Hamburger bei Olympia

"Sie glaubte, dass mir Kämpfen mit Regeln guttun würde"

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Dario Kurbjeweit Garcia (27) startet mit dem Hamburger Judo-Team als Titelverteidiger in die neue Bundesligasaison.

Dario Kurbjeweit Garcia (27) startet mit dem Hamburger Judo-Team als Titelverteidiger in die neue Bundesligasaison.

Foto: imago sport / imago/Eibner

Judoka Dario Kurbjeweit Garcia hat Kurs auf die Olympischen Spiele 2024 gesetzt – zu verdanken hat er das seiner Kindergärtnerin.

Hamburg.  Sollte alles so laufen, wie er es sich ausmalt, dann hätte Dario Kurbjeweit Garcia in drei Jahren einem Menschen besonders zu danken: seiner Kindergärtnerin. „Sie war es, die meiner Mutter geraten hat, mich beim Judo anzumelden, weil ich ein wildes Kind war und sie glaubte, dass mir Kämpfen nach Regeln guttun würde“, sagt der 27-Jährige, der sich das Ziel gesteckt hat, seine aktive Laufbahn 2024 nach seiner ersten Olympiateilnahme in Paris zu beenden.

Den ersten Schritt auf diesem Weg hat der gebürtige Hamburger, der in Steilshoop aufwuchs und als Sechsjähriger beim Bramfelder SV mit dem japanischen Nationalsport begann, am vergangenen Wochenende zurückgelegt. Bei den deutschen Einzelmeisterschaften in Stuttgart gewann er in der Klasse bis 100 Kilogramm den Titel.

Judo-Turnier und Bundesligastart: Schonprogramm kommt nicht infrage

Auch wenn mit Karl-Richard Frey (30/Leverkusen) die deutsche Nummer eins in seinem Gewichtslimit nach der Teilnahme an den Sommerspielen in Tokio fehlte, darf Kurbjeweit Garcia seinen Erfolg durchaus als Fingerzeig werten. Schließlich qualifizierte er sich als nationaler Champion für das Grand-Prix-Turnier in Kroatiens Hauptstadt Zagreb (24. bis 26. September). „Das ist ein sehr wichtiges Turnier, weil die Weltspitze, die in Tokio am Start war, dort fehlen wird und ich deshalb die Chance habe, nachhaltig auf mich aufmerksam zu machen“, sagt er.

Sich für diese Gelegenheit zu schonen, käme dem Sohn eines deutschen Vaters und einer spanischen Mutter, die lange in Italien lebte und ihm deshalb einen italienischen Vornamen gab, dennoch nicht in den Sinn. Wenn an diesem Sonnabend die wegen Corona verkürzte Bundesligasaison startet, wird er für Titelverteidiger Hamburger JT auf die Matte gehen. Und das gleich vier- statt zweimal, weil die Terminenge einen neuen Modus mit sich bringt.

Im Vergleich zu normalen Kampftagen, an denen zwei Teams zu je zwei Kämpfen in sieben Gewichtsklassen gegeneinander antreten, sind Dreier-Kampftage angesetzt. Zum Auftakt kommen JC Bottrop und Hertha Walheim in die Sporthalle Wandsbek, die den Kampftag um 14 Uhr eröffnen. Anschließend ist das HJT gegen Walheim und dann gegen Bottrop gefordert. 250 Zuschauer sind nach 3G-Regel zugelassen, Tickets müssen online (hamburger-judo-team.de) gekauft werden.

Im Herzen ein "Hamburger Jung"

Dass Dario Kurbjeweit Garcia überhaupt noch für seine Heimatstadt antritt, ist für ihn eine Herzensangelegenheit, aber beileibe nicht selbstverständlich. Schließlich lebt er seit 2014 in München und ist Mitglied des TSV Großhadern. Der Schritt war notwendig geworden, weil er nach dem Übergang in den Männerbereich im Nationalteam bleiben wollte und deshalb an einen der Bundesstützpunkte wechseln musste. Eine Ausbildung bei der bayerischen Landespolizei schloss er 2019 ab. Seitdem genießt er die spezielle Förderung, die ihm erlaubt, sich elf Monate im Jahr auf seinen Sport zu konzentrieren.

Dennoch hat er die Verbindung nach Hamburg nie abreißen lassen, was ihm HJT-Cheftrainer Slavko Tekic hoch anrechnet. „Dario ist ein echter Hamburger Jung und ein Leistungsträger, einfach ein toller Typ, der unserem Team sehr hilft“, sagt er. „Ich wollte die Menschen nicht im Stich lassen, die mich 15 Jahre lang begleitet hatten. Deshalb werde ich immer für das HJT antreten“, sagt der Hobbykoch, der die Corona-Zeit auch dafür genutzt hat, am Herd neue Rezepte auszuprobieren.

Auf der Matte setzt er dagegen auf Bewährtes, auch wenn ihm im 100-kg-Limit, in das er erst 2019 aufgestiegen ist, noch Erfahrung fehlt. „Perfektion ist im Judo fast unmöglich, weil es ein so komplexer Sport ist“, sagt er, „aber ich arbeite gezielt daraufhin, mich in allen Bereichen so zu verbessern, dass ich in Paris meine Karriere krönen kann.“ Nicht nur seine Kindergärtnerin wäre stolz, wenn ihm das gelingt.

( bj )

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