Lockdown in Hamburg

Fitnessstudios und Bäder schließen – Vereine bangen

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Eine Frau mit Maske trainiert in einem Fitnessstudio an einer Beinpresse. Die neuen Corona-Beschränkungen treffen die Branche hart. (Symbolbild)

Eine Frau mit Maske trainiert in einem Fitnessstudio an einer Beinpresse. Die neuen Corona-Beschränkungen treffen die Branche hart. (Symbolbild)

Foto: Marius Becker / dpa

Trainingsbetrieb auf allen Anlagen untersagt. Nur Joggen und Fahrradfahren noch möglich. Vereine bauen auf Unterstützung.

Hamburg. Sorgenvoll und mahnend verkündete Angela Merkel (CDU) am späten Mittwochnachmittag die drastischen Corona-Beschränkungen, die den Sport bundesweit in eine tiefe November-Depression stürzt. Während Profis sich weiter messen und trainieren können – wenn auch ohne Zuschauer, kommt es im Amateur- und Breitensport mindestens vier Wochen lang zum Stillstand.

Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder sollen von Montag an geschlossen werden, der Trainingsbetrieb auf allen Anlagen untersagt werden. Einzig Individualsport, Joggen und Fahrradfahren, wird noch möglich sein.

Unterschiedliche Vorgaben in den einzelnen Bundesländern und damit einen Flickenteppich wie im April und Mai soll es dieses Mal nicht geben. „Die Entscheidungen gelten bundesweit“, betonte Kanzlerin Merkel. Der Hamburger Senat kündigte an, alle Maßnahmen mitzutragen und in einer neuen Corona-Schutzverordnung umzusetzen. Für den morgigen Freitag ist eine Sondersitzung des Senats anberaumt.

"Lockdown schwarze Stunde für den Hamburger Sport"

„Der erneute sportliche Lockdown ist eine schwarze Stunde für den Hamburger Sport und die größte Bewährungsprobe der letzten 75 Jahre. Die jetzige Entscheidung trifft uns bis in Mark“, hieß es in einer von Präsident Jürgen Mantell und dem Vorstandsvorsitzenden Ralph Lehnert unterschriebenen Stellungnahme des Hamburger Sportbundes (HSB). Im Frühjahr hatte der Sport 51 Tage lang komplett geruht.

Gastro, Sport, Theater: Corona-Lockdown light für Hamburg

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Bis zum Sommer waren rund 50.000 Austritte und Kündigungen bei Vereinen und Fitnessstudios verzeichnet worden, denen erneut zusätzliche Einnahmen aus den Kursangeboten wegfallen. „Bleiben Sie an Bord, bleiben Sie Mitglied! Das ist für das Überleben der Vereine das Wichtigste“, lautete am Mittwoch der Appell des HSB. Nach erstem Bekunden der Kanzlerin sollen auch Vereine an dem vom Bund angekündigten, bis zu zehn Milliarden Euro schweren Hilfspaket, das bis zu 75 Prozent der Umsatzeinbußen im November ausgleicht, beteiligt werden.

HSVH spielt schon am Sonnabend ohne Zuschauer

Der Profisport im Basketball, Handball, Eishockey und Volleyball darf zwar weitergehen, bei den angeordneten Geisterspielen zahlen die Clubs allerdings drauf. Als Erste in Hamburg reagierten die Handballmänner des HSV Hamburg. Das für Sonnabend (18 Uhr) in der Sporthalle Hamburg angesetzte Zweitliga-Heimspiel gegen Hamm-Westfalen werde in Abstimmung mit der Innenbehörde und dem Bezirksamt Nord ohne Zuschauer ausgetragen, hieß es.

Tschentschers dramatischer Corona-Appell an die Hamburger:

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„Wir müssen im Sinne des Gesundheitsschutzes und der von Montag an kommenden Beschränkungen verantwortlich handeln“, begründete HSVH-Geschäftsführer Sebastian Frecke den empfohlenen Verzicht auf bis zu 650 Fans in der Halle. Dies ändere jedoch nichts daran, dass „wir von unserem aufwendigen Schutz- und Hygienekonzept überzeugt sind und es sich als wirksam erwiesen hat“. Der Spielbetrieb soll „bis mindestens Weihnachten“ fortgesetzt werden, kündigte Ligachef Frank Bohmann an. Die im November zu erbringende Nachlizenzierung der Vereine dient dem Ligaverband HBL auch dazu, der Politik die finanziellen Nöte der Clubs zu offenbaren.

Sorge bei den Towers

Auch in der Geschäftsstelle der Hamburg Towers verfolgte man die Entwicklungen mit Sorge. Fakt ist: Die Basketball-Bundesliga (BBL) hält definitiv an einem Saisonstart am 6. November fest. „In den vergangenen Wochen haben wir viel Zeit und Geld in die Anpassung unseres Hygienekonzepts investiert“, sagte Towers-Geschäftsführer Jan Fischer, der bei aller Enttäuschung auch Verständnis für die Maßnahmen zeigte. Am 8. November starten die Wilhelmsburger in der edel-optics.de-Arena gegen Bamberg in die Saison. Finanziell können die Towers kurzfristig ohne Zuschauereinnahmen überleben. „Das ist wirtschaftlich darstellbar. Ein wesentlicher Baustein ist die Ticketing-Förderung des Bundes“, erklärte Fischer.

Die Anträge für dieses zuvor mit insgesamt 200 Millionen Euro aufgelegte Hilfspaket müssen bis Sonnabend eingereicht werden. „Sollten wir auch zu Beginn des neuen Jahres keine Zuschauer in die Hallen bekommen, ist eine Verlängerung der staatlichen Förderung, die bis zum Jahresende gilt, notwendig“, fordert Fischer.

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Bei den Eishockey-Oberligamännern der Crocodiles Hamburg sieht Geschäftsführer Sven Gösch den Liga­beginn am 6. November ebenfalls noch nicht in Gefahr, sollten die Hilfsgelder gezahlt werden. Vier Geisterheimspiele haben die Farmsener, die bereits am Freitag im Test gegen Hannover Indian auf Fans verzichten, bis zum 30. November zu absolvieren.

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