Noch nicht am Ende des Weges

Durch ein Tor in letzter Minute gewinnen die USA gegen Algerien 1:0 und ist Gruppenerster

Pretoria. In Deutschland gescheitert, für die USA Gold wert: Landon Donovan hat in einem hollywoodreifen Krimi in letzter Minute noch für das Happy End gesorgt. Bill Clinton sprang auf der Tribüne hoch und jubelte ausgelassen. Mit der Unterstützung des Ex-Präsidenten, der neben Fifa-Präsident Joseph Blatter saß und zuvor Südafrikas Präsident Jacob Zuma einen Besuch abgestattet hatte, und dem Torriecher des ehemaligen Bundesligaspielers sind die Amerikaner in letzter Minute ins Achtelfinale gestürmt. Mit seinem Treffer in der Nachspielzeit bescherte der Stürmer den US-Boys den schon nicht mehr für möglich gehaltenen 1:0 (0:0)-Sieg gegen klar unterlegene Algerier und den ersten Gruppensig seit der WM 1930 in Uruguay.

Der Matchwinner gab seine ersten Interviews mit Tränen in den Augen. "Ich bin geradezu schockiert. Ich bin so stolz auf die Jungs. Der Ball fiel mir vor die Füße, die Zeit blieb stehen, ich konnte ihn nur reinmachen", sagte der Offensivspieler, der in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen und Bayern München gescheitert war. "Wir leben noch, Baby! Wir sind noch nicht am Ende unseres Weges."

35 827 Zuschauer sahen im Loftus-Versfeld-Stadion von Pretoria einen Sturmlauf der US-Kicker, der mit dem späten Treffer belohnt wurde. Algerien muss dagegen auch bei seiner dritten WM-Teilnahme nach der Vorrunde die Koffer packen - die Gelb-Rote Karte für Kapitän Anthar Yahia vom VfL Bochum war der traurige Schlusspunkt.

Die "Wüstenfüchse" waren heiß auf das Achtelfinale - und sie hatten auch die erste Chance: Beim Distanzschuss von Rafik Djebbour lag das 1:0 in der Luft, doch der Ball krachte in der 6. Minute an die Latte. Ein Wecksignal für die US-Boys, die erst nach einer Viertelstunde so richtig ins Spiel kamen. Im ersten Länderspiel-Duell der beiden Mannschaften wirkten die Algerier vor der Pause kombinationssicherer, doch die Amerikaner waren torgefährlicher und hatten die besseren Chancen. Dass die Algerier das Toreschießen nicht erfunden haben, war auch im dritten Gruppenspiel deutlich. Auch die beiden Bundesliga-Profis Karim Matmour (Mönchengladbach) und Karim Ziani (Wolfsburg) erwischten nicht ihren besten Tag. Matmour war bei der US-Abwehr um seinen Gladbacher Klubkollegen Michael Bradley bestens aufgehoben. Mehrmals versuchten die Nordafrikaner ihr Glück mit Fernschüssen, US-Keeper Tim Howard war damit aber nie in Verlegenheit zu bringen.

Trainer Rabah Saadane steht nach dem Ausscheiden seines Teams vor dem Aus. "Ich glaube, viele Menschen würden gerne sehen, dass ich weitermache. Aber warten wir ab, was der Präsident unseres Verbandes sagt", erklärte der enttäuschte Coach.

Auch bei den Amerikanern wollte es mit dem Toreschießen zunächst nicht so recht klappen. Obwohl sie mit ihrem Kurzpassspiel und viel Bewegung ohne Ball viele gefährliche Szenen einleiteten. Ein Fallrückzieher von Herculez Gomez ging daneben (17.), dann schlug Clint Dempsey zu (21.), doch der Jubel über das vermeintliche Führungstor der US-Boys ebbte schnell wieder ab: Eine falsche Abseits-Entscheidung des belgischen Referees Frank de Bleeckere. Auch einen Ellbogencheck von Yahia ins Gesicht von Dempsey hatte de Bleeckere nicht gesehen und heizte damit die Schiedsrichter-Diskussion erneut an.

Die größte Chance nach der Pause hatte wieder Dempsey: Sein Schuss landete am Innenpfosten, den Abpraller setzte der Stürmer neben das Tor (57.).

"Ich habe mir Sorgen gemacht", sagte US-Trainer Bob Bradley. "Bei so vielen vergebenen Chancen, verlierst du irgendwann den Glauben."

Bradley hatte sein Team nach den beiden Remis gegen England (1:1) und Slowenien (2:2) auf drei Positionen umgebaut. Im Sturm kam Gomez, Torschützenkönig der ersten mexikanischen Liga, für den gelbgesperrten Robbie Findley zum Einsatz. Jonathan Bornstein ersetzte in der Abwehrkette Oguchi Onyewu vom AC Mailand, während Maurice Edu im Mittelfeld den Platz von Francisco Torres übernahm.

Aber Ende hat er alles richtig gemacht. Aber Bradley stand die Anspannung nach dem Spiel ins Gesicht geschrieben. "Es war sehr emotional", sagte der US-Coach. "Wir haben viel investiert und nie aufgegeben. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Jetzt sind wir bereit für das Achtelfinale, egal wer da kommt."

USA: Howard - Bornstein (81. Beasley), Demerit, Bocanegra, Cherundolo - Dempsey, Bradley, Edu (64. Buddle), Donovan - Gomez (46. Feilhaber), Altidore.

Algerien: M'bolhi - Bougherra, Halliche, Yahia - Kadir, Yebda, Lacen, Belhadj - Matmour (85. Saifi), Ziani (69. Guedioura) - Djebbour (65. Ghezzal).

Tor: Donovan (90+1.).

Schiedsrichter: De Bleeckere (Belgien).

Zuschauer: 35 827.

Gelb-Rote Karte: Yahia (90.+3).

Gelbe Karten: Altidore, Beasley - Yebda, Lacen.