Profiboxen

Der lange Weg zum Abschied aus dem Boxring

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Susi Kentikian hat 36 ihrer 38 Profiboxkämpfe gewonnen.

Susi Kentikian hat 36 ihrer 38 Profiboxkämpfe gewonnen.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Susi Kentikian bestritt vor fünf Jahren ihren bislang letzten Profikampf. Nun hat sie durch ein Projekt neue Motivation gefunden.

Hamburg.  Ihre Karriere hat sie offiziell nicht beendet. „Ich habe immer gesagt, dass ich nicht aufhöre, sondern nur pausiere, bis ein passendes Angebot kommt“, sagt Susi Kentikian. Aber wer um die Tatsache weiß, dass im deutschen Profiboxen für Frauen seit Jahren kein Geld mehr zu verdienen ist, die in Armenien geborene Hamburgerin in ihrer Glanzzeit aber Kampfgagen von jenseits der 50.000 Euro gewohnt war, der wundert sich kaum darüber, dass die langjährige Fliegengewichtsweltmeisterin das bislang letzte Mal vor mehr als fünf Jahren für Geld im Ring stand.

Am 30. Juli 2016 besiegte sie in der Sporthalle Hamburg in ihrem 38. Profikampf die Kroatin Nevenka Mikulic. Seitdem ist es ruhig geworden um Susi Kentikian.

Profiboxen: Neue Motivation für Susi Kentikian

Nun aber gibt es Anzeichen, dass sich dieser Status noch einmal verändern könnte. Ein TV-Format, bei dem die 34-Jährige mitgewirkt hat, aber über das sie vor der Ausstrahlung im November nichts verraten darf, habe ihr einen immensen Motivationsschub verliehen. „Ich habe während der Dreharbeiten gemerkt, dass ich es noch schaffe, mich zu Höchstleistung zu pushen. Ich bin richtig aufgeblüht“, sagt sie.

Dass die fünf Jahre ohne regelmäßige Trainingsphasen mit zwei Einheiten täglich nicht spurlos an ihr vorübergegangen sind, gesteht sie offen ein. „Müsste ich morgen in den Ring steigen, müsste ich im Superfedergewicht bis 58,96 Kilogramm boxen“, sagt sie. Vom Fliegengewicht (bis 50,8 kg) sind das fünf Limits nach oben – pro Jahr Pause eine Gewichtsklasse. „Ich habe das Leben genossen und auch nicht mehr allzu sehr auf meine Ernährung geachtet“, sagt sie.

Susi Kentikian als Personal Trainerin tätig

Was nicht bedeutet, dass sie nicht fit wäre. Susi Kentikian geht regelmäßig joggen, dazu verdient sie ihr Geld als Personal Trainerin und mit dem Anbieten von Online-Boxkursen. „Technisch habe ich nichts verlernt. Aber wenn man gewohnt ist, zweimal pro Tag zu trainieren, dann geht es mit dem Zunehmen relativ schnell“, sagt sie.

Kontakt zu Wegbegleiterinnen und Kollegen aus der Zeit bei den Profiställen Universum und SES hat sie kaum noch. Lediglich mit ihren früheren Trainern Frank Rieth und Magomed Schaburow schreibt sie sich regelmäßig Nachrichten. „Nach fünf Jahren Pause ist es aber auch keine Überraschung, dass man raus ist aus dem Geschäft“, sagt sie.

Bruder Mikael kümmert sich um Angebote

Es gab schließlich Wichtigeres zu tun für die 152 Zentimeter kleine Powerfrau, die sich in den vergangenen Monaten insbesondere um ihre Mutter gekümmert hat, die eine schwere psychische Erkrankung mittlerweile gut in den Griff bekommen hat.

„Ich habe endlich die Zeit gehabt, meiner Familie mehr Beachtung zu schenken, als es während meiner Boxkarriere möglich war. Das war für mich und auch für meine Mutter unheimlich wichtig“, sagt sie. Ihr älterer Bruder Mikael ist weiterhin als eine Art Manager für sie tätig, kümmert sich um Anfragen und Angebote.

Profiboxen: Fokus von Kentikian liegt auf Sport

Und die kommen noch immer, vor allem aber aus dem TV-Bereich. Ihre Auftritte bei „Ewige Helden“ und „The Masked Singer“ haben Susi Kentikian Freude und Erfahrungen beschert, das neue Format im November hat sie jedoch darin bestärkt, dass ihre Zukunft in erster Linie im Sport liegt. „Ich möchte mich um eine Sache voll und ganz kümmern, und das Boxen ist einfach meine Leidenschaft“, sagt sie.

Deshalb will sie ihre Boxkurse ausbauen, plant einen Einstieg als Trainerin im Sozialprojekt „Boxschool“, um auch ihre Erfahrungen auf dem Gebiet der Integrationspolitik einzubringen. Und sie glaubt fest daran, dass er doch noch kommt, ihr Abschiedskampf im Ring. „Ich bin zurück, und das will ich zeigen“, sagt sie.

( bj )

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