Zum siebten Mal Fussball-Europameister

Erfolg pur - Deutschlands Frauen-Herrlichkeit

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Gregor Derichs

Birgit Prinz beendet rechtzeitig ihre Torflaute. Auch Kim Kulig vom HSV trifft bei der 6:2-Gala im EM-Finale gegen England.

Helsinki. Als der Goldkonfetti-Regen auf die versammelte Frauen-Herrlichkeit des deutschen Fußballs niederging und Uefa-Präsident Michel Platini den Silberpokal mit der großen Glaskugel für den Europameister übergab, stand Birgit Prinz wieder im Mittelpunkt. Als die Kapitänin, die beste Dame, die der DFB jemals besaß, die Trophäe auf der Tribüne des Olympiastadions in Helsinki in die Höhe stieß, freuten sich ihre Mitspielerinnen wie kleine Mädchen. "Es war ein wunderbarer Abend. Dass der Sieg so schön würde, habe ich niemals erwartet", sagte Bundestrainerin Silvia Neid. "Die Mannschaft hat den deutschen Fußball großartig vertreten. Der DFB ist unheimlich stolz auf diese Frauen", erklärte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Die deutsche Nationalmannschaft der Frauen steigerte gestern ihren Fußballruhm wieder um ein großes Stück, und Birgit Prinz wurde nach fünf eher durchschnittlichen Turnierspielen zur Mutter des Erfolges. Das Finale wurde zu einer Demonstration Leistungsstärke und Überlegenheit der deutschen Frauen. Mit 6:2 (2:1), dem höchsten Endspielsieg der Geschichte, folgte die Mannschaft den U-21-Junioren, die am 29. Juni mit einem 4:0 gegen England in Malmö Teil eins des skandinavischen Sommermärchen geschrieben hatten. Alle verneigten sich danach vor der Rekordspielerin Prinz, die zwei Tore beisteuerte, das wichtige erste (20.) und das schöne letzte (76). Zweimal traf auch Inka Grings (62./73.), die mit sechs Turniertreffern wie schon bei der EM 2005 in England als beste Torschützin den "Goldenen Schuh" erhielt. Melanie Behringer (22.) und Kim Kulig vom HSV (50.) waren ebenfalls erfolgreich gegen die Britinnen, deren Treffer von Karen Carney (24.) und der überragenden Kelly Smith (55.) erzielt wurden.

"Es freut mich unheimlich, dass sie zwei Tore geschossen hat", sagte Silvia Neid über Birgit Prinz. Die 31-Jährige selbst wollte ihren starken Auftritt nicht überbewerten. "Ach Herrgott, ich hätte es auch okay gefunden, wenn ich kein Tor geschossen hätte." Seit dem EM-Auftakt hatte sie mit sich gehadert, sie ärgerte sich über die Kritik einiger Medien, sie sei nach ihrer Verletzungspause aufgrund des im April gegen Brasilien erlittenen Rippenbruchs nicht in Bestform.

Sie beendete selbst diese Krise beim Schlussakkord dieser Europameisterschaft. Im 198. Länderspiel schoss die Psychologie-Studentin ihre Tore Nummer 124 und 125. Es war ihr 50. EM-Spiel, bei ihrer ersten EM-Finalteilnahme im März 1995 hatte sie als 17-Jährige gegen Schweden zwei Minuten nach ihrer Einwechslung getroffen. Dass sie 2013, wenn die EM wahrscheinlich in den Niederlanden stattfindet, noch aktiv ist, schloss sie vor einigen Tagen aus. Die WM 2011 soll ein krönender Abschluss werden.

"Birgit ist eine tolle Spielerin. Wir brauchen sie, sie gibt uns Kraft und Sicherheit", sagte Simone Laudehr. "Sie ist eine Weltklassespielerin, auch wenn sie älter geworden ist und langsam ihr Karriereende näher kommt." Birgit Prinz' Freundin Kerstin Stegemann (31) wird nach dieser EM ihre Karriere nach 191 Länderspielen und 14 Jahren beenden, wie Neid erklärte. Beim Jubelfest im Club "The Tiger" ging nach dem Spiel die Post ab. "Wir feiern bis in die frühen Morgenstunden", kündigte Laudehr an. Heute Mittag ist ein Empfang am Frankfurter Römer geplant.

Zum fünften Mal hintereinander holte der Doppel-Weltmeister den EM-Titel, im zehnten Turnier seit 1984 gewann die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes schon zum siebten Mal die kontinentale Krone. Die Stimmung im Olympiastadion von 1952 war endlich einmal einer EM entsprechend. 15 877 Zuschauer sollten an einem lauen Spätsommerabend eine Klassepartie, die eines Finales würdig war, erleben. Es war mit Abstand das beste Match des Turniers. Auf der Tribüne hatte Bundespräsident Horst Köhler, der neben Michel Platini stand, seine helle Freude an den deutschen Frauen.

Auch die Engländerinnen trugen mit einer offensiven Spielweise zur Klasse der Begegnung bei. Kelly Smith (30) vom US-Profiverein Breakers trumpfte großartig auf, bereitete den ersten Treffer ihres Teams vor und schoss den zweiten selbst. Ein Traumtor war das 2:0 von Melanie Behringer. Aus 32 Metern traf die Schwarzwälderin in den Torwinkel. Der Vize-Europameister von 1984 wehrte sich bis zum 2:4, dann spielten die deutschen Frauen mit fünf EM-Debütantinnen ihre überragende Physis aus und kombinierten schließlich glänzend. England war anders als beim 0:0 bei der WM 2007 ohne Chance.

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