Frauenfußball-EM

Neid bangt um eine ihrer wichtigsten Stützen

Mittelstürmerin Okoyino da Mbabi hat sich eine Zerrung zugezogen. Ihr Einsatz im Halbfinale der Frauenfußball-EM gegen Schweden ist fraglich.

Växjo. Die Erschöpfung stand Silvia Neid nach dem Halbfinaleinzug ihrer Fußballerinnen ins Gesicht geschrieben. Nicht nur hatte sich Italien als der erwartet hartnäckige Gegner erwiesen, auch mussten die Deutschen gegen „Yasmine“ ankämpfen. Das Hoch machte die Arena im schwedischen Växjö bei Temperaturen um 30 Grad zum Glutofen. „Ich habe schon überlegt, ob ich meine Sonnenbrille raushole,“ sagte Neid nach dem Spiel, „aber das habe ich mich nicht getraut, weil ich dann so italienisch ausgesehen hätte.“

Wie ihre Trainerin, die an der Seitenlinie 90 Minuten lang in der prallen Sonne stehen musste und ihr Team immer wieder anstachelte, bewiesen auch die DFB-Frauen Durchhaltevermögen. Sie verteidigten die knappe 1:0-Führung aus der 26. Minute mit einer sehr guten Abwehrleistung gegen eine bis zuletzt gefährliche italienische Mannschaft. Obschon es den Italienerinnen deutlich an spielerischem Vermögen mangelte.

Davon war bei den Deutschen bislang bei dieser EM auch nicht viel zu sehen. Und das Viertelfinale brachte in Sachen Ballverarbeitung und Passgenauigkeit kaum Fortschritte. Das musste auch die Bundestrainerin zugeben: „Unsere Stärke ist es, aus einem guten Mittelfeldpressing heraus zu spielen. Die Spielerinnen müssen sich daran gewöhnen, dass das nur mit einer guten Ballannahme und Ballmitnahme geht.“ Fertigkeiten, die zu den Grundlagen des modernen Spiels zählen.

Wenn es spielerisch nicht rund läuft, müssen eben deutsche Tugenden helfen. Und in puncto Kampfgeist konnten sich die DFB-Frauen gegen Italien auszeichnen. Der Defensivverbund ließ kaum einmal hochkarätige Möglichkeiten zu, und wenn die Italienerinnen zu Chancen kamen, stand Nadine Angerer im Tor gewohnt sicher. „Die Mannschaft hat sich reingebissen und wahnsinnig Charakter gezeigt“, sagte die 34-jährige Keeperin. Es war daher auch kein Zufall, dass ausgerechnet Simone Laudehr das Siegtor erzielte. Aus dem Gewühl vor dem italienischen Strafraum zog die Mittelfeldspielerin beherzt ab und irgendwie fand ihr abgefälschter Schuss ins Netz. „Wem der Ball vor die Beine springt, ist scheißegal. Hauptsache er landet im Tor“, sagte Laudehr.

Wenn es am Mittwoch im Göteborger Ullevi-Stadion zum Duell mit den Schwedinnen kommt (20.30 Uhr/ZDF und Eurosport live), wird ihr eine wichtige Spielerin vermutlich fehlen. Célia Okoyino da Mbabi zog sich gegen Italien eine Zerrung des Oberschenkels zu, für die gefährliche Mittelstürmern wird die Zeit sehr knapp. Der Ausfall im ohnehin nicht furchterregenden deutschen Angriff würde schwer wiegen. Denn nicht nur weil sie das Heimpublikum im Rücken haben, sind die Gastgeberinnen klar favorisiert. Sie verfügen vor allem über ein beeindruckendes Angriffsspiel. 13 Tore haben die Schwedinnen bei dieser EM bereits erzielt, fünf davon gelangen allein Lotta Schelin vom Champions-League-Finalisten Olympique Lyon.

Anja Mittag freut sich über das Aufeinandertreffen ganz besonders: „Gegen Schweden im Halbfinale zu spielen, ist cool.“ Mittag spielt beim schwedischen Erstligisten LdB Malmö, erzielte dort in 31 Spielen unglaubliche 28 Tore. Bei der EM blieb sie bislang allerdings eher blass.