Bittere US-Open-Niederlage

„Wie Folter“ – das meint die Presse zu Zverevs Trauma-Finale

Dominic Thiem (l.) schnappte seinem guten Freund Alexander Zverev im Finale der US Open den fast sicher geglaubten ersten Grand-Slam-Titel noch weg.

Dominic Thiem (l.) schnappte seinem guten Freund Alexander Zverev im Finale der US Open den fast sicher geglaubten ersten Grand-Slam-Titel noch weg.

Foto: Frank Franklin II / dpa

Der Hamburger verspielt den ersten Grand-Slam-Titel auf dramatische Weise. Die internationalen Medien würdigen auch Sieger Thiem.

New York. Im Finale der US Open hatte Alexander Zverev den ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere schon vor Augen – und erlebte dann seine bitterste Niederlage. So reagierten die internationalen Medien auf das dramatische Finale und den Sieg des Österreichers Dominic Thiem.

„Kronen-Zeitung“ (Österreich): „Dominic Thiem hat in einem an Dramatik nicht zu überbietenden Finale österreichische Sportgeschichte geschrieben. Der 13. September 2020 (Ortszeit) wird für den 27-jährigen Niederösterreicher für immer ein Feiertag bleiben.“

„Kurier“ (Österreich): „Erfolg und Misserfolg sind der Unterschied zwischen Traum und Realität. Bei Dominic Thiem liegt nichts mehr dazwischen, der Niederösterreicher erfüllte sich einen Lebenstraum. Als zweiter Österreicher nach Thomas Muster, der 1995 in Paris triumphiert hatte, holte sich Österreichs Superstar einen Grand-Slam-Titel. Wie der Steirer im Alter von 27 Jahren.“

„L'Equipe“ (Frankreich): „Dream Thiem. Am Ende der 4:02 Stunden eines ungleichmäßigen, oft mittelmäßigen und in der letzten halben Stunde total verrückten Kampfes gewann der Österreicher den Grand-Slam-Titel, um den er bereits seit zweieinhalb Jahren kreise.“

„Le Figaro“ (Frankreich): „Thiem, der in der Schule des rauen Günter Bresnik, eines deutschen Trainers, der vor allem den Aufstieg von Boris Becker gemanagt hat, geformt wurde, pflegt den Sinn für Anstrengung und hat sich unter der Anleitung seines Mentors den Ruf eines Workaholics erworben. Die Legende besagt, dass der Wiener im Jahr 2012, um seine Belastbarkeit zu testen, Holzstämme auf dem Rücken trug, voll bekleidet Flüsse durchquerte und nach Mitternacht durch den Wald rannte.“

„Mundo Deportivo“ (Spanien): „Dominic Thiem, neuer Champion nach einer epischen Aufholjagd gegen Zverev.“

Nach Finalniederlage: Alexander Zverev kämpft mit den Tränen

„Marca“ (Spanien): „Thiem ist das erste neue Gesicht, das in einem Grand-Slam-Turnier gekrönt wird, seit Marin Cilic dies auch auf den Plätzen von Flushing Meadows vor sechs Jahren schaffte.“

„Daily Mail“ (Großbritannien): „Ein dramatischer Tiebreak im fünften Satz läutete das Ende der sechsjährigen Wartezeit ein, nach der die Männer-Tenniswelt endlich einen neuen Grand-Slam-Champion hatte.“

„Telegraph“ (Großbritannien): „Es war das beste und das schlechteste Finale. Niemand wird das Kabinettstück vom Sonntagabend im Rückblick als Höhepunkt glitzernden Tennis zurückblicken. Aber das menschliche Drama (...) war unvergesslich.“

„BBC Sport“ (Großbritannien): „Wie Thiem wollte auch Zverev sein viel gelobtes Potenzial mit dem Gewinn eines ersten Grand-Slam-Titels ausschöpfen. Dem 23-Jährige gelang ein selbstbewusster Start in sein erstes großes Finale, als er in zwei Sätzen in Führung ging, aber einige seiner Schwächen - insbesondere die Tendenz, unter Druck Doppelfehler zu machen - tauchten auf.“

„The Times“ (Großbritannien): „Ein seltsames US Open kam gestern Abend hinter verschlossenen Türen passenderweise zu einem seltsamen Ergebnis, als ein hinkender Dominic Thiem der erste Spieler wurde, der sich in einem New Yorker Finale erfolgreich von zwei verlorenen Sätzen erholte.“

„Tagesanzeiger“ (Schweiz): „Dominic Thiem, der Meister des Leidens.“

„La Gazzetta dello Sport“ (Italien): „Am Ende ist es der Österreicher Dominic Thiem, der zwei Sätze aufholt und den Deutschen Alexander Zverev besiegt. Ein Match, das den Spieler mit mehr Mut und Kaltblütigkeit belohnt. Zu groß war die Angst für beide, zu gewinnen, wie auch die Angst, zu verlieren, die die Partie gelähmt hat. Zverev, der streckenweise sein bislang bestes Tennis gespielt hat, muss sich vorwerfen lassen, mit zwei Sätzen geführt und beim 5:3 im fünften Satz die Chance darauf gehabt zu haben, die Partie zu beenden.“

„Corriere dello Sport“ (Italien): „Ohne Djokovic, Nadal und Federer gab es am Ende ein erstes Mal. Der 150. Sieger in der Geschichte der Grand-Slam-Turniere ist der Österreicher Dominic Thiem, der den Deutschen (und seinen Freund) Alexander Zverev in fünf Sätzen besiegt hat. Es ist das erste Mal, dass ein Spieler das Finale der US Open gewinnt, der mit zwei Sätzen hinten lag.“

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„Gazeta Wyborcza“ (Polen): „Die Besetzung des Finales war kein Zufall. Thiem wurde seit Jahren als Nachfolger von Nadal in der Rolle des dominierenden Spielers auf Sandplätzen gehandelt. Dank der Zusammenarbeit mit dem früheren Olympiasieger Nicolas Massu hat er sich auch auf schnellen Böden entscheidend entwickelt. Zverev begeistert seit mehreren Saisons mit seiner außergewöhnlichen Begabung. Aber bei Slams hat er regelmäßig enttäuscht.“

„New York Times“ (USA): „Mit anzuschauen, wie ein Top-Spieler kurz vor dem Grand-Slam-Sieg steht und dann eine Zweisatz-Führung verliert, ist, als ob man Zeuge einer grausamen Form psychologischer Folter wird. Im weiteren Verlauf des Spiels gab es frühe Hinweise darauf, dass Thiem lebendig werden und Zverev verbrennen würde.“

„Washington Post“ (USA): „Sie spielten den ganzen Weg, bis es so aussah, als würden sie im Schlamm spielen. Sie spielten, bis ihre Beine weich wurden und ihre Aufschläge kaputt gingen und ihr Gehirn taub wurde. Sie spielten bis zur letzten Stufe, die sie spielen konnten: ein Tiebreak im fünften Satz.“