Hamburg-Marathon 2022

Haspa-Marathon: Experte erwartet neue Streckenbestzeiten

| Lesedauer: 7 Minuten
Auch Yalemzerf Yehualaw (22) gehört zu den Mitfavoriten des 36. Haspa-Marathons.

Auch Yalemzerf Yehualaw (22) gehört zu den Mitfavoriten des 36. Haspa-Marathons.

Foto: Getty Images

Athletenmanager sicher: "„Das Elitefeld war noch nie derart gut besetzt“. Über die Topkandidaten und bisherigen Rekordzeiten.

Hamburg.  Donnerstagabend konnte Jurrie van der Velden endlich Entwarnung geben. Die meisten Läuferinnen und Läufer des Elitefeldes für den 36. Haspa Marathon am Sonntag waren in Hamburg eingetroffen. Die Veranstalter hatten sie bereits am Mittag im Hotel Radisson Blu am Dammtor präsentieren wollen, da befanden sie sich aber noch in der Luft.

Die Kenianer konnten offenbar in Nairobi nicht rechtzeitig starten, der Flieger der Äthiopier hob in Addis Abeba ebenfalls unplanmäßig ab, ähnlich erging es angeblich den Ugandern in Kampala. Dementsprechend mussten sie für den geblockten Weiterflug von Istanbul nach Fuhlsbüttel kurzfristig umgebucht werden, was gelang. „Allen geht es gut“, sagte van der Velden. Der 38 Jahre alte Niederländer arbeitet für die Agentur Global Sport Communication in Nijmegen, die seit 2012 die Spitzenläufer und -läuferinnen für den Haspa-Marathon rekrutiert.

Hamburg-Marathon 2022: Neue Rekordzeit erwartet

Die gestrige Verspätung soll dann auch die letzte gewesen sein. Am Sonntag, davon geht van der Velden aus, werden sie rechtzeitig nach 42,195 Kilometern am Fernsehturm eintreffen. Rechtzeitig heißt in diesem Fall: mit neuer Streckenrekordzeit. Bei den Frauen sind die 2:21:55 Stunden der Äthiopierin Meselech Melkamu (37) aus dem Jahr 2016 zu unterbieten, bei den Männern die 2:05:30 Stunden des Kenianers Eliud Kipchoge aus 2013.

Sein überlegener Sieg in Hamburg war der Beginn der einzigartigen Marathonkarriere des heute 37-Jährigen. Kipchoge wurde 2016 in Rio de Janeiro und 2021 in Tokio Olympiasieger. Er hält mit 2:01:39 Stunden den Weltrekord, lief am 12. Oktober 2019 unter speziellen Rahmenbedingungen im Wiener Prater als erster Mensch die Strecke 20 Sekunden unter zwei Stunden. Der Glanz seiner Leistungen fällt immer auch auf den Has­pa-Marathon ab, bei dem Kipchoge sein Debüt über die 42,195 Kilometer gab. „In Kenia und Äthiopien hat diese Veranstaltung daher einen sehr guten Namen“, sagt van der Velden.

300.000 Euro Antritts- und Preisgelder

Die internationale Reputation des Laufes wurde in den vergangenen zwei Jahren weiter aufgewertet, weil die Marathon Hamburg Veranstaltungs GmbH in Zeiten des weltweiten Lockdowns im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten gleich zwei Rennen durchführte: am 18. April 2021 einen von Hamburg nach Enschede (Niederlande) verlegten Elitemarathon und am 12. September des vergangenen Jahres einen Not-Marathon in Hamburg ohne Zuschauende. Zudem werden diesmal wieder 300.000 Euro an Antritts- und Preisgeldern ausgeschüttet, während andere Veranstalter ihre Prämien senkten, weil Sponsoren abgesprungen waren. In Hamburg kamen fünf hinzu.

Bei der erhofften Rekordjagd bei idealen Temperaturen um die zehn Grad Celsius und wenig Wind gilt die Äthiopierin Yalemzerf Yehualaw bei ihrem Marathon-Debüt als Topkandidatin für eine neue Bestzeit. Die Referenz der 22-Jährigen: Im spanischen Castellón pulverisierte sie am 27. Februar dieses Jahres den Weltrekord im Zehn-Kilometer-Straßenlauf in 29:14 Minuten um 24 Sekunden.

„Das Elitefeld war noch nie derart gut besetzt“

Ihre Halbmarathonzeit von 63:51 Minuten ist die zweitschnellste bisher gelaufene. „Ihr ist alles zuzutrauen, wenn sie die kritische Phase um Kilometer 35 ohne Leistungseinbruch übersteht“, sagt van der Velden. Härteste Konkurrentin dürfte ihre Landsfrau Gadise Mulu (24/Bestzeit 2:26:20) werden, die Vorjahressiegerin. Zu beachten bleibt die Kenianerin Priscah Jeptoo (37), die den Marathon schon in 2:20:14 Stunden lief – vor zehn Jahren in London.

Bei den Männern setzt der Athletenmanager auf die Breite an Siegkandidaten. „Das Elitefeld war noch nie derart gut besetzt“, sagt er. „Wenn sie sich gegenseitig pushen, ist eine Zeit um 2:05 Stunden möglich.“ Die Meldeliste wird angeführt von Abebe Negewo (37). Der Äthiopier mit der Startnummer eins reist mit einer Bestzeit von 2:04:51 Stunden aus dem Jahr 2019 an. Barselius Kipyego (28/Kenia) lief erst im Vorjahr in Paris 2:04:48 Stunden. Tsegaye Mekonnen (26/Äthiopien), 2017 Hamburg-Sieger, blieb ebenfalls schon unter 2:05 Stunden, seine besten Zeiten von 2:04:32 und 2:04:46 stammen indes aus den Jahren 2014 und 2016. Insgesamt 19 Pacemaker sollen in verschiedenen Zeitgruppen Läufer und Läuferinnen zu Spitzenleistungen antreiben.

15.000 Euro Prämie für Streckenrekord ausgelobt

Für den Streckenrekord sind 15.000 Euro Prämie ausgelobt, Sieger und Siegerin erhalten 25.000 Euro, sollten sie unter 2:08 Stunden (Männer) und 2:23 Stunden (Frauen) ankommen. Andernfalls stehen 10.000 Euro weniger auf dem Scheck.

Bester gemeldeter deutscher Läufer ist der Regensburger Philipp Pflieger, der zwei Jahre lang für das Laufteam Haspa Marathon startete und auf Wunsch seines Ausrüsters Adidas Anfang des Jahres zum SSC Berlin wechselte. Der 34-Jährige will in Hamburg die Norm für die Weltmeisterschaft im Juli in Eugene (US-Bundesstaat Oregon) angreifen, die bei 2:11:30 Stunden liegt. Dafür müsste er seine Bestzeit von 2:12:15 Stunden, aufgestellt im Dezember 2020 in Valencia (Spanien), um 45 Sekunden verbessern. Gelingt ihm das, wäre auch der Start bei der Heim-EM in München im August (Norm 2:14:30) greifbar. Dort starten die sechs besten deutschen Läufer.

„Der Knöchel ist immer noch nicht bei 100 Prozent"

„Ich muss gut eine Sekunde pro Kilometer schneller laufen als in Valencia. Das sollte aber möglich sein“, sagt er, auch wenn seine Vorbereitung erneut nicht optimal verlief. Im Höhentrainingslager im Februar in Kenia verletzte er sich in Woche zwei am Knöchel, lag zudem eine Woche mit einem Magen-Darm-Virus im Bett. „Der Knöchel ist immer noch nicht bei 100 Prozent, aber beim Halbmarathon in Berlin Anfang ­April bin ich 63:05 Minuten gelaufen, nur 15 Sekunden über meiner Bestzeit. Das hat mir gezeigt, dass ich in Form bin.“

In Hamburg will er das zeigen – und das Comeback in der und mit der Masse genießen. „Das Zusammenspiel mit den Menschen an der Strecke ist das, was Marathon für mich und die meisten anderen Eliteläufer ausmacht.“ Bei seinem bisher einzigen Start an Elbe und Alster konnte er 2018 die besondere Atmosphäre des Haspa-Mara­thons bereits einmal genießen.

Hamburg-Marathon 2022: Es gibt noch freie Plätze

Diese Chance auf einen nachhaltigen Laufgenuss besteht auch für weitere Hobbyläufer und -läuferinnen. Nur der Halbmarathon (21,2 Kilometer) ist mit 4250 Teilnehmenden plus vier Handbikern bisher ausverkauft, für die Staffel und den Marathon gibt es noch freie Plätze. Anmeldungen sind am Freitag (13 bis 19 Uhr) und am Sonnabend (9 bis 18 Uhr) auf der Marathonmesse in der Messehalle A3 an der Jungiusstraße am Fernsehturm möglich. Die Meldegebühr für Nachzügler beträgt 169 Euro für die Staffeln und 119 Euro für den Marathon. Alle Starter und Starterinnen müssen geimpft oder genesen sein. Beim Marathon gilt bis zur Startlinie Maskenpflicht. Danach kann die Rekordjagd ohne Mund- und Nasenschutz beginnen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport