Challengerturnier in Hamburg

"Veranstaltungen wie diese sind für uns überlebenswichtig"

Der Ranglisten-105. Kamil Majchrzak ist in Hamburg topgesetzt

Der Ranglisten-105. Kamil Majchrzak ist in Hamburg topgesetzt

Foto: imago images/Claudio Gärtner

Drei ausländische Tennisprofis, die in dieser Woche beim Challengerturnier in Hamburg starten, sprechen über Corona-Auswirkungen.

Hamburg. Vielleicht war es die Anwesenheit von Daviscup-Teamchef Michael Kohlmann, die sie beflügelte. Jedenfalls spielten sich zwei der drei deutschen Tennisprofis, die am Montag zum Auftakt des Challengerturniers der Herrentennisorganisation ATP im Hamburger Verbandszentrum in Horn im Einsatz waren, in beeindruckender Manier ins Achtelfinale. Yannick Maden (30/Stuttgart) fertigte den Belgier Kimmer Coppejans (26) 6:0, 6:1 ab. Maximilian Marterer (25/Nürnberg) bezwang Maxime Cressy (23/USA) 6:4, 6:4. Einzig Dustin Brown (35/Winsen an der Aller) schied gegen den Österreicher Sebastian Ofner (24) mit 6:7 (6:8), 2:6 aus.

Weiterhin im Rennen um 80 Weltranglistenpunkte und 6190 Euro Preisgeld für den Sieger zu sein – insgesamt ist das Event mit 44.820 Euro dotiert –, das ist für Profis, die vorrangig auf dem Turnierlevel unterhalb der ATP-Tour aktiv sind, überlebenswichtig. Wie herausfordernd die vergangenen Monate waren und wie schwierig die Turnierplanung angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen und der damit verbundenen Reiserestriktionen geworden ist, davon können besonders die internationalen Teilnehmer der Hauptfelder (Einzel und Doppel jeweils 32 Spieler) berichten.

"Ich bin froh über jede Chance, spielen zu können"

„Vor allem der in jedem Land unterschiedlich gehandhabte Umgang mit der Pandemie erschwert das Planen“, sagt Kamil Majchrzak. Der polnische Davis­cupspieler, in Hamburg topgesetzt, besiegte am Montag in Runde eins den Italiener Roberto Marcora (31) 6:3, 6:3. Der 24-Jährige war mit dem Auto aus Lodz, wo er lebt, angereist. In Hamburg wird allen Turnierteilnehmern ein Hotel gestellt, die Übernachtungen werden bezahlt, so lange der Spieler im Turnier ist.

Corona in Hamburg, Deutschland und weltweit – die interaktive Karte

Informationen über notwendige Corona-Tests und die Sicherheitsmaßnahmen vor Ort erhielten er und die anderen Teilnehmer von der Turnierdirektion um Mirco Westphal. „Die Organisatoren machen alle einen guten Job und versuchen, uns bestmöglich zu helfen“, sagt Majchrzak, der in den vergangenen Monaten nur in Europa spielte.

Das gilt auch für Jamie Cerretani. Der US-Doppelspezialist, der 2019 in Hamburg an der Seite von Cressy den Titel holte und in diesem Jahr mit Brown antritt, hat die Zeit nach dem Lockdown vorrangig in Europa verbracht, wo er bei Freunden in Italien, England oder Deutschland unterkam, wenn er nicht auf Turnieren unterwegs war. „Es ist der beste Platz für Tennisspieler, denn hier gibt es viele Turniere und einen hohen Organisationsstandard“, sagt der 39-Jährige. Auch Cerretani ist mit der Arbeit der ATP und der Turnierveranstalter sehr zufrieden. „Wenn wir keine Turniere spielen könnten, wären wir arbeitslos und ohne Einkommen. Deshalb bin ich froh über jede Chance, spielen zu können, und nehme jede Einschränkung hin, die dafür notwendig ist“, sagt er.

" Wir müssen das Beste daraus machen und hoffen, dass es bald wieder anders wird"

Allerdings dürfe man die Augen nicht davor verschließen, dass Spieler auf seinem Level schon vor der Pandemie oft draufzahlten, um die Reisen zu Turnieren zu finanzieren. „Corona hat zusätzliches Licht auf die Probleme geworfen, die wir im Profitennis haben“, sagt er. Eine gerechtere Verteilung der Preisgelder, vor allem eine bessere Bezahlung in den ersten Runden, die in Spieler- und Veranstalterkreisen längst diskutiert wird, müsse dringend kommen, sagt er.

„Das System kann nicht funktionieren, wenn es zu viele gibt, die von ihrem Sport nicht leben können.“ Dass die ATP, anders als bei Turnieren auf der normalen Tour, das Preisgeld für Challengerturniere nicht reduziert hat, wertet er als sehr wichtiges Zeichen.

Das sieht auch Botic van de Zandschulp (25) so. Der Niederländer, in Hamburg Titelverteidiger, sagt: „Die ATP hat unsere Probleme erkannt und versucht zu helfen, wo es geht.“ Natürlich sei das Leben in der Blase, also zwischen Hotel und Anlage, ebenso wenig erstrebenswert wie Tennis ohne Zuschauer. „Aber niemand trägt Schuld an der Pandemie, deshalb bin ich froh, wenn wir weiter Matchpraxis und Punkte sammeln können. Wir müssen das Beste daraus machen und hoffen, dass es bald wieder anders wird“, sagt er.

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