Champions League

FC Bayern sucht nach Ausreden für Pleite in Porto

Nach der 1:3-Pleite beim FC Porto prügeln alle auf den FC Bayern ein. Die Einschätzung der Münchener Profis selbst ist eine andere.

Porto. Nach einer katastrophalen Abwehrleistung im Hinspiel des Viertelfinales beim FC Porto steht der FC Bayern München vor dem Aus in der Champions League. Bei der 1:3 (1:2)-Niederlage lud der deutsche Fußball-Rekordmeister die Portugiesen durch drei schwere Patzer gütig zum Toreschießen ein. Bereits nach zehn Minuten sah sich das Team von Trainer Pep Guardiola vor 50.092 Zuschauern im ausverkauften Estádio do Dragao durch zwei Treffer von Ricardo Quaresma mit 0:2 im Rückstand.

Zunächst verwandelte der einzige Portugiese in der Startelf des Gastgebers einen Foulelfmeter (3. Minute), sieben Zeigerumdrehungen später schloss er nach einem Fehlpass von Dante erfolgreich ab. Bereits dem Strafstoß war ein Aussetzer Xabi Alonsos vorausgegangen, durch den Manuel Neuer in Bedrängnis gebracht wurde. Der Bayern-Torhüter holte Portos Jackson Martinez von den Beinen, der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo entschied folgerichtig auf Elfmeter und gelbe Karte für Neuer. Dabei hatte der Welttorhüter noch Glück, nicht vom Platz gestellt zu werden.

Mannschaft denkbar schlecht eingestellt

Als sich die Bayern etwas gefangen zu haben schienen, erzielte Thiago nach Vorarbeit von Jerome Boateng den Anschlusstreffer (28.). Doch das Auswärtstor verlor in der zweiten Halbzeit an Wert, als Jackson in der 65. Minute mit seinem Treffer zum 3:1 den alten Zwei-Tore-Abstand wiederherstellte. Diesmal hatte Boateng durch einen Stellungsfehler dem Kolumbianer freie Bahn beschert.

Was beim Auftritt in Porto deutlich wurde, war die schludrige, teils überhebliche Einstellung der Bayern-Profis. Offensichtlich war es Guardiola nicht gelungen, die Mannschaft trotz wiederholter Warnungen vor dem vermeintlich leichtesten aller möglichen Viertelfinalgegner die passende Marschroute mit auf den Platz zu geben. In der Hilflosigkeit gegen die Aggressivität der Portugiesen erinnerten die Bayern phasenweise dramatisch an das sang- und klanglose Ausscheiden im Vorjahr gegen Real Madrid. Auch damals hatte Guardiola kein Rezept gegen die Taktik des Gegners gefunden.

Wenig Selbstkritik bei den Bayern

Trotz des unerklärlich fahrigen und ängstlichen Auftritts war auf Seiten der Münchener dennoch niemand bereit, hart mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Vielmehr wurde die Leistung verklärt und die Niederlage auf die schweren Patzer vor den Gegentoren reduziert. „Das sind Menschen, das gehört zum Spiel. Auf diesem Niveau wirst du dafür bestraft. Wir haben noch das Rückspiel zu Hause“, sagte Guardiola bei Sky.

„Wir wollen immer Fußball spielen, da passieren solche Fehler", sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. „Das dritte Tor tut schon weh, trotzdem ist noch alles drin.“ Letztlich lenkte Lahm in seiner Analyse aber auch auf den Unparteiischen ab: „Zum Schiedsrichter sage ich lieber nichts.“

Thomas Müller sah indes sogar eine gute zweite Halbzeit der Bayern. Über die Fehler in der Abwehr sagte er: "Das ist gewisserweise das Risiko, das wir nehmen.“ Schuldzuweisungen vermied der Weltmeister allerdings: „Wir wussten, dass es nicht einfach wird.“

Rummenigge schützt die Mannschaft

Auch Karl-Heinz Rummenigge stellte sich nach der empfindlichen Pleite schützend vor die eigenen Profis. Bei seiner Bankettrede im Teamhotel blickte der Vorstandsvorsitzende am späten Mittwochabend in „traurige Gesichter“ und übte trotz großer individueller Fehler und einer schwachen Leistung Nachsicht.

