FC Bayern München

Fan-Protest und Atlético-Vorwurf gegen "Diktator" Rummenigge

Bayern-Boss Rummenigge wurde am Dienstag mit einem Fan-Spruchband angegriffen

Bayern-Boss Rummenigge wurde am Dienstag mit einem Fan-Spruchband angegriffen

Foto: Witters

Kritik an Schiedsrichter Brych nach Spiel Barcelona gegen Madrid weitet sich zu Verschwörungstheorie aus. Guardiola adelt Vidal.

Wenig Glanz, viel Krampf, aber alle Chancen: Bayern München darf dank eines Blitztreffers von Arturo Vidal trotz einer äußerst dürftigen Vorstellung gegen Benfica Lissabon auf den fünften Halbfinal-Einzug in der Champions League in Serie hoffen. Die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola setzte sich in einem ausgeglichenen Duell mit dem portugiesischen Rekordmeister mühevoll 1:0 (1:0) durch, ohne für spielerische Höhepunkte zu sorgen. Für das Viertelfinal-Rückspiel am 13. April im Estádio da Luz ist das eine gute, allerdings keine beruhigende Ausgangslage.

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Vidal erzielte nach nur 108 Sekunden seinen ersten Treffer für die Bayern in der Königsklasse (2.) und sicherte so den elften Heimsieg in Europa hintereinander. Vor allem in Halbzeit zwei hatten die nachlässigen Münchner aber Glück, dass die Null hielt. Glück hatte Guardiolas Elf, dass Schiedsrichter Szymon Marciniak ein Handspiel von Philipp Lahm im eigenen Strafraum nicht ahndete (29.).

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Fan-Protest gegen Rummenigge

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge bläst immer mehr Gegenwind ins Gesicht. Nicht nur Atléticos Manager ist nicht gut auf den Münchner Vorstandsvorsitzenden zu sprechen (siehe vorheriger Eintrag), auch die Fans setzten sich gegen ihn zur Wehr. "'Sportlicher Geist muss alle beseelen, die sich Bayern nennen' – Setzliste? Wildcard? Superliga? Hörts auf mit dem Schmarn!", stand auf einem Spruchband im Bayern-Fanblock.

Hintergrund sind die umfangreichen Reformpläne Rummenigges, der mehr Geld durch Vermarktung herausschlagen will. So schlägt der 60-Jährige unter anderem eine Setzliste in der Champions League vor, um Duelle der europäischen Topclubs in frühen Runden zu verhinden. Außerdem dachte Rummenigge, der sich zu den Protesten nicht äußern wollte, schon laut über eine Superliga in Europa nach. Beides sind offenbar Planspiele, mit denen sich die Anhänger des Rekordmeisters nicht identifizieren können.

Noch ein Sieg zum ManUnited-Rekord

Die Bayern feierten gegen Lisabon den elften Heimieg nacheinander in der Champions League und bauten damit ihren Vereinsrekord aus. Zur Königsklassen-Bestmarke von Manchester United (zwölf Heimerfolge) fehlt nun nur noch ein Sieg. Die elf Bayern-Siege in der Übersicht:

Atlético sauer auf Brych und Rummenigge

Atlético Madrid hat nach seiner 1:2-Niederlage beim FC Barcelona scharfe Kritik am deutschen Schiedsrichter Felix Brych geübt. Der Bundesliga-Referee aus München habe im Viertelfinal-Hinspiel mit zweierlei Maß gemessen, beklagt Atléticos Geschäftsführer Miguel Angel Gil Marín. "Der FC Barcelona hat eine solche Protektion (durch den Schiedsrichter) nicht nötig“, Marín. Er bezog sich damit vor allem auf den Platzverweis gegen Atlético-Torschütze Fernando Torres.

Gil Marín äußerte gar den Verdacht, sein Club könne das Opfer einer Verschwörung sein. "Der FC-Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge will, dass die Clubs ins Halbfinale kommen, von denen er meint, dass sie das Kommando führen“, behauptete der Atlético-Manager. "Und das wird letzten Endes auch eintreten.“ Der Fußball dürfe jedoch nicht von einer "Diktatur der Großvereine" beherrscht werden. "Der Fußball gehört allen, und so muss es auch bleiben.“

Thomas Müller fordert mehr "Geilheit"

Thomas Müller lobte Benfica für seine gute Abwehrarbeit, haderte aber auch mit dem eigenen Offesnivspiel. "Wir haben eine gute Einstellung gehabt und gut gefightet. Aber wir hatten nicht so viele Torchancen, wie wir uns gewünscht hätten. Und die wenigen haben wir nicht genutzt", sagte Müller, "wir hätten gerne das zweite Tor gemacht." Das 1:0 sei ein gutes Heimergebnis. "Es war daher nicht nötig, dass wir zu viel riskieren. Wir müssen jetzt nochmal die gleiche konzentrierte Leistung abrufen, für das Rückspiel benötigen wir etwas mehr Geilheit und Esprit."

