Bundesliga

Mainzer Rückkehr auf den Gipfel

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Gregor Derichs

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Mainz 05 übernimmt nach dem 1:0 in Leverkusen wieder die Tabellenführung. Schon diese Woche kommt es zum Topduell gegen den BVB:

Leverkusen. Thomas Tuchel schaute immer wieder nervös auf die Uhr. Eingepackt in eine dicke Thermosjacke lieferte sich der Trainer heftige Wortgefechte mit dem vierten Offiziellen Sönke Glindemann. Wütend gestikulierte Tuchel in Richtung seiner Spieler, gab hektisch verschlüsselte taktische Handzeichen und brüllte auf den Platz. Der Coach wirkte, als würden seine Mainzer wieder verlieren. Doch Minuten später veränderte sich die Stimmungslage des 37-Jährigen. Mit einem 1:0 bei Bayer Leverkusen hatte der 1. FSV Mainz 05 die Tabellenführung der Bundesliga zurückerobert.

"Nach der Enttäuschung gegen den HSV ist das ein tolles Gefühl", freute sich Bo Svensson. "Ich wollte immer schon mal sagen: Diese drei Punkte sind das schönste Geschenk der Mannschaft", sagte Nico Bungert schmunzelnd. Der Verteidiger feierte gestern seinen 24. Geburtstag. Er freute sich wie die Kollegen, dass Tuchel den Sieg einwechselte: In der 67. Minute schickte der Coach Andre Schürrle für Lewis Holtby und Andreas Ivanschitz für Adam Szalai auf das Spielfeld. 120 Sekunden später, nach einer Vorarbeit von Sami Allagui, stand Schürrle, der nächste Saison nach Leverkusen wechselt, auf der rechten Seite frei. Er passte in den Strafraum, dort stand Ivanschitz frei und überwand Rene Adler aus fünf Metern zum 0:1 (70.). Beim Pass von Allagui stand Ivanschitz im Abseits, Adler riss den Arm hoch, um dies anzuzeigen, aber beim Querpass von Schürrle vor das Tor war das Abseits aufgehoben. "Das hat mich sehr gefreut, dass die beiden Eingewechselten die zwei Bonuspunkte auf das 0:0 holen", sagte Tuchel. "Aber jeder Trainer würde einen Schürrle einwechseln, wenn er ihn auf der Bank hätte. Das war keine besondere Leistung von mir."

Die Leverkusener waren nach einer mäßigen Leistung frustriert. "Diesmal konnten wir ein Spiel nicht umdrehen. Das war eine Niederlage, die nicht sein musste", klagte Adler. Drei Tage nach dem 0:0 bei Aris Saloniki in der Europa League kam das Team nicht richtig in Schwung. Nach 20 Minuten Drang ließ die Werkself nach und spielte für ihre Verhältnisse konfus. Als Vierter hat Leverkusen nach der zweiten Heimniederlage nun schon neun Punkte Rückstand auf Mainz. "Was sollen wir tun? Aufhören?", fragte Manuel Friedrich. "Der FSV spielt eine sehr gute Saison und hat sehr gut eingewechselt", meinte der ehemalige FSV-Abwehrchef. Sein Vater Hubert ist in Mainz Jugendleiter und Vorstandsvorsitzender.

Nächsten Sonntag folgt für Mainz ein neuer Feiertag, denn nach dem Pokalspiel in Aachen kommt es zum Topduell gegen den Tabellenzweiten Dortmund. "Das war in der ersten Halbzeit unser schlechtestes Saisonspiel", meinte Verteidiger Svensson. Mainz wurde aber in der zweiten Halbzeit deutlich besser, ohne allerdings Bäume auszureißen. Adam Szalai, der schon in der ersten Halbzeit zwei Torchancen hatte, prüfte in der 57. Minute Adler erstmals ernsthaft.

In der Offensive waren die Gäste besser als Leverkusen, das erst ab der 60. Minute mit der Einwechslung von Patrick Helmes eine zweite Spitze neben Eren Derdiyok aufbot. Die beste Torgelegenheit vergab Sidney Sam, als er in der 80. Minute die Latte traf.

Ansonsten schaffte es die Tuchel-Truppe, der Leverkusener Offensive den Zahn zu ziehen. "Wir haben große Personalprobleme", sagte Bayer-Coach Jupp Heynckes. Die Leverkusener, bei denen der finnische Abwehrchef Sami Hyypiä wegen eines in der Woche erlittenen Außenbandrisses im Fußknöchel mehrere Wochen ausfallen wird und auch Michael Ballack sowie Stefan Kießling lange fehlen, treten am Mittwoch im Pokal in Gladbach an und am Sonnabend bei Schalke 04.

Die Tabelle

1. Borussia Dortmund 9 7 1 1 +14 21:7 22

2. FSV Mainz 05 8 7 0 1 +10 18:8 21

3. Hannover 96 9 5 1 3 +1 13:12 16

4. Bayer Leverkusen 8 4 3 1 +4 18:14 15

5. 1899 Hoffenheim 9 4 3 2 +4 17:13 15

6. Hamburger SV 9 4 3 2 +2 13:11 15

7. SC Freiburg 9 5 0 4 0 14:14 15

8. Werder Bremen 9 4 2 3 -1 17:18 14

9. Eintracht Frankfurt 9 4 1 4 +5 14:9 13

10. FC St. Pauli 8 4 1 3 +1 11:10 13

11. Bayern München 9 3 3 3 0 8:8 12

12. 1. FC Nürnberg 9 3 3 3 -1 11:12 12

13. VfL Wolfsburg 9 3 1 5 -1 15:16 10

14. 1. FC Kaiserslautern 9 2 1 6 -8 10:18 7

15. FC Schalke 04 9 1 3 5 -6 10:16 6

16. Bor. Mönchengladbach 9 1 3 5 -13 14:27 6

17. 1. FC Köln 9 1 2 6 -8 9:17 5

18. VfB Stuttgart 8 1 1 6 -3 14:17 4