Golf

Miriam Emmert auf den Spuren des großen Bruders

„Keine typische Golf-Familie“: die Geschwister Miriam (21) und Yannik Emmert (25)

„Keine typische Golf-Familie“: die Geschwister Miriam (21) und Yannik Emmert (25)

Foto: Roland Magunia

Die 21-Jährige vom Golf Club Falkenstein tritt ein Sportstipendium in den USA an. Die Erste in der Familie ist sie damit aber nicht.

Hamburg. Später, als Miriam schon los ist zum Training, sagt Yannik Emmert nachdenklich: „Ich hätte nicht gedacht, dass sie tatsächlich fliegt.“ Dabei sollte der 25-Jährige seine Schwester doch gut genug kennen, ihren Ehrgeiz und die Zielstrebigkeit. Und trotzdem ...

An diesem Mittwoch wird Miriam Emmert (21) aus Buchholz in der Nordheide in einen Flieger in die USA steigen. Ein großes Abenteuer beginnt – eines, das ihr vier Jahre älterer Bruder schon hinter sich gebracht hat. Bevor er in diesem Jahr ein neues begann.

Der große Bruder als Vorbild, das ist normal – und auch bei den Geschwistern vom Hamburger Golf Club Falkenstein (HGC) so. „Meine Brüder haben angefangen Golf zu spielen, da war ich so drei, vier Jahre alt“, erzählt Miriam, „mit sieben oder acht habe ich dann auch begonnen. Und irgendwann hat es auch Spaß gemacht.“ Kein Wunder, wenn Talent und Fleiß zu Erfolgen führen.

Miriam Emmert wurde 2018 mit dem Damenteam deutsche Meisterin

„Keine typische Golf-Familie“ seien sie, erzählen die Geschwister. Die Eltern Michael und Martina haben nicht gespielt. „Bei einem Familienurlaub in Schweden sind wir mal an einer öffentlichen Golfrange vorbeigekommen, da war ich so fünf. Meine beiden älteren Brüder und ich haben es aus Spaß dann mal ausprobiert“, erzählt Yannik.

Zu Hause in Buchholz sind sie dann mal zum Golfclub ins Probetraining, „es war cool“. Yannik hat mit acht Jahren ernsthaft angefangen. Bestaunt und bewundert von der kleinen Schwester. „Unsere Eltern haben dann auch begonnen zu spielen und sich sehr engagiert für uns“, erzählt Miriam, „Mutter hat uns überall hingefahren.“ 2013 ist Yannik nach Falkenstein gewechselt, Miriam 2015, einfach weil dort die Möglichkeiten im Leistungssport größer sind. Miriam wurde 2018 mit dem Damenteam deutsche Meisterin und Europapokalsiegerin und gehörte zum „Team Hamburg“. Das geht mit dem Wechsel in die USA nicht länger. „In Buchholz fühle ich mich aber auch sehr wohl, es ist sehr familiär, und ich trainiere dort auch noch regelmäßig bei Torben Walter“, erzählt sie.

Sportstipendium an der Tulane-Universität in New Orleans

Aber nun geht es erst einmal hinaus in die weite Golf-Welt. Die Tulane-Universität in New Orleans hat der Norddeutschen ein Sportstipendium angeboten. Golf und Marketingstudium, was für eine Chance! Mittwoch geht es los. „Es ging plötzlich sehr schnell“, erzählt „Miri“. Vor zweieinhalb Wochen erst hat sie das Studentenvisum bekommen. Corona wirft eben alles durcheinander. Klargemacht hatte sie den Vertrag mit der Uni schon im November. Eigentlich sollte die Saison im Frühjahr starten. Nach der Ankunft in New Orleans muss sie 14 Tage in Quarantäne. Uni, Campus und Golfplatz, mehr ist nicht. „Ich weiß auch nicht, ob wir dieses Jahr noch richtig spielen können“, sagt sie. Aber es ist ja ausreichend Zeit. Auf vier Jahre ist so ein Studium angelegt, am 19. August beginnt das Semester.

Yannik hat seinen US-Aufenthalt im vergangenen Jahr schon erfolgreich abgeschlossen. Er ist nun ausgebildeter Sportmanager, darauf kann er aufbauen, wenn es mit der Profikarriere nicht klappen sollte. „Drei Jahre habe ich mir gegeben, vielleicht vier“, sagt er. Bis dahin will er aus der drittklassigen Pro Golf Tour aufgestiegen sein in die European Tour, die höchste Serie in Europa. Erst da kann man „richtig“ Geld verdienen.

Es ist ein Knochenjob. Das Spielen in den Tiefen des Profilebens hat nichts zu tun mit dem Image von Golf als Glamoursport, von schönen, reichen Millionären, bei Weitem nicht. 3352,86 Euro hat er in diesem Jahr auf bislang acht Turnieren verdient. „Eltern und Großeltern sind die besten Sponsoren“, sagt er.

Beide haben noch ihre Zimmer im Elternhaus in Buchholz

Er hat noch sein Zimmer im Elternhaus in Buchholz, wie Miriam auch. Caddie? Trainer dabei? Physio gar? So etwas gibt es nicht. „Wir sind auf uns allein gestellt auf der Tour“, sagt Yannik, „ich mache viel mit Nicklas Mattner aus Braunschweig zusammen, wir teilen Hotelzimmer, gehen auf Proberunden, organisieren Reisen.“ Die beiden Jung-Pros werden von der Hamburger Agentur Breeze betreut, auch das schafft Synergien. „Die Suche nach Sponsoren müssen wir noch intensivieren“, sagt Yannik Emmert, „da sollte noch mehr gehen.“

Yannik war 2017 Hamburger Meister und deutscher Vizemeister mit dem Team aus Falkenstein. 2018 gewann er am College ein Turnier in den USA, holte drei Top-drei-Platzierungen für Wichita State. Platz zwei bei einem Turnier in Marokko im März war das bislang beste Ergebnis als Pro – „und danach kam ich nicht nach Hause zurück“. Gestrandet in Casablanca. Corona, alles dicht. Auch eine Erfahrung. Der Heimweg war kompliziert und teuer. „Zu Hause haben wir im Garten gechippt, uns eine Putting-Matte gekauft und mit alten Teppichen eine Art Fangnetz gebastelt“, erzählt Miriam. Man musste ja in Schwung bleiben.

Yannik Emmert informiert sich regelmäßig über die Zustände in den USA

Bis zuletzt hat sie mit ihrer Falkensteiner Mannschaft bei Christian Lanfermann gearbeitet. Beim Finalturnier um den deutschen Mannschaftspokal vom 9. bis 11. Oktober in Hardenberg kann sie ihre Mädels nicht unterstützen. Auch Yannik kann als Profi dann nicht dabei sein. Beide spielen aber weiter für den HGC – „normalerweise passt das mit den Semesterferien gut.“ Normalerweise.

Bei seinen Kumpels und ehemaligen Kommilitonen an der Wichita State Universität informiert sich Yannik regelmäßig über die Zustände in den USA. Man hört ja wenig Gutes. Aber seine Zeit in Kansas, die war fantastisch. Vor allem, nachdem er vom zweiten Semester an mit zwei Tennisspielern und einem Stabhochspringer ein gemeinsames Haus gemietet hatte. „Ich habe mich golferisch und menschlich in dieser Zeit sehr weiterentwickelt“, sagt Yannik.

Nun folgt Miriam wieder nach. Und wenn nicht alles täuscht, wird auch sie sich „drüben“ weiterentwickeln, golferisch und menschlich.