Kontra

Der FC Bayern München taugt jetzt wieder: als Feindbild

Die Zeiten, in denen ich den FC Bayern München abgrundtief verachtet habe, waren eigentlich lange vorbei. Das hatte ein bisschen mit Hoeneß zu tun und seiner sozialen Ader; ein bisschen mit Hitzfeld und Heynckes, die als Hassfiguren so gar nicht taugen; ein bisschen mit den Müllers und Alabas, die als Eigengewächse Stamm- und Nationalspieler wurden. Ich hatte irgendwann meinen Frieden mit dem Club gemacht und mich damit abgefunden, dass sie in jedem Jahrzehnt sechs Mal Meister werden. Und ab und zu ertappte ich mich sogar dabei, dass ich in der Champions League nicht nur für sie war, sondern mitfieberte. Doch nun ist Schluss mit Appeasement: Am Dienstagmorgen habe ich zurück in den alten Modus geschaltet. Die Nummer mit Götze verzeihe ich ihnen nicht. Ich verachte wieder.

Das hat übrigens nichts mit Borussia Dortmund zu tun (mein Herz schlägt eine Klasse tiefer auf Tabellenplatz 13). Aber sehr viel mit Maß- und Stillosigkeit. Und drohender (noch größerer) Langeweile in der Bundesliga.

Erstens tut der Club tut genau das, was er anderen in England und Spanien vor Kurzem noch vorgeworfen hat: nämlich völlig aberwitzige Preise zu zahlen (35 Millionen für Gomez, 40 Millionen für Martinez, 37 Millionen für Götze). Das ist maßlos. Zweitens schwächen sie ihren Hauptkonkurrenten, nachdem Uli Hoeneß sich noch vor zwei Wochen publikumswirksam um die Ausgeglichenheit der Liga gesorgt hat. Das ist heuchlerisch. Drittens haben sie den BVB nicht über den Transfer informiert - das ist stillos. Stattdessen wird die Nachricht via "Bild"-Zeitung publik. Einen Tag vor Dortmunds Spiel gegen Real Madrid und mitten rein in die für Bayern sehr unschöne Debatte um Hoeneß' Steuerhinterziehung. Wer das wohl war?

Ab sofort wünsche ich Bayern wieder alles Schlechte - auch international.