„Ich bin nicht bereit, die Mannschaft zu kritisieren. Das sind 13, 14 Spieler, die wir im Moment noch gesund haben und die seit Wochen dreimal die Woche spielen“, sagte Rummenigge. Er erinnerte an die jüngsten Kraftakte beim 1:0-Sieg in der Bundesliga in Dortmund und beim Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale in Leverkusen nach Verlängerung und Elfmeterschießen. In diesen Partien hätten die Spieler „gefightet wie die Verrückten“. Irgendwann komme dann eben der Tag, „wo du ein bisschen kaputt bist, wo du müde bist, wo die Beine schwer sind und dann auch im Kopf die Konzentration ein bisschen fehlt“.

Abendblatt.de hält Sie nach der 1:3-Niederlage des FC Bayern München beim FC Porto über das Geschehen beim deutschen Fußballrekordmeister auf dem Laufenden:

Beckenbauer lästert über Dante

12.35 Uhr: Nicht nur durch seinen Patzer vor dem 0:2 hat Bayerns Abwehrspieler Dante in Porto eindrucksvoll gezeigt, warum es viele Stimmen gibt, die dem Brasilianer keine Zukunft in München mehr geben. "Ja mei, der Dante", sagte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer bei Sky, "wenn das jetzt ein Isländer wäre, oder wenn der vom Nordpol käme, dann würde ich sagen, gut, der hat seine Skistiefel noch an. Aber so: fürchterlich." Der FC Bayern habe den Start "total verschlafen, eine totale Katastrophe."

Guardiola mit schwacher Bilanz in K.O.-Spielen

11.53 Uhr: Die Bilanz von Pep Guardiola als Trainer des FC Bayern in K.o.-Spielen der Champions League ist ausbaufähig. In seinen neun Königsklassen-Begegnungen nach der Gruppenphase musste der Spanier mit den Münchnern schon drei Niederlagen hinnehmen. Dazu gab es drei Unentschieden, nur drei Spiele wurden gewonnen. Zum Vergleich: In seinen vier Jahren beim FC Barcelona verlor Guardiola insgesamt nur drei K.o.-Spiele.

Die Spiele im Einzelnen:

FC Arsenal - FC Bayern 0:2 (Achtelfinale, 19.02.2014)

FC Bayern - FC Arsenal 1:1 (Achtelfinale, 11.03.2014)

Manchester United - FC Bayern 1:1 (Viertelfinale, 01.04.2014)

FC Bayern - Manchester United 3:1 (Viertelfinale, 09.04.2014)

Real Madrid - FC Bayern 1:0 (Halbfinale, 23.04.2014)

FC Bayern - Real Madrid 0:4 (Halbfinale, 29.04.2014)

Schachtjor Donezk - FC Bayern 0:0 (Achtelfinale, 17.02.2015)

FC Bayern - Schachtjor Donezk 7:0 (Achtelfinale, 11.03.2015)

FC Porto - FC Bayern 3:1 (Viertelfinale, 15.04.2015)

Das sind die internationalen Pressestimmen

11.01 Uhr: Diário de Notícias: "Porto besiegt Bayern mit Galavorstellung. Quaresma und Jackson Martínez vollbringen einen denkwürdigen Triumph für den FC Porto. Das Halbfinale ist nun kein Traum mehr. Mit seinen Weltmeistern in der Startelf war die Mannschaft von Pep Guardiola überrascht von dem Druck, der Aggressivität und der Intensität des FC Porto. Carlos Velasco Carballo gab einen angemessenen Elfmeter, "vergaß" aber Neuer des Platzes zu verweisen, der eine Rote Karte hätte sehen müssen."

O Público (beide Portugal): "Wien hat Gesellschaft bekommen. Die "Drachen" nehmen Bayern auseinander. Der beste Spielstart des FC Porto in Europa leitete einen seiner bedeutendsten Triumphe der letzten Jahre ein. Nach zehn Minuten musste der beste Torwart der Welt bereits zwei Mal hinter sich greifen, um einen Ball aus dem Netz zu holen. Porto reist mit zwei Toren Vorsprung und zwei Außenverteidigern weniger nach München. Und einem aufgeblähtem Ego."

Marca: "Bayern ohne Abwehr. Porto bestraft die Fehler, jagt Bayern einen Schrecken ein und zwingt Guardiolas Männer in München zur Aufholjagd. Selten hat man die Bayern so orientierungslos gesehen, das schlechteste Bayern, woran man sich erinnert. Porto konnte selbst nicht glauben, dass man es ihnen so leicht macht. Die beiden ersten Patzer führten zu einem Szenario, das sich niemand hätte vorstellen können."

