Schwergewicht

Peter Kadiru: Nach Zwangspause den nächsten Schritt machen

Peter Kadiru (23) ist in bislang sieben Profikämpfen unbesiegt.

Peter Kadiru (23) ist in bislang sieben Profikämpfen unbesiegt.

Foto: Witters

Hamburger Boxprofi soll am Sonnabend in Magdeburg zeigen, dass er einen Kampfplan von Anfang bis Ende durchziehen kann.

Hamburg.  Existenzangst? Nein, sagt Peter Kadiru, während er die Karten mischt, die habe er zum Glück nicht ausstehen müssen. Die Börsen aus seinem ersten Jahr als Profiboxer habe er gespart und nicht verprasst. „Deshalb war ich in der Lage, die vergangenen Monate gut zu überstehen. Ich habe die Zeit mit meiner Frau und meiner Tochter genossen. Aber natürlich bin ich froh, dass es jetzt wieder losgeht“, sagt er. Boxen ist schließlich seine Leidenschaft, nicht nur sein Beruf. „Und wenn man den Beruf, den man liebt, so lange nicht ausüben darf, dann ist das schon Mist.“

Peter Kadiru, 23 Jahre alt, in Altona geborener Schwergewichtler und seit März 2019 beim Magdeburger SES-Team unter Vertrag, sitzt an diesem Morgen in der Trainingshalle des Hamburger Boxverbands am Braamkamp und soll über sein Comeback nach Corona sprechen, das ihn an diesem Sonnabend (21 Uhr/sportschau.de live) in Magdeburg mit dem in Wien lebenden Bayern Ruben Wolf (33) zusammenführt. Aber er hat mehr Lust auf eine Runde „Black Jack“. Den Pokertisch, der in der Halle neben dem Ring steht, haben Kadiru und seine Trainingskollegen ihrem Chefcoach Christian Morales zum Geburtstag geschenkt. Eigentlich soll das gute Stück bald in Morales‘ Privathaus umziehen. Aber als Ablenkung in Trainingspausen erfüllt er aktuell wichtige Dienste. Trainingspausen gab es schließlich viele in der Corona-Krise.

Harte Phase des Lockdowns

Ende März hätte der 1,94 Meter große Sohn ghanaischer Eltern seinen WBC-Junioren-WM-Titel erstmals verteidigen sollen. Die ARD hätte live aus Magdeburg übertragen, es war alles angerichtet. Das Virus zerstörte die Pläne seines Promoters Ulf Steinforth – und zwang Kadiru zur Pause. „Ich habe erst einmal eine Woche gar nichts gemacht. Niemand wusste ja, wann es wieder losgehen würde, da machte es keinen Sinn, voll durchzutrainieren“, sagt er. Als die harte Phase des Lockdowns überstanden war, konnte er mit Coach Morales individuell üben. „Nachdem wir 2019 von Kampf zu Kampf gehetzt sind, war es gut, dass Peter regenerieren und sich neu aufstellen konnte“, sagt der Trainer.

Die Eindrücke der ersten zwölf Monate als Berufsboxer, in denen er sieben Kämpfe siegreich bestritt – den bislang letzten am 18. Januar in Hamburg – mussten erst einmal verarbeitet werden. Nun, sagt Peter Kadiru, sei er bereit, den nächsten Schritt zu machen. Im Sparring haben sie daran gearbeitet, einen Kampfplan vom ersten bis zum letzten Gong durchzuziehen, ohne sich vom Kampfgeschehen zu sehr beeinflussen zu lassen. „Ich muss lernen, meine Linie zu halten und taktisch klug zu boxen“, sagt er.

Wichtiges Duell

Das auf acht Runden angesetzte Duell mit dem zehn Jahre älteren Ruben Wolf sei auf diesem Lernpfad wichtig, sagt der Trainer. Wolf, der seine Leistungssportkarriere im Eishockey begann und über Mixed Martial Arts zum Boxen kam, gilt als zäher, aggressiver Kämpfer, der den Vorwärtsgang sucht. In seinen fünf Profiboxkämpfen blieb er unbesiegt. „Es ist klar, dass ich Gegner seines Kalibers besiegen muss. Das Ziel für diesen Kampf ist, den Jab mehr zu nutzen, dominanter in der