Rothenbaum

Beachvolleyball: King of the Court ist kein Königsweg

| Lesedauer: 6 Minuten
Björn Jensen und Rainer Grünberg
Die nationalen Champions (v.l.): Julius Thole, Chantal Laboureur, Sarah Schulz und Clemens Wickler in den Königs- und Königinnenroben.

Die nationalen Champions (v.l.): Julius Thole, Chantal Laboureur, Sarah Schulz und Clemens Wickler in den Königs- und Königinnenroben.

Foto: Witters

Premiere des neuen Beachvolleyball-Formats stößt auf geteilte Meinungen. Ludwig und Thole/Wickler feiern Titel.

Hamburg. Wie viel Power im „King of the Court“ steckt, diesem neuen Beachvolleyballformat, das am Wochenende seine Premiere am Rothenbaum erlebte, war am Sonntagnachmittag zu beobachten. Draußen bibberte Hamburg bei Herbstwetter, auf dem Center-Court kochten die Emotionen über, als Laura Ludwig (35/HSV) mit Interimspartnerin Anouk Vergé-Depré (29/Schweiz) das internationale Frauenturnier gewann.

3:15 Minuten vor Ablauf des wilden 15-Minuten-Rundlaufs hatte das Duo noch mit acht Punkten hinter den Polinnen Kinga Wojtasik/Katarzyna Kociolek zurückgelegen. Nach einem letzten Angriffsschlag der Hamburgerin stand es 15:13. 10.000 Dollar Preisgeld war der Sieg wert. Das HSV-Duo Victoria Bieneck/Isabel Schneider belegte mit vier Punkten Rang drei.

„King of the Court“: Laura Ludwig ist begeistert

„Dieses Format ist der Wahnsinn, denn es kann alles passieren. Selbst in meinem Alter gefällt es mir immer besser“, sagte Laura Ludwig. Während sie nach der Trennung von Margareta Kozuch (34), die offiziell verletzt fehlte, mit Anouk Vergé-Depré nur im internationalen Turnier starten durfte, hatten sich die Vizeweltmeister von 2019, Julius Thole (24) und Clemens Wickler (26), als Sieger des nationalen Turniers am Sonnabendabend in die internationale Konkurrenz durchgekämpft. Dort schied das Duo vom Eimsbütteler TV in der zweiten Finalrunde aus, die Polen Piotr Kantor/Bartosz Losiak siegten. Das nationale Frauenturnier gewannen Chantal Laboureur (31/Stuttgart)/Sarah Schulz (22/Düsseldorf).

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Bei aller Freude, die die Protagonisten mit dem innovativen Format hatten, steht indes zu befürchten, dass es dieses in der diesjährigen Form nicht noch einmal geben wird. „Wir sind sehr zufrieden mit unserer Premiere. Die Resonanz war sehr positiv, die Leute haben das Format sehr gut angenommen“, sagte der Niederländer Wilco Nijland, der mit seiner Agentur Sportworx in seiner Heimat Utrecht das „KotC“-Format erstmals 2018 als Wettkampf ausgerichtet hatte und die Premiere in Hamburg gemeinsam mit der Deutschen Volleyball Sport GmbH (DVS), dem Vermarkter des nationalen Verbands DVV, veranstaltete.

Städtischer Zuschuss von 500.000 Euro wurde kritisiert

Sportsenator Andy Grote hinterlegte allerdings deutlich den Anspruch der Stadt, im kommenden Jahr wieder ein „normales“ Turnier der Weltserie zu veranstalten, die nach einer Neuordnung in der Saison 2022 in drei Kategorien anstelle der bislang gewohnten Ein- bis Fünfsterne-Events ausgetragen werden soll. „King of the Court ist ein spannendes und attraktives Format“, sagte Grote, der am Sonntag auf der Anlage viele Gespräche führte. „Aber wenn sich die World Tour neu aufstellt, will Hamburg auf dem obersten Level dabei sein.“

Der von vielen Seiten als für ein Spaßturnier deutlich zu hoch kritisierte städtische Zuschuss von 500.000 Euro plus rund 50.000 Euro für zusätzliche Hygienemaßnahmen war nur deshalb genehmigt worden, damit der Anspruch, als Europas Beachvolleyball-Hauptstadt wahrgenommen zu werden, während der Corona-Krise nicht versanden würde.