Guardiola kennt Vidals beste Position

Pep Guardiola hat Matchwinner Arturo Vidal ein Sonderlob erteilt. "Arturo ist sehr, sehr wichtig für uns", sagte der Coach über den chilenischen Nationalspieler. "Er hat es die letzten Monate sehr gut gemacht, hat eine große Persönlichkeit und große Erfahrung. Das Tor war sehr wichtig für uns, wichtig für ihn", ergänzte Guardiola. Er wisse, dass der "Krieger" gerne offensiver spielen würde, meinte der Spanier, auf der Sechserposition sei er für den FC Bayern derzeit aber wertvoller.

Der 28-Jährige kam im vergangenen Sommer vom italienischen Rekordmeister Juventus Turin nach München. Nach gutem Beginn hatte er schwächere Wochen, ehe er sich zuletzt zu einer festen Größe im Mittelfeld der Bayern entwickelte. Nun erzielte er in seinem achten Champions-League-Spiel für die Roten sein erstes Tor. "Ich war in den letzten ein, zwei Monaten sehr, sehr zufrieden mit ihm", sagte Guardiola.

Benfica-Stürmer ist fürs Rückspiel gesperrt

Eine gute Nachricht gibt es nach dem Hinspiel für die Bayern in jedem Fall: Denn alle gefährdeten Profis haben das erste Duell mit Benfica ohne weitere Gelbe Karte überstanden. Damit dürfen Robert Lewandowski, Arturo Vidal und Joshua Kimmich auch in Lissabon mitwirken. Bei den Portugiesen handelte sich dagegen Stürmer Jonas seine dritte Verwarnung ein und muss damit im Rückspiel aussetzen. Aufpassen muss das Bayern-Trio aber weiterhin, dann auch nach dem Viertelfinale gilt: Sperre nach der dritten Gelben Karte. Davor steht übrigens auch Jérôme Boateng, bei dem die Rückkehr nach seiner Verletzung allerdings noch nicht absehbar ist.

116. Sieg im 150. Spiel für Guardiola

Für Pep Guardiola war das 1:0 gegen Benfica in seinem 150. Pflichtspiel als Bayern-Trainer der 116. Erfolg. Hier ist die bisherige Bilanz des Katalanen in München:

Statistiken

Bayern München - Benfica Lissabon 1:0 (1:0)

München: Neuer - Lahm, Kimmich (60. Martinez), Alaba, Bernat - Vidal - Thomas Müller (85. Götze), Thiago - Costa (70. Coman), Ribery - Lewandowski. - Trainer: Guardiola

Benfica: Ederson - Almeida, Lindelöf, Jardel, Eliseu - Fejsa, Renato Sanches - Pizzi (90.+1 Samaris), Gaitan - Jonas (83. Salvio), Mitroglou (70. Jimenez). - Trainer: Vitoria

Schiedsrichter: Szymon Marciniak (Polen)

Tor: 1:0 Vidal (2.)

Zuschauer: 70.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Ribery, Bernat (2) - Jonas (3), Lindelöf

FC Barcelona - Atletico Madrid 2:1 (0:1)

Barcelona: ter Stegen - Alves, Pique, Mascherano, Alba - Busquets (80. Roberto) - Rakitic (64. Rafinha), Iniesta (83. Arda Turan) - Messi, Suarez, Neymar. - Trainer: Enrique

Madrid: Oblak - Juanfran, Lucas, Godin, Filipe Luis - Koke, Gabi, Saul (90.+1 Correa) - Griezmann (76. Thomas) - Carrasco (53. Fernandez), Torres. - Trainer: Simeone

Schiedsrichter: Felix Brych (München)

Tore: 0:1 Torres (25.), 1:1 Suarez (63.), 2:1 Suarez (74.)

Zuschauer: 88.534

Gelb-Rote Karte: Torres wegen wiederholten Foulspiels (35.)

Gelbe Karten: Busquets (2), Suarez, Mascherano (2) - Koke, Filipe Luis, Griezmann, Lucas, Oblak, Fernandez