Hockey

Hockey in Hamburg: Mit guten Konzepten in den Spielbetrieb

Jubeln mit Abstand: Lena Micheel (2. v. r.) nach ihrem 2:0.

Jubeln mit Abstand: Lena Micheel (2. v. r.) nach ihrem 2:0.

Foto: LeonieHorky / WITTERS

In den Feldhockey-Bundesligen darf wieder um Punkte gekämpft werden. Ein Ortsbesuch beim Uhlenhorster HC.

Hamburg. In der Hockeyszene kursiert unter Freunden des Galgenhumors ein Scherz, der in Corona-Zeiten einen ernsten Hintergrund bekommen hat. Zuschauerausschlüsse, heißt es da, würden die Aktiven in der Feldbundesliga kaum treffen, weil sie es auch an virusfreien Tagen gewohnt seien, vor überschaubarem Publikum zu spielen. Insofern waren die 146 Gäste, die am Sonnabendmittag auf der Anlage des Uhlenhorster HC am Wesselblek zum Damen-Stadtderby gegen den Harvestehuder THC zugelassen waren, bei dem in Hamburg der erste Anpfiff für die wegen der Pandemie bis ins Frühjahr 2021 ausgedehnte Spielzeit 2019/20 ertönte, keine allzu große Einschränkung.

14 Seiten umfasst das Hygienekonzept, das der Deutsche Hockey-Bund in Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund an seine Vereine herausgegeben hat. Dieses musste jeder Club unter Berücksichtigung seiner lokalen Begebenheiten individualisieren. Für die Umsetzung war ein Hygienebeauftragter zu benennen, der beim UHC Clubpräsident Horst Müller-Wieland ist. Dessen Begründung für die ehrenamtliche Ämterhäufung ist einleuchtend: „Bevor ich das Ganze jemand anderem erkläre, mache ich es lieber gleich selbst.“

Coronakonformes Spiel

Die weitläufige Anlage in Hummelsbüttel ist bei Heimspielen nun in zwei Zonen eingeteilt. Zone 1 umfasst den Sportbetriebsbereich, also Spielfeld, Mannschaftsbänke und Umkleiden, in dem die Corona-Regeln nicht gelten. Alle Aktiven müssen die bekannten Corona-Fragebögen ausfüllen, Tests dagegen sind für Spielerinnen und Spieler nicht vorgeschrieben, weil sie im Amateursport schlicht nicht finanzierbar sind. 54 Personen sind in Hamburg in Zone 1 zugelassen, was bedeutet, dass auch die Gästeteams beim UHC duschen dürfen. Diese Zahl differiert zwischen den Bundesländern teils erheblich.

Zone 2 ist die Besucherzone, vom Sportbetriebsbereich mit einem Bauzaun abgegrenzt. Es gibt ein Zuwegesystem, im Kassenbereich herrscht Maskenpflicht, Tickets gab es nur per Registration im Internet, um die Nachverfolgung zu gewährleisten und niemanden an der Kasse abweisen zu müssen. Kombiniert dürfen 200 Personen in den Zonen 1 und 2 anwesend sein. „Wir tun alles, um uns an die Regeln zu halten, aber gleichzeitig unsere Zuschauer nicht zu sehr mit Vorschriften zu belasten“, sagte Horst Müller-Wieland.

Wie ein normales Hockeyspiel

Die gute Nachricht, wenigstens am Sonnabendmittag: Das Konzept griff, alles fühlte sich an wie ein normales Hockeyspiel. Und daran trugen beide Mannschaften den Hauptanteil, die in einem rasant und körperlich geführten Stadtduell ebenso nachwiesen, dass sie die mit dem Lockdown Mitte März begonnene, längste Vorbereitung der Geschichte fürs Erarbeiten guter Spielkonzepte genutzt haben. 3:1 siegte der UHC, weil er im Ausnutzen seiner Torchancen effektiver war und in Lena Micheel eine zweifache Torschützin hatte, die den Unterschied machte. „Es war sehr emotional heute. Ich spüre pure Freude, und das nicht nur, weil wir gewonnen haben. Im Spiel denkt man überhaupt nicht an Corona. Wir sind alle einfach nur glücklich, dass wir wieder spielen dürfen“, sagte die Nationalstürmerin.

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UHC-Cheftrainer Claas Henkel und dessen HTHC-Kollege Christian Blunck waren von der Intensität und Qualität der gezeigten Leistungen ebenfalls sehr angetan. „Es war ein starkes Spiel beider Mannschaften, das wir nicht verlieren müssen“, sagte Blunck. Henkel sah sein Team zwar als verdienten Sieger, aber auch noch einiges, was optimiert werden müsse. „Automatismen und Wettkampfhärte fehlen, aber das kommt mit der Spielpraxis“, sagte er. Und diese Spielpraxis gibt es nur mit schlüssigem Hygienekonzept. Insofern gab es einige Gewinner am Sonnabend.