DFB-Elf schlägt Aserbaidschan 6:1

HSV-Verteidiger Westermann: Von der Bank ins Glück

Lesedauer: 5 Minuten
Alexander Laux und Kai Schiller

HSV-Verteidiger Heiko Westermann eröffnet das Tor-Festival beim 6:1 in der EM-Quali gegen Aserbaidschan. Lukas Podolski spielt groß auf.

Köln. Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen "kleine" Mannschaften wie Aserbaidschan antreten muss, zumal noch zu Hause, startet sie immer mit einem gefühlten Handicap von 0:3. Dass Deutschland gewinnt, wird von den Fans als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Auch die 43 751 Zuschauer, die zum zweiten EM-Qualifikationsspiel der DFB-Auswahl gegen das Team von Berti Vogts ins Kölner Stadion strömten, erwarteten nicht nur schwungvollen, dominanten und unterhaltsamen Offensivfußball, sondern auch einen Haufen Tore.

Am Ende des gestrigen Arbeitstages konnte die deutsche Mannschaft mit Fug und Recht von sich behaupten: Auftrag erfüllt! Mit phasenweise hochklassigem Fußball bezwang sie Aserbaidschan mit 6:1 (3:0). Damit ist ein perfekter Start in die Qualifikation für die EM 2012 in der Ukraine und in Polen gelungen. Nach dem 1:0-Sieg in Belgien am Freitag führt die deutsche Mannschaft mit nunmehr sechs Punkten die Gruppe A an.

Entsprechend gut gelaunt zeigte sich Bundestrainer Joachim Löw: "Die Mannschaft hat teilweise toll kombiniert. Es macht Spaß, diese Kombinationen wieder zu sehen." Dagegen sprach Berti Vogts, Übungsleiter von Aserbaidschan, von einer "Lehrstunde". Sein ernüchterndes Fazit: "Deutschland spielt in einer anderen Liga. Wir waren viel zu passiv."

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Heiko Westermann musste das schwungvolle Treiben seiner Kollegen zunächst frustriert von der Ersatzbank verfolgen. Der HSV-Profi, der nach dem Ausfall von Marcell Jansen fest von seinem Einsatz in der Startformation ausgegangen war, wurde in der Mannschaftssitzung davon überrascht, dass der Bundestrainer Sascha Riether den Vorzug gab. Während der Wolfsburger, die rechte Abwehrseite besetzte, rückte Philipp Lahm auf die ungeliebte linke Seite.

Auffällig war jedoch, dass Westermann von allen Ersatzspielern als Letzter das Aufwärmprogramm beendete. Eine Maßnahme, die sich früh auszahlte. Weil Per Mertesacker in einem Zweikampf mit Vagif Javadoy eine Platzwunde unter dem linken Auge erlitt und zum Röntgen in ein Krankenhaus gefahren werden musste, um einen Jochbeinruch auszuschließen, kam der HSV-Verteidiger bereits in der elften Minute doch noch zu seinem Einsatz.

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Von der Bank ins Glück könnte man als Westermanns Motto des gestrigen Abends bezeichnen, schließlich blieb es ihm vorbehalten, als Erster den zunächst gut funktionierenden Abwehrriegel Aserbaidschans zu knacken (28.). "Man hat gesehen, dass ich heiß war. Denn natürlich hätte ich gern von Anfang an gespielt", erklärte Westermann nach dem Abpfiff.

Sein Treffer war das Startsignal für einen entspannten Abend - das Löw-Team dominierte nach Belieben. In der Endphase der ersten Halbzeit belohnte sich Lukas Podoski für sein enormes Engagement. Nachdem der nach seinem schwachen Belgien-Auftritt in die Kritik geratene Kölner zunächst einige Male am guten Torwart Kamran Aghayev gescheitert war, traf er erst zum 2:0 und bediente dann seinen Sturmkollegen Miroslav Klose vor dem 3:0. "Ich habe mich einfach gefreut, dass wir heute in meinem Wohnzimmer spielen", erklärte Podolski seine Leistungssteigerung. Und durfte sich über ein Sonderlob von Joachim Löw freuen: "Podolski hat eine unglaubliche Schnelligkeit, wenn er in die Tiefe geht."

Auch nach dem Wiederanpfiff berannte das Löw-Team weiter das Tor Aghayevs. Die letzte Konsequenz fehlte ein wenig, sonst hätte das Ergebnis leicht zweistellig werden können. Nachdem erst eine schöne Kombination von Westermann und Sami Khedira zum Eigentor von Fahrhad Sadygov geführt hatte, ließ sich Manuel Neuer nach einer Ecke sogar am kurzen Pfosten von Rail Malikov überraschen, der den Ehrentreffer erzielen konnte. Am Ende war dieses Gegentor aber nur eine Randnotiz wie auch die unverständlichen Pfiffe einiger Kölner Fans gegen den früheren Mönchengladbacher Marko Marin bei dessen Einwechslung.

Als die Partie langsam austrudelte, sorgte Holger Badstuber noch für das 5:1, es war sein erstes Länderspieltor. Klose erhöhte dann sogar noch auf 6:1. Mit Tor Nr. 55 zog er in der Ewigen Torschützenliste mit Joachim Streich (für die DDR-Auswahl) gleich. Nur noch Gerd Müller (68 Treffer) liegt vor ihm. Dennoch bremste Klose die Euphorie: "Es ist weiter Luft nach oben."

Löw klatschte zufrieden in die Hände. Aber er weiß: Wenn am 8. Oktober die Türkei nach Berlin kommt, wartet eine wesentlich schwierigere Aufgabe.

Deutschland: Neuer - Riether, Mertesacker (11. Westermann), Badstuber, Lahm - Schweinsteiger (78 Cacau), Khedira - Müller (62. Marin), Özil, Podolski - Klose.

Aserbaidschan: Aghayev - Medvedev, F. Sadigov, Yunisoghlu (53. Ghuseynov), Malikov - Shukurov, Abbasov, Allahverdiyev, Chertoganov (R. Sagigov), Nadirov (85. Abdullayev)- Javadov.

Tore: 1:0 Westermann (28.), 2:0 Podolski (45.), 3:0 Klose (45.), 4:0 F. Sadygov (53., Eigentor), 4:1 Malikov (57.), 5:1 Badstuber (85.), 6:1 Klose (90.+2) Schiedsrichter: Strömbergsson (Schweden). Zuschauer: 43 751.

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