Galopp

„Es gibt nichts Schöneres als das Deutsche Derby“

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Kay Knütter (49) ist Senior Operations Manager bei pferdewetten.de

Kay Knütter (49) ist Senior Operations Manager bei pferdewetten.de

Foto: Privat

Kay Knütter arbeitet seit 25 Jahren im Wettgeschäft. Ein Gespräch über die Liebe zum Galopprennsport – mit einem sicheren Tipp.

Hamburg.  Für die deutschen Buchmacher ist es der Höhepunkt der Galopper-Saison: das Deutsche Derby auf der Rennbahn in Horn, das an diesem Mittwoch beginnt.

Hamburger Abendblatt: Herr Knütter, wie und warum wird man Buchmacher?

Kay Knütter: Ich habe Chemie, Mathematik und Physik studiert, die Versuche gingen meistens bis 18 Uhr, sodass ich einen Job brauchte, der spät begann. Da mein Opa Pferdebesitzer war und ich schon selber gewettet habe, bin ich im Wettbüro an der Kasse gelandet. Inzwischen bin ich seit 25 Jahren dabei, sitze im Management bei pferdewetten.de und freue mich jeden Tag auf die Arbeit.

Was fasziniert Sie so daran?

Knütter: Man hat unglaublich viel Abwechslung. Jedes Rennen ist anders, jedes Land hat seine eigenen Gesetze. Von März bis November reiht sich für mich Highlight an Highlight.

Welches sind die wichtigsten Rennen?

Knütter: Für uns ist das Deutsche Derby der Höhepunkt, es ist das größte deutsche Rennen für Vollblüter, es gibt einfach nichts Schöneres. Dieses Jahr schauen leider nur 1000 Menschen zu, aber sonst ist die Rennbahn ja proppevoll. Und natürlich Anfang Oktober der Prix de l’Arc de Triomphe in Paris, das größte Rennen der Welt bei den Stehern …

… also Pferde, die über eine Distanz von mindestens 2000 Metern gehen ...

Knütter: Ja, genau. Das Rennen in Horn geht über 2400 Meter, das St. Leger in Dortmund sogar über 2800 Meter, was für die Pferde konditionell maximal anstrengend ist. Aber darauf ist ja auch die Zucht ausgelegt, es ist der Grund, warum es diesen Sport überhaupt gibt – um die besten Pferde für die Zucht zu finden.

Wer verdient eigentlich am Rennsport? Die Züchter, die Besitzer? Die Jockeys?

Knütter: Mit Sicherheit nicht die Jockeys. Die bekommen fünf Prozent der Siegprämie, was nur dann interessant ist, wenn man tatsächlich gewinnt. Viele haben eine Festanstellung bei den Trainern.

Also eher die Besitzer und Züchter?

Knütter: Ein Rennpferd zu halten kostet rund 24.000 Euro im Jahr, das muss das Tier erst mal erlaufen. Normale Rennpferde laufen alle drei bis vier Wochen ein Rennen, im Jahr insgesamt circa zehn. Um die laufenden Kosten reinzubekommen, muss das Pferd mindestens zwei Rennen im Jahr gewinnen, das schaffen nur die wirklich guten Pferde. Für viele ist es ein Hobby, in Deutschland sind viele Adelige oder auch Bankiers darunter.

Wie viel kostet denn ein Rennpferd?

Knütter: So ein richtig guter Galopper kann bis zu 20 Millionen Euro kosten, und trotzdem bleibt auch das ein Glücksspiel. Die Stute Danedream wurde für 9600 Euro, also für’n Appel und ’n Ei, verkauft – und gewann 2011 den Arc, Preisgeld: 2.285.600 Euro. Dann wiederum gab es mal ein Rennpferd, Green Monkey, der wurde für 16 Millionen Euro verkauft und hat vielleicht ein Rennen bestritten.

Ah, verstehe. Glück muss man sich leisten können.

Knütter: Genau. Dubais Herrscher pumpt zum Beispiel Milliarden in den Pferderennsport, in Meydan hat er die teuerste Rennanlage der Welt errichtet.

Ein Eldorado der Wetter sozusagen.

Knütter: Nein, Glücksspiele sind in muslimischen Ländern verboten. Offiziell zumindest.

Aber bei Ihnen wäre es möglich?

Knütter: Ja. Wir bieten Wetten aus rund 50 Ländern an, in Frankreich, England oder Australien sind Galopprennen Nationalsport. Auch zum Deutschen Derby kann man bei uns Wetten abschließen.

Dann liegt die letzte Frage ja auf der Hand: Auf welches Pferd setzen Sie am Sonntag?

Knütter: Alter Adler hat die meiste Klasse im Feld und steht die 2400 Meter gut durch. Ansonsten ist es von der Besetzung her nicht das stärkste Derby, viele hochgehandelte Pferde haben abgesagt, aus Gesundheitsgründen. Ist wie der FC Bayern mit Manuel Neuer im Tor und der zweiten Garde auf dem Feld. Wenn es doch noch schüttet in Hamburg, würde ich ‘nen Euro auf Virginia Storm setzen.

Die Rennen am Mittwoch: Rennen 1 „Uwe-Stoltefuß-Rennen“, 1.400 Meter, Geldpreise 6000 €, Start: 17.15 Uhr. Rennen 2 „Die Eventgestalter Cup“, 2200 Meter, 4000 €, Start: 17:45 Uhr. Rennen 3 „Around.Ventures“, 2000 Meter, 6150 €, Start: 18:45 Uhr. Rennen 4 „Lion-Software-Race“, 1400 Meter, 6000 €, Start: 19.15 Uhr. Rennen 5 „Langer Hamburger“, 3200 Meter, 15.000 €, Start: 19:45 Uhr, Rennen 5 „Hein Bollow Memorial“, 1600 Meter, 10.000 €, Start: 20.15 Uhr.

Einen Livestream der Rennen gibt es unter galopp-hamburg.de/livestream-derby-meeting

( myd )

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