Olympia-Aus

"Ein riesiger Imageverlust für das deutsche Eishockey"

Freezers-Torwart Dimitrij Kotschnew spricht über die verpasste Qualifikation für Sotschi und seinen möglichen Abschied aus Hamburg.

Hamburg. Für Dimitrij Kotschnew beginnt am Mittwoch wieder der Alltag bei den Hamburg Freezers. Nach dem blamablen Ausscheiden in der Olympiaqualifikation zählt für den Nationaltorhüter jetzt der Endspurt in der Deutschen Eishockey-Liga. Es könnte seine vorerst letzte Saison in Deutschland sein. Der Torhüter wird von russischen Clubs umworben. Im Abendblatt spricht der 31-Jährige über Olympia und seine sportliche Zukunft.

Hamburger Abendblatt: Herr Kotschnew, haben Sie das historische Aus in der Olympiaqualifikation schon verdaut?

Dimitrij Kotschnew: Nein, ich bin natürlich noch wahnsinnig enttäuscht. Das wird noch ein paar Tage nachhängen. Olympische Spiele sind für Athleten die größte Bühne, die es neben einer Fußball-Weltmeisterschaft gibt. Für das deutsche Eishockey ist es natürlich ein riesiger Imageverlust, dass man in Sotschi nicht vertreten ist. Für mich persönlich (Kotschnew wurde in Kasachstan geboren, die Red.) und das Team wäre es ein Traum gewesen, 2014 dabei zu sein. Das ist alles sehr bitter.

Warum war das Team nicht in der Lage, sich gegen die Niederlande, Italien und Österreich zu behaupten?

Kotschnew: Gute Frage. Seitens des Deutschen Eishockey-Bundes wurde alles getan, die Bedingungen in Bietigheim waren top. Da gibt es keine Ausreden. Aber wenn ein Rädchen nicht in das nächste greift, kann es im Sport passieren, dass man auch als Favorit verliert. Leider wurden die Fehler, die wir gemacht haben, knallhart bestraft.

Sie haben alle Spiele von der Tribüne aus verfolgen müssen. Bundestrainer Pat Cortina setzte auf Dennis Endras und Rob Zepp. Waren Sie überrascht?

Kotschnew: Das habe ich nicht kommen sehen, und natürlich war es nicht schön, auf der Tribüne mitfiebern zu müssen. Aber ich bin der Letzte, der in der Öffentlichkeit Forderungen stellt. Wir haben in Deutschland wahrlich kein Torwartproblem.

Auch wenn die Qualifikation für die Spiele in Sotschi nicht gelang: Ihr Weg könnte schon in diesem Sommer nach Russland führen. Verlassen Sie die Freezers nach nur einer Saison wieder?

Kotschnew: Ich habe mich noch nie zu Vertragsverhandlungen geäußert und bin kein Freund von Wasserstandsmeldungen. Was ich sagen kann: Ja, wir sind in Gesprächen. Es wird definitiv in dieser Woche eine Entscheidung fallen.

Welche Rolle spielt bei der Entscheidung Ihre Freundin Johanna? Sie arbeitet in Hamburg als Psychologin. Darüber hinaus besitzen Sie hier eine Wohnung.

Kotschnew: Natürlich ist das Private auch mit ausschlaggebend, aber ich bitte um Verständnis, dass ich nicht mehr dazu sagen möchte. Aber jeder Mensch weiß, was im Leben wichtig ist.

Belasten Sie die Wechselgerüchte?

Kotschnew: Es ist nicht so, dass ich 24 Stunden am Tag über meine Zukunft grüble. Dass ich damals in Nürnberg wegen des Russland-Angebots schlechte Play-offs gespielt haben soll, stimmt im Übrigen auch nicht. Ich hatte in der Saisonendphase eine Herzrhythmusstörung und bin mit sieben Kilo weniger in die Endrunde gegangen.

Die Freezers-Abwehrspieler Duvie Westcott (Innenbanddehnung) und James Bettauer (Haarriss im Knöchel) haben von den Vereinsärzten grünes Licht bekommen und nehmen von diesem Dienstag an wieder am Mannschaftstraining teil.