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Der erste Deutsche bei den CrossFit-Games ist ein Hamburger

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Moritz Fiebig in seiner CrossFit-Box in Bahrenfeld.

Moritz Fiebig in seiner CrossFit-Box in Bahrenfeld.

Foto: Viktor Hrcac

Moritz Fiebig darf sich offiziell „fittester Deutscher“ nennen. In dieser Woche erlebt der 27-Jährige seinen größten Wettkampf.

Hamburg.  Während draußen Menschen im Hamburger Sommer nach schattigen Plätzen suchen, sitzt Moritz Fiebig entspannt in seinem Fitnessstudio, das in seinem Sport CrossFit auch Box genannt wird und einer der am besten gekühlten Orte der Stadt ist. Doch wer jetzt denkt, dass es bei Sankt Pauli Athletik in Bahrenfeld nicht schweißtreibend zur Sache geht, der täuscht sich. Denn Moritz Fiebig gibt jeden Tag alles für sein großes Ziel, das lautet: Ab Mittwoch eine gute Figur machen bei den 15. CrossFit-Games, veranstaltet vom amerikanischen Unternehmen CrossFit, in Madison (USA).

Für den 27-Jährigen bedeutet das Setzen eines Ziels, das Leben fortan komplett auf das Erreichen jenes Vorsatzes auszurichten. „Mein Boxtrainer hat früher immer gesagt: Ohne Ziele läufst du im Kreis herum. Dieser Satz ist seitdem so hart in meinem Kopf verankert, dass ich ihn teilweise zu verbissen auslebe, um alles aus mir herauszuholen“, sagt Fiebig. Doch das Ziel, einmal am Saisonhöhepunkt seines Sports teilzunehmen, hatte er nicht von Anfang an im Kopf. „Zuerst wollte ich der Fitteste in der Box sein. Nachdem ich das geschafft hatte, wollte ich so gut sein wie der Beste in Hamburg und so weiter.“

USA: Fiebig arbeitete auch an seiner mentalen Stärke

Für die Teilnahme an den CrossFit­Games musste er einen dreiteiligen Qualifikationsprozess durchlaufen und in den Semifinals im Mai in Amsterdam unter die besten fünf Athleten kommen. Der Prozess hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft, weshalb Moritz der erste deutsche Athlet ist, der sich auf diese Art qualifiziert hat.

Dabei hat ihm nicht nur das körperliche Training geholfen, sondern auch die Arbeit an seiner mentalen Stärke. „Wäre ich nicht so interessiert an der mentalen Weiterentwicklung, würde ich aktuell nicht dort stehen“, sagt er. Neben täglichem Meditieren absolvierte er 2021 ein Mentalcoaching bei einer Quantenphysikerin, um mental noch besser auf die Herausforderungen des Sports vorbereitet zu sein.

CrossFit belastet den gesamten Körper

CrossFit, das zur Sportart funktionale Fitness zählt, ist eine eingetragene Marke. Das Besondere daran ist, dass der komplette Körper belastet wird. CrossFit vereint Cardio-Einheiten, Krafttraining und Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. „Nach meinem ersten Workout 2016 war ich geschockt, weil es so anstrengend war und ich dachte, dass ich ganz fit bin“, erinnert sich Fiebig, der aus Münster stammt und 2014 in Hamburg ein duales Studium zum Fitnessökonom begann, da er seiner Leidenschaft zum Sport auch beruflich nachgehen wollte.

Dass er sich einmal Weltmeister in der funktionalen Fitness und „Fittest in Germany“ würde nennen dürfen, kam ihm damals noch nicht in den Sinn. Doch 2021 holte er sich gleich beide Auszeichnungen. Besonders der WM-Titel in Schweden (Ausrichter war bei dem Wettbewerb die „iF3“ (International Functional Fitness Federation) bedeutet ihm viel.

Fiebig ist Geschäftsführer von drei Boxen

Sich jetzt vor den CrossFit-Games der „Fitteste in Deutschland“ nennen zu dürfen, sei „eine coole Auszeichnung, die mich stolz macht, aber mehr auch nicht“, sagt er grinsend. Denn es gibt nicht nur sein Sportlerleben. Seit mittlerweile fast drei Jahren führt er in Vollzeit als Geschäftsführer drei Boxen für funktionelles Training in Hamburg. „Das reicht von Putzen über Buchhaltung, Meetings mit meinen Angestellten, Coachings bis hin zu meinem Training.“

All diese Aufgaben stehen nun allerdings im Hintergrund, der komplette Fokus liegt auf den Games. Die Vorfreude auf das Turnier ist indes viel größer als der Druck, denn Moritz Fiebig geht als einziger Nicht-Vollzeit-Athlet in den USA an den Start. „Ich habe mich zum ersten Mal qualifiziert, möchte den Wettkampf genießen. Ich versuche von den anderen Athleten zu lernen und im nächsten Jahr zu gewinnen“, sagt er und lacht.

USA: Wettkampf wird eine dagewesene Belastung sein

Diese Freude will er sich bewahren, auch wenn der Wettkampf mit 15 Events an fünf Tagen eine noch nie dagewesene Belastung darstellen wird. Im Anschluss wird er mit seiner Freundin Denise noch ein paar Tage in den Staaten bleiben, um etwas abzuschalten. Doch nach seiner Rückkehr will er weiter daran arbeiten, körperlich und mental neue Level zu erreichen. Alles für das größte Ziel: Eines Tages „Fittest Men on Earth“ zu sein.

( hpbv )

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