10.300 Zuschauer kamen an die Hallerstraße

Zudem drängte das Sportamt auch aus Respekt vor Alexander Otto darauf, ein Beachvolleyballturnier am Rothenbaum zu spielen, da die umfassende Sanierung des Stadions an der Hallerstraße im vergangenen Jahr auch damit begründet worden war, dass man es für den Trendsport im Sand benötige. Otto hatte mit seiner Stiftung acht der zehn Millionen Euro Umbaukosten finanziert.

Insgesamt kamen an den vier Turniertagen 10.300 Zuschauer an die Hallerstraße, 3000 am Donnerstag waren der beste Tagesbesuch; allerdings am einzigen Tag, an dem kein Eintritt bezahlt werden musste. Für Kritik sorgten die Ticketpreise zwischen 25 und 159 Euro, die vor allem für die junge Beachvolleyball-Zielgruppe (15 bis 35 Jahre) deutlich zu hoch angesetzt waren.

Ungünstiger Termin für das Turnier in Hamburg?

„Die Kalkulation war daran bemessen, dass es zuerst hieß, statt der nun erlaubten 4400 Fans pro Tag könnten nur 650 zugelassen werden. Später haben wir die Preise mit Rabatten bis zu 50 Prozent angepasst“, sagte DVS-Geschäftsführer David Klemperer. Zudem ärgerten sich vor allem ältere Gäste über die musikalische Dauerbeschallung als Teil des Entertainmentkonzepts. „Man wird es niemals allen recht machen können. Musik gehört zu diesem Konzept aber dazu“, sagte Wilco Nijland.

Niclas Hildebrand, Sportdirektor der Beachsparte im DVV, gibt zu bedenken, dass „der Termin nach Olympia und EM ungünstig gewählt war. Viele Teams waren physisch und psychisch kaputt, was zum Beispiel zur kurzfristigen Absage der Olympiasieger Anders Mol und Christian Sörum aus Norwegen geführt hat“, sagte er. Zwar sei man dankbar dafür, dass unter den gegebenen Corona-Beschränkungen überhaupt ein Turnier habe stattfinden können. „Aber von 2022 an wünschen wir uns in Hamburg wieder ein Turnier im normalen Format um wichtige Punkte“, sagte er.

Wilco Nijland hat neue Ideen

Wilco Nijland hat derweil neue Ideen. Der 40-Jährige könnte sich vorstellen, in Hamburg auf einer großen Freifläche wie dem Heiligengeistfeld im Sommer eine temporäre Arena mit Steiltribünen und bis zu 2500 Plätzen zu errichten, um dort innerhalb von drei Wochen Turniere im „KotC“, 3x3-Basketball und Padeltennis (Mischung aus Tennis und Squash, die weltweit immer populärer wird) zu veranstalten.

Die Alternative wäre eine Integration des „KotC“-Formats in ein Weltserienturnier, das dann in komprimierterer Form gespielt werden könnte. „Aus Marketing-Gesichtspunkten wäre eine solche Mischung sehr interessant“, sagte Klemperer, „wir sind auch offen für Kooperationen mit anderen Sportarten.“

Immerhin gibt es Bestrebungen, bei den Sommerspielen 2024 in Paris das gemeinsame Format zu testen. Allerdings bezweifeln manche Experten, dass sich viele Weltklasseathleten die Doppelbelastung antun würden. Klemperer, früher selbst Weltklasse-Beacher, hält das dagegen für sehr wohl denkbar. „Man sollte es auf jeden Fall versuchen“, sagt er.

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