AS: "Quaresma und Jackson bringen Porto Richtung Halbfinale dank Bayerns Geschenke. Velasco Carballo erspart Manuel Neuer die Rote Karte in der ersten Minute. Porto war der FC Bayern. Die Bayern waren nicht wiederzuerkennen. Guardiola ist nach diesem Duell angezählt."

SPORT: "Porto überwältigt ein in der Abwehr zerbrechliches Bayern. Drei Patzer machen den Bayern das Leben schwer. Bayern muss im Rückspiel Gewaltiges leisten, um in das Halbfinale zu kommen. Porto war intensiver und agressiver. Alonso verlor den Ball gegen Jackson Martínez auf kindliche Weise."

El Mundo Deportivo: "Ein Albtraum für Bayern. Die Kontinuität der Bayern in der Champions League ist in ernster Gefahr. Das Spiel begann mit einem Drehbuch, dass sich niemand vorstellen konnte."

Superdeporte (alle Spanien): "Porto erlegt ein zerbrechliches Bayern. Guardiola wird seine desaströse Abwehr justieren müssen, wenn er das Ergebnis umdrehen und ins Halbfinale kommen will. Alonso, Lahm und Thiago litten unter dem Pressing von Casemiro, Oliver Torres und Hector Herrera. Bis zur Hälfte der ersten Halbzeit konnte man vom weltberühmten Passspiel der Bayern nichts sehen."

Gazzetta dello Sport: "Deutsches Verteidigungsdesaster. Ein Porto auf einem unerwartet hohen Niveau versenkt Bayern München. Die Bayern zahlen einen hohen Preis für die Abwesenheit seiner Stars Robben, Ribery, Schweinsteiger und Benatia. Peps Truppe leistet wenig und begeht zu viele Fehler".

Corriere dello Sport: "Bayern München geht gebrochen aus dem Duell gegen Porto hervor. Guardiolas Mannschaft muss drei Ohrfeigen und die erste Niederlage in Portugal in der Geschichte einstecken. Die großen Verteidigungsprobleme erleichtern Porto den Weg. Nach Startfehlern versinkt Bayern im Chaos".

Tuttosport: "Eine spektakuläre Leistung muss Bayern nächste Woche leisten, um die Qualifikation zu schaffen. Ohne entscheidende Spieler wie Ribery und Schweinsteiger werden die Grenzen der Mannschaft offenkundig".

Repubblica: "Super-Quaresma führt Porto zu einem historischen Sieg. Guardiola muss eine Blamage hinnehmen. Das Heimspiel wird für Bayern mit seiner verheerenden Verteidigung besonders schwierig werden".

Corriere della Sera (alle Italien): "Porto bestraft die unkonzentrierten Bayern. Die Portugiesen nutzen bestens die vielen Lücken der deutschen Mannschaft. Bayern ist ohne Schweinsteiger und Ribery fast nicht mehr zu erkennen".

TV-Zuschauer flüchten zur Halbzeit

9.59 Uhr: Die Schmach von Porto verfolgte im ZDF ein vergleichsweise kleines Publikum. 9,55 Millionen Zuschauer in der ersten Halbzeit bedeuteten aber immerhin 31,9 Prozent Marktanteil und damit den Tagessieg für den Mainzer Sender. In der zweiten Halbzeit wandten sich allerdings fast eine Millionen Zuschauer vom Spiel der Bayern ab, die zweiten 45 Minuten blieben durchschnittlich nur noch 8,67 Millionen (27,8 Prozent) Fußballfans dran.

Bayern bangen um Mario Götze

9.35 Uhr: Der FC Bayern hat einen weiteren angeschlagenen Spieler zu beklagen. Mario Götze bekam gegen Porto einen Schlag auf ein Knie. Der Weltmeister wurde in der 56. Minute gegen Sebastian Rode ausgetauscht. Eine genaue Diagnose bei Götze gab es zunächst nicht.

Halbe Porto-Abwehr gesperrt

9.10 Uhr: Kleiner Mutmacher für die Münchner vor dem Rückspiel: Mit Alex Sandro und Danilo sind beide Außenverteidiger vom FC Porto nach ihren jeweils dritten gelben Karten in der kommenden Woche gesperrt. Dafür steht Innenverteidiger Ivan Marcano nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung. Beim FC Bayern fehlt im Rückspiel kein Spieler wegen einer Sperre.

Schnelles 0:2 ist ein trauriger Bayern-Rekord

9.05 Uhr: In Porto erlebte der FC Bayern übrigens die schlimmste Anfangsphase seiner Champions-League-Historie: Schneller hatten die Münchener in 196 Spielen in der Königsklasse noch nie mit 0:2 hinten gelegen.

Rummenigge wandelt Sprichwort ab

8.54 Uhr: Karl-Heinz Rummenigge untermauerte mit einem weiteren Spruch seine Absicht, nach dem schwachen Auftritt der Bayern gegenüber den Münchener Profis Milde walten lassen zu wollen. "Es gibt da ein schönes deutsches Sprichwort: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. In unserer Situation kann man sagen: Man soll den Tag nicht vor dem Abend kritisieren", sagte der Vorstandschef auf dem Bankett nach der 1:3-Pleite.

Sky-Dolmetscher übersetzt Bayern in "Bauern"

8.39 Uhr: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Bei der Übersetzung des Interviews von Porto-Stürmer Jackson Martinez ist auch dem Simultandolmetscher von Sky ein Patzer unterlaufen. "Wir wussten, dass Alonso ein unheimlich wichtiger Spieler ist bei den Bauern", gab der Übersetzer den Kolumbianer wieder. Gemeint waren offensichtlich die Bayern. Während der sprachliche Fauxpas längst bei Facebook die Runde macht, hat der Fernsehsender das Interview auf seinem Online-Auftritt inzwischen just vor der peinlichen Passage abgeschnitten.

Müller: "2:0 wäre kein Fußball-Wunder"

8.04 Uhr: An Aufgabe denkt beim Bundesliga-Spitzenreiter trotz der schlechten Ausgangslage niemand. „Wir sind ja immer noch der FC Bayern, zu Hause eine starke Mannschaft“, verkündet Weltmeister Thomas Müller. Schon in der Kabine habe man gesagt, „wir hauen am Dienstag alles raus. Es wäre kein Fußball-Wunder, wenn wir zu Hause 2:0 gewinnen sollten“. Sportvorstand Matthias Sammer mahnt: „Wir dürfen nicht die Nerven verlieren.“ Manuel Neuer möchte keine Ausreden geltenlassen, auch nicht die lange Verletztenliste. „Wir haben es einfach verbockt“, sagte der Torhüter.

Die Historie verheißt nichts Gutes

7.42 Uhr: Vor dem Rückspiel berufen sich die Bayern auf ihre Heimstärke - die Europapokal-Historie allerdings kann aber keinen Mut machen: In den vier vorangegangenen Fällen schieden die Münchener im Europapokal nach einer Auswärtsniederlage mit zwei Toren Unterschied jeweils aus.

Guardiola: "Haben das Spiel kontrolliert"

6.58 Uhr: Das sagte Pep Guardiola nach dem Spiel: "Wir haben früh 0:2 zurückgelegen. Dann ist es nie leicht. Nach dem Anschlusstreffer haben wir das Spiel kontrolliert. Wenn man alles zusammenzählt, war Porto aber die bessere Mannschaft. Das 1:3 ist für das Rückspiel ein schwieriges Ergebnis. Wir werden aber alles versuchen."

Statistik

FC Porto: Fabiano - Danilo, Maicon, Martins Indi, Alex Sandro -Herrera, Casemiro, Óliver Torres (75. Neves) - Quaresma (84.Evandro), Jackson Martínez, Brahimi (80. Hernâni)

Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Bernat - Lahm,Xabi Alonso (74. Badstuber), Thiago - Müller, Lewandowski, Götze (56.Rode)

Schiedsrichter: Velasco (Spanien)

Zuschauer: 50.092(ausverkauft)

Tore: 1:0 Quaresma (3./Foulelfmeter), 2:0 Quaresma (10.), 2:1 Thiago (28.), 3:1 Jackson Martínez (65.)

Gelbe Karten: Alex Sandro, Casemiro, Danilo / Bernat, Lahm, Neuer,Rode

Beste Spieler: Quaresma, Jackson Martínez / Thiago

(HA/sid/dpa)