner DNA." Gegen Wolfsburg erzielte der Superstar die Treffer Nummer 14 bis 16 in der laufenden Saison der Königsklasse. Der Offensivstar hat damit bereits 93 Champions-League-Treffer auf dem Konto und damit zehn mehr als sein Dauerrivale Lionel Messi vom FC Barcelona.

Und auch von seinem eigenen Saison-Torrekord in der Champions League ist Ronaldo nur noch ein Tor entfernt. In der Spielzeit 2013/2014, in der er mit Real auch den Cup gewann, kam er auf 17 Tore, nun steht er bei 16 Treffern. In der Rekordliste steht Messi mit 14 Toren (2011/2012) hinter Ronaldo. Einziger Deutscher in den Top drei ist Mario Gomez (12 Tore/2011/12/damals FC Bayern).

"Cristiano hat gezeigt, dass er der beste Spieler der Welt ist", schwärmte Real-Trainer Zinédine Zidane. Innenverteidiger Pepe meinte, Ronaldo sei den anderen "um Lichtjahre voraus". Weltmeister Toni Kroos war mit dem Lob für seinen berühmten Teamkollegen etwas zurückhaltender: "Er hat sehr gut gespielt, so wie die ganze Mannschaft."

Bei Allofs und Hecking überwiegt der Stolz

Wolfsburgs Manager Klaus Allofs hat seiner Mannschaft ein durchweg positives Königsklassen-Zeugnis ausgestellt. "Von zehn Spielen haben wir sieben gewonnen, das ist außergewöhnlich", sagte Allofs nach dem 0:3 in Madrid: "Wir können unheimlich stolz darauf sein, wie wir die Champions League gespielt haben, auch diese beiden Spiele gegen Real."

Auch Trainer Dieter Hecking war weit davon entfernt, seinen Spielern nach dem wohl größten Spiel der Klubgeschichte im Fußball-Tempel Bernabéu mit 76.684 frenetischen Fans irgendwelche Vorwürfe zu machen. "Die Mannschaft kann absolut mit erhobenem Haupt aus Madrid wegfliegen", sagte Hecking: "Sie ist in der Champions League über sich hinausgewachsen."

Bei den Spielern war jedoch nach dem Schlusspfiff die Enttäuschung über die knapp verpasste Halbfinal-Chance groß. "Wir werden zwei, drei Tage leiden und daran zu knabbern haben. Aber dann müssen wir auch Selbtvertrauen daraus ziehen, dass wir eine Mannschaft wie Real Madrid zumindest an den Rand des Ausscheidens gebracht haben", sagte Allofs.

Statistik

Real: Navas - Carvajal, Ramos, Pepe, Marcelo - Casemiro - Modric (90.+2 Varane), Kroos - Bale, Benzema (84. Jese), Ronaldo. - Trainer: Zidane

Wolfsburg: Benaglio - Vieirinha, Naldo, Dante, Ricardo Rodriguez - Guilavogui (80. Dost), Luiz Gustavo - Henrique (73. Caligiuri), Arnold, Draxler (32. Max Kruse) - Schürrle. - Trainer: Hecking

Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)

Tore: 1:0 Ronaldo (15.), 2:0 Ronaldo (18.), 3:0 Ronaldo (77.)

Zuschauer: 76.684

Gelbe Karten: Ronaldo - Arnold (3), Luiz Gustavo (3), Dante, Vieirinha (3)

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