Der Kampf um Europa

Fünf Mannschaften machen sich Hoffnung auf einen Platz für die Königsklasse und zwei Plätze für die Europa League

Hamburg. Die Deutsche Meisterschaft ist längst entschieden, dahinter hat Borussia Dortmund Platz zwei sicher. Auch Bayer Leverkusen darf sich wohl nach dem 5:0 gegen Hoffenheim über den dritten Rang und die direkte Qualifikation für die Champions League freuen. Der Abstiegskampf lässt für Spannungsfanatiker ebenfalls noch an Dramatik zu wünschen übrig. Doch zum Glück gibt es den Kampf um die verbleibenden Europacup-Plätze.

Nach dem vergangenen Wochenende hat sich der Kampf um Europa noch einmal verschärft. Weil Schalke und Freiburg Federn ließen, liegen zwischen Platz vier, der zur Qualifikationsrunde für die Champions League berechtigt, und Rang acht nur zwei Punkte. Besonders bei Schalke 04 herrscht nach nur einem Punkt aus den vergangenen beiden Spielen dicke Luft.

FC Schalke 04 (4., 46 Punkte, 50:46 Tore): Gereizte Stimmung beim nächsten HSV-Gegner, weil Platz drei, der direkte Champions-League-Startplatz, kaum noch zu erreichen ist . "Vielleicht sollte ich den Spielern die Freundschaftsspiel-Tournee zeigen, die wir in der kommenden Saison jeden Dienstag und Mittwoch absolvieren werden", beantwortete Horst Heldt die Frage nach den Konsequenzen nach dem 0:1 in Frankfurt. "Ich stelle mich darauf ein, mit der Mannschaft unter der Woche auf Tour zu gehen." Der Manager redete sich in Rage: "Entweder man will etwas oder nicht. Wir wollen anscheinend nichts." Und weiter: Ich kann die Leistung nicht erklären. Vielleicht sind die Spieler zu jung, um zu begreifen, um was es geht." Am Ende seiner Wutrede ließ Heldt sogar Resignation erkennen: "Was soll ich noch reden - es funktioniert schon seit gefühlten 50 Jahren bei Schalke nicht."

Restprogramm: HSV (H), M'gladbach (A), Stuttgart (H), Freiburg (A).

SC Freiburg (5., 45/40:36): Die Breisgauer haben im Kampf um einen Platz in einem internationalen Wettbewerb erneut eine herbe Schlappe erlitten. Vier Tage, nachdem die Breisgauer durch das 1:2 im DFB-Pokal-Halbfinale beim VfB Stuttgart einen sicheren Platz in der Europa League verloren, unterlagen sie auch im Bundesliga-Duell bei den Schwaben. Christian Gentner (33.) und Vedad Ibisevic (42). trafen für den souveränen und abgeklärten VfB, der durch den Einzug ins Pokalfinale seinen Platz im Europacup sicher hat. Freiburg wäre bei einem Sieg sogar auf Rang vier vorgerückt, doch das Tor von Ivan Santini (88.) war dafür viel zu wenig.

Restprogramm: FC Bayern (A), Augsburg (H), Fürth (A), Schalke 04 (H).

Eintracht Frankfurt (6., 45/43:42): Als Julian Draxler dem großen alten Mann von Eintracht Frankfurt nach dem Abpfiff begegnete, hatte selbst der Jungstar von Schalke 04 nur einen Wunsch. "Kann ich dein Trikot haben?", fragte der Nationalspieler den fast 39 Jahre alten Oka Nikolov, der Draxler und seine Teamkollegen in den 90 Minuten zuvor schier zur Verzweiflung getrieben hatte. Mit einem gehaltenen Strafstoß und zahlreichen Glanzparaden rettete der Vertreter des verletzten Stammtorwarts Kevin Trapp dem Aufsteiger das 1:0 gegen die Königsblauen. Dank Nikolov darf der hessische Fußball-Bundesligist weiter vom Europacup träumen.

"Was Oka Nikolov gehalten hat, war echt Wahnsinn", sagte Draxler, der sich immerhin über den Trikottausch mit dem Eintracht-Keeper freuen durfte, voller Ehrfurcht. Im Gegensatz zu dem Schalker nahmen Nikolovs Mitspieler den "ewigen Oka" zwar ein wenig auf die Schippe, aber selbst aus den Sprüchen wurde die große Anerkennung deutlich. "Oka war Weltklasse. Ich denke, er hat sich für die Nationalmannschaft empfohlen", sagte der Frankfurter Außenverteidiger Stefano Celozzi.

Restprogramm: Mainz (A), Düsseldorf (H), Bremen (A), Wolfsburg (H).

Borussia Mönchengladbach (7., 44/37:39): Mit dem dritten 1:0-Heimsieg in Folge mogeln sich die Minimalisten in Richtung Europa. Beim mühsamen 1:0 gegen Augsburg, das nach der Roten Karte von Kevin Vogt 62 Minuten in Unterzahl spielen musste, zeigte sich deutlich, wie schwer dem Team von Lucien Favre derzeit das Toreschießen fällt. Gegen die Augsburger brachte der Coach gleich vier neue Leute in die Startformation, von denen besonders Mike Hanke überzeugte, der aber nach der Saison gehen muss. Kapitän Philip Daems versenkte seinen elften Strafstoß in Serie seit 2009.

Restprogramm: Wolfsburg (A), Schalke 04 (H), Mainz (A), FC Bayern (H).

HSV (8., 44/36:46): Mit dem zweiten Sieg in Folge hat sich der HSV ein Fünf-Punkte-Polster auf den Neunten Mainz (39 Zähler) erspielt. Bei einem Erfolg in Gelsenkirchen am Sonntag würden sich die Hamburger vor Schalke schieben. Diese Option hätte nach dem 0:1 gegen Freiburg vor 14 Tagen wohl niemand für möglich gehalten. "Wir haben jetzt noch vier Spiele und können ganz viel erreichen", sagte Dennis Aogo, "jetzt schauen wir mal, wozu es auf Schalke reicht. Aber wir haben zuviel erlebt in dieser Saison, um jetzt große Töne zu spucken." Marcell Jansens Rat nach dem 2:1 gegen Düsseldorf: "Lasst die Tabelle mal Tabelle sein. Sonst stehen wir womöglich nach dem nächsten Spieltag da und sagen: Okay, das war's. Und eine Woche später heißt es dann wieder: Wir sind wieder dran."

Restprogramm: Schalke (A), Wolfsburg (H), Hoffenheim (A), Leverkusen (H).