Freezers gegen Eisbären

Das traurige Ende einer verrückten Serie

Das torreichste Viertelfinale der Liga-Historie ist für die Freezers nach dem 2:3 gegen Berlin beendet. Jetzt sind punktuelle Verstärkungen geplant.

Hamburg. Als Benoît Laporte am Morgen des Ostermontags sein Büro in der Volksbank-Arena betrat, da gab es für Trauer keinen Platz mehr in seinem Herzen. Am Tag nach der 2:3-Niederlage gegen die Eisbären Berlin, die am Ostersonnabend die Saison 2012/13 in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) für die Hamburg Freezers im sechsten Spiel der Viertelfinalserie beendet hatte, war der Laporte nach neun Stunden Erholungsschlaf drei Stunden durch die Hamburger Innenstadt spaziert. Dabei hatte er die Bilder verarbeitet, die die vergangenen zehn Tage geliefert hatten.

Es waren bewegende Szenen, die sich unmittelbar nach dem Spiel in den Katakomben abspielten. Mit Tränen in den Augen trat Stürmer David Wolf vor die Presse, schilderte mit belegter Stimme seine Eindrücke der mit 46 Treffern in sechs Spielen torreichsten Serie der DEL-Geschichte. "Es ist bitter. Wir haben alles gegeben. Jeder Spieler war stolz, das Logo der Hamburg Freezers zu tragen", sagte Wolf, und Kapitän Christoph Schubert ergänzte: "Die Serie war beste Werbung für das Eishockey. Wir haben bewiesen, dass wir zu den Top-Teams gehören, uns spielerisch und kämpferisch weiterentwickelt haben. Auch wenn alle enttäuscht sind: Wir greifen nächste Saison wieder an." In allen sechs Spielen gegen den Titelverteidiger waren die Hamburger bei gleicher Spielerzahl auf dem Eis mindestens gleichwertig. Faktoren wie die selbst verschuldete Matchstrafe von Eric Schneider in Spiel drei, die schweren Verletzungen von Jerome Flaake und Thomas Oppenheimer und umstrittene Schiedsrichter-Entscheidungen spielten eine Rolle. Laporte fand die Schuld jedoch auch bei seinem Team. "Berlin war cleverer", sagte er, "wir haben uns zu leicht von den Eisbären entnerven lassen, wir waren frustriert über die Schwalben und hatten ab Spiel vier unsere Emotionen nicht im Griff."

Die kommenden beiden Tage stehen nun im Zeichen der Kommunikation. Die Spieler werden nach und nach zunächst bei Sportdirektor Stéphane Richer und anschließend bei Laporte zum Einzelgespräch antreten. Jeder Profi bekommt in 15 Minuten gesagt, was gut und was weniger gut gelaufen ist. Den Anfang machen jene Spieler, die auch für die kommende Saison einen Vertrag besitzen. Am Mittwoch und Donnerstag folgen dann die medizinischen Abschlussuntersuchungen. "Jeder bekommt Feedback, wenn er es will", sagt Laporte. Das Personal für die neue Spielzeit steht zu großen Teilen bereits jetzt. Die Hamburger setzen weiter auf Kontinuität. 17 Spieler, darunter alle deutschen Leistungsträger, besitzen einen Vertrag für die kommende Saison. Lediglich der enttäuschende kanadische Flügelstürmer Matt Pettinger muss trotz eines bis 2014 gültigen Arbeitspapiers um seinen Verbleib bangen. Als Neuzugänge stehen bislang, wenn auch nur inoffiziell, der dänische Nationalstürmer Morten Madsen, 26, (Modo Hockey/Schweden) und der Deutschkanadier Frédérik Cabana, 26, (Ravensburg) fest.

Somit benötigen die Hamburger neben einem Torhüter, der während der Verletzungspause von Dimitrij Kotschnew (Kreuzbandriss), der im Oktober zurückerwartet wird, als Ergänzung zu Niklas Treutle fungieren soll, lediglich noch einen Ersatz für den nach Ingolstadt wechselnden Verteidiger Patrick Köppchen. Im Fokus steht ein Spieler, der seine Stärken in der eigenen Zone hat. Auch die Offensive soll nur punktuell verstärkt werden. Gesucht werden zwei Stürmer, die in der Lage sind, in engen Spielen den Unterschied zu machen und über die gesamte Saison konstant ihre Leistung abzurufen.

Wie das Abendblatt erfuhr, sind die Hamburger dabei heiß auf DEL-Topscorer Calle Ridderwall. Der 24-Jährige von der Düsseldorfer EG wurde bereits im November kontaktiert. Allerdings liegen dem Offensivspieler neben einem Angebot der DEG auch Anfragen aus der Schweiz, Deutschland und seinem Heimatland Schweden vor. Für den Außenstürmer würden die Freezers finanziell an die Grenzen gehen. Mit Köppchen, Rob Collins (Ziel unbekannt) und Thomas Dolak (Hannover) verlassen drei Topverdiener den Club. Neben dem Trio werden auch Brandon Reid, Colin Murphy und Artem Demkov (alle Ziel unbekannt) verabschiedet. Schneider, der in den Play-offs stark auftrumpfte, wird wohl seine Karriere beenden. Dennoch müssen die Freezers das eingesparte Geld mit Bedacht einsetzen. Die vorzeitigen Vertragsverlängerungen mit David Wolf, Kotschnew, Garrett Festerling und Kevin Schmidt waren teuer. Somit sind große Sprünge auf dem Transfermarkt nicht möglich.

Seit Montag sprechen Laporte und Richer über die Personalplanung für die kommende Spielzeit. "Die beiden Stürmer, die wir holen wollen, müssen unser Powerplay beleben und führen. Ich brauche einen Spielmacher und einen Vollstrecker", sagte Laporte, der die Verbesserung des indiskutablen Überzahlspiels in der Sommer-Vorbereitung als Priorität ansieht. "Wir müssen uns bei einer Erfolgsquote um die 20 Prozent einpendeln, wenn wir nächste Saison den Schritt in die Top vier machen wollen. Daran werden wir arbeiten", sagte Laporte, der am Sonntag zurück in seine Heimat Kanada fliegen wird. Anfang Mai kehrt der Frankokanadier für einige Tage zurück nach Hamburg, ehe er zur Weltmeisterschaft nach Schweden und Finnland reisen wird.

Vorher wollen die Freezers am kommenden Sonnabend ihre Saisonabschlussfeier abhalten. Ab 18 Uhr (Einlass 17 Uhr) verabschieden sich Spieler und Trainer in der Fischauktionshalle von ihren Fans. Anfang August beginnt die Vorbereitung auf die Spielzeit 2013/14. Dann sollen den Worten Taten folgen und ein neuer Angriff auf die Top vier der DEL gestartet werden.

Tore: 0:1 (22:00) Tallackson (Olver, Talbot) 5-4, 0:2 (23:33) Baxmann (Olver, Rankel), 0:3 (39:01) Ty. Mulock (TJ Mulock, Sharrow), 1:3 (42:00) Dolak (Wolf, Schneider), 2:3 (55:35) Reid (Roy, Schmidt). Strafminuten: 10/4. Schiedsrichter: Bauer/Schimm (Nürnberg/Waldkraiburg. Z.: 8580.