Projekt von TV-„Coach“ Esume

Hamburg soll Football-Team in neuer Europaliga bekommen

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Björn Jensen
Die Hamburg Sea Devils spielten von 2005 bis 2007 in der NFL Europa, wie sie zuletzt hieß. Jetzt soll die Stadt Sitz und Standort der neuen European League of Football (EFL) werden.

Die Hamburg Sea Devils spielten von 2005 bis 2007 in der NFL Europa, wie sie zuletzt hieß. Jetzt soll die Stadt Sitz und Standort der neuen European League of Football (EFL) werden.

Foto: Tay Duc Lam / WITTERS

Die ELF soll 2021 starten. Die Hansestadt ist als Hauptsitz und Standort vorgesehen. Spielt das Team beim HSV oder beim FC St. Pauli?

Hamburg. Gut 13 Jahre ist es her, dass die Vision eines europäischen Ablegers der American-Football-Topliga NFL mit einem großen Knall zerplatzte. Letzter Champion der NFL Europa waren 2007 die Hamburg Sea Devils, ehe der Spielbetrieb so überraschend wie überstürzt eingestellt wurde.

Doch nun gibt es Pläne, von Juni 2021 an eine neue kontinentale Football-Liga auf die Beine zu stellen. Und Hamburg spielt in diesen Plänen eine entscheidende Rolle. Nicht nur, dass die European League of Football (ELF) hier ihren Hauptsitz haben wird. Auch ein schlagkräftiges neues Team soll an die Erfolge der Sea Devils anknüpfen.

Hamburger Esume trieb ELF voran

Der Mann, der seit vier Jahren an der Umsetzung dieser Idee arbeitet, ist Patrick Esume. Der 46-Jährige, der als Spieler (1996 mit den Hamburg Blue Devils) und Headcoach (2010 mit den Kiel Baltic Hurricanes) den deutschen Meistertitel (German Bowl) gewann, hat sich als Moderator und Gesicht der preisgekrönten TV-Sendung „ran NFL“ auf ProSieben den Ruf erarbeitet, Deutschlands anerkanntester American-Football-Experte zu sein. Mit den sonntäglichen Liveübertragungen aus den USA erreicht „ran NFL“ regelmäßig ein Millionenpublikum und hat den US-Nationalsport hierzulande hinter Fußball und Formel 1 als quotenträchtigstes Livesportformat etabliert.

Umso frustrierter ist der gebürtige Hamburger, dass die nationale Liga German Football League (GFL), in der mit den Elmshorn Fighting Pirates ein Team aus dem Hamburger Umland spielt und in deren Unterbau GFL 2 die Hamburg Huskies aktiv sind, von dem Hype nicht profitiert.

ELF soll Amateurfootball in Deutschland fördern

„Der Status des Amateurfootballs in Deutschland ist erschreckend und wird dem Sport und seiner Fanbasis einfach nicht gerecht“, sagt Esume, der zuletzt zum Coaching-Staff der Elmshorner zählte und sich deshalb auch nach seinem Rückzug als Cheftrainer in Kiel 2014 weiterhin intensiv mit der GFL beschäftigt.

Mit dem für den GFL-Spielbetrieb zuständigen American Football Verband Deutschland (AFVD) und dessen intern sehr umstrittenem Präsidenten Robert Huber (50) liegt Esume seit Jahren im Clinch. Und so reifte spätestens nach der Komplettabsage der GFL-Saison 2020 die Entscheidung, eine vom Verband unabhängige Liga zu gründen, um dem Football in Deutschland und seinen Protagonisten eine angemessene Plattform bieten zu können. Diese wird Esume als Commissioner (Sportdirektor) führen.

Hamburg einer von sechs deutschen Standorten

Sicher ist, dass in der ELF zunächst sechs deutsche Mannschaften an den Standorten Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart, Hannover/Hildesheim, Ingolstadt und Hamburg sowie mit den Wroclaw Panthers ein polnisches Team an den Start gehen. Verhandlungen mit einem siebten deutschen Standort laufen, zum Start soll die Liga acht Teams umfassen.

Mittelfristig sind europaweit bis zu 20 Teams aus zehn verschiedenen Ländern angepeilt. „Aber Deutschland ist die Basis. Wir wissen in Hamburg aus den besten Zeiten der Blue und Sea Devils, deren Heimspiele manchmal mehr als 30.000 Fans besuchten, dass das Interesse auch an Football abseits der NFL groß ist“, sagt Esume.

Hamburger Team könnte beim HSV oder beim FC St. Pauli spielen

Die meisten deutschen Teams, so auch das in Hamburg, rekrutieren sich nicht aus bestehenden GFL-Clubs, da die ELF explizit nicht dem Amateursport schaden möchte, sondern sind ausgegliederte Kapitalgesellschaften, die einen Franchisevertrag mit der neuen Liga schließen.

Wer in Hamburg Franchisenehmer wird, steht noch nicht fest, Verhandlungen laufen in mehrere Richtungen. Wo das Team seine Heimspiele austragen wird, ist ebenfalls noch unklar. Gespräche mit dem HSV, bei dem Esume vergangene Saison im Trainerteam hospitiert hatte, und dem FC St. Pauli sollen folgen.

Gespielt werden soll von Juni bis September. Um einheimischen Spielern eine Plattform zu geben, ist die Zahl der US-Importspieler auf zwei beschränkt. Esume hat Gespräche mit der NFL geführt, die sich einen Austausch im Bereich des Trainer- und Schiedsrichterwesens gut vorstellen kann. Gespielt wird in der ELF nach NFL-Regeln.

TV-Partner und Investor sind bereits gefunden

Der Clou ist jedoch, dass ein TV-Partner im Boot ist, der regelmäßig Spitzenspiele im Fernsehen und komplette Spieltage im Livestream übertragen will. Welcher Sender es ist, soll zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden. Als Gesellschafter und Investor konnte Esume Zeljko Karajica gewinnen. Der 49-Jährige verantwortete lange die US-Sportbusiness-Unit 7Sports bei ProSieben Sat.1, holte Football zu der Münchner Sendergruppe und steigt mit seiner Sports & Entertainment Holding GmbH (SEH) ein.

„Wir sind überzeugt, dass die Zeit reif ist für eine solche Topliga. Wir bieten den vielen Footballfans damit in der Spielpause der NFL ein attraktives Produkt“, sagt Karajica, dessen Bruder Tomislav (43) in Hamburg als Großinvestor (Imvest, Elbdome, edel-optics.de Arena) bekannt und Hauptgesellschafter des Basketball-Bundesligisten Hamburg Towers ist.

Alle offenen Baustellen wollen die ELF-Macher nun in den kommenden Monaten abarbeiten. „Wichtig ist uns, dass wir uns als zusätzliche Plattform sehen und der Amateur-Spielbetrieb normal weitergeht. Sollte sich der AFVD an der Spitze anders aufstellen, kann ich mir mittelfristig auch sehr gut eine Kooperation vorstellen“, sagt Esume.

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Er selbst wolle nicht wieder als Trainer arbeiten. „Ich möchte als Commissioner meine Kontakte einbringen und helfen, ein Spitzenprodukt zu entwickeln. Mir geht es nur um eins: Den Football in Deutschland auf das Niveau zu bringen, das er verdient.“