Haspa Marathon

Marathon und Corona: Was zu bedenken ist

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Michael Ehnert, Leiter des Instituts für Sportmedizin an der As­klepios Klinik  St. Georg und Vertrauensarzt des Olympiastützpunkts.

Michael Ehnert, Leiter des Instituts für Sportmedizin an der As­klepios Klinik St. Georg und Vertrauensarzt des Olympiastützpunkts.

Foto: Privat

Der Hamburger Sportmediziner Michael Ehnert gibt Tipps für Wiedereinstieg nach und Umgang mit dem Virus – und warnt vor Überlastung.

Hamburg. Die Unsicherheit ist groß unter jenen Teilnehmenden des Haspa Marathons am 24. April, die sich in der Vorbereitung infiziert haben. „Von 50 Anfragen, die wir täglich erhalten, drehen sich 49 um Corona“, sagt Organisationschef Frank Thaleiser.

Viele der Betroffenen wollen vom Marathon auf den Halbmarathon umsteigen, der mit 4250 Startern aber ausverkauft ist. Im Abendblatt nimmt Michael Ehnert (58), Leiter des Instituts für Sportmedizin am Asklepios Klinikum St. Georg, Stellung zu den wichtigsten medizinischen Fragen.

Haspa Marathon: Belastungs-EKG nach Corona sinnvoll

Hamburger Abendblatt: Wie viel Zeit sollte zwischen einer Corona-Infektion und dem Start bei einem Marathon mindestens liegen?

Ehnert: Grundsätzlich gilt, dass nach jedem Infekt mit Augenmaß reagiert werden muss. Viele steigen zu früh wieder ins Training ein, überlasten so ihr Immunsystem. Die Sportmedizin empfiehlt, nach einem Infekt wie Corona, aber auch Influenza, nach Genesung Blutuntersuchung, EKG und Lungenfunktionsprüfung zu absolvieren. Bei Corona gilt zusätzlich, nach vier bis sechs Wochen ein Belastungs-EKG mit Ultraschall durchführen zu lassen, da sich eine Herzmuskelentzündung als Folgeerscheinung oft erst nach dieser Zeit manifestiert.

Wie lange sollte man nach einem Corona-Infekt auf Sport verzichten?

Ehnert Auch hier muss man differenzieren. Wer keine oder milde Symptome hatte, sollte eine Ausbelastung im anaeroben Bereich für 14 Tage nach Genesung vermeiden. Wer schwere Symptome aufwies, der wird deutlich länger aussetzen müssen. Das ist aber individuell sehr unterschiedlich. Junge Leute fühlen sich schnell wieder fit, unterschätzen aber, dass ein Marathon immer auch zelluläre Schäden nach sich zieht und es deshalb durch Überlastung zu einem Aufflackern von Symptomen und überproportionalen Schäden kommen kann. Wer im November erkrankt war, muss sich weniger sorgen als jemand, der im März positiv war.

Prioritäten zugunsten der Gesundheit setzen

Wer in der Osterwoche seinen positiven Test hatte, ist auf jeden Fall raus?

Ehnert: Meine Empfehlung: ja. In jedem Fall sollte ein Arzt zurate gezogen werden. Ich appelliere an die Eigenverantwortung. Man sollte sich fragen, welche Priorität der Start beim Marathon im Vergleich zur eigenen körperlichen Unversehrtheit besitzt, denn die allermeisten Startenden sind keine Profisportler, auch wenn man bei einer Distanz von 42,195 Kilometern nicht mehr von Breitensport sprechen sollte. Da ist es besser, im Zweifel zurückzustecken, als durch Überlastung einen nachhaltigen Leistungsknick oder sogar Organschäden zu riskieren.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Welche Schäden sind bei Überlastung zu befürchten?

Ehnert: Wer seine Herz- und Lungenfunktion nicht überprüfen lässt, riskiert mit erhöhten Herzfrequenz- und Blutdruckwerten ins Rennen zu gehen. Das kann akute sowie Langzeitfolgen auf das Herz-Kreislauf-System haben. Die medizinische Evaluation ist aus zwei Gründen wichtig. Zum einen, um herauszufinden, ob man – Stichwort Laufanalyse – überhaupt geeignet ist, einen Marathon zu laufen. Zum anderen, weil das individuelle Belastungsprofil wichtige Aufschlüsse darüber gibt, wie ein Training hinsichtlich der Ökonomisierung des Herz-Kreislauf-Systems optimiert werden kann, um darüber eine Leistungssteigerung zu erzielen. Dieses Potenzial lassen viele Breitensporttreibende liegen. Wer mit dem guten Gefühl in einen Marathon startet, dass er oder sie gesundheitlich auf der Höhe ist, kann dadurch ebenfalls einen Leistungsschub aktivieren. Deshalb: Lassen Sie sich untersuchen und nehmen Sie das Ergebnis ernst!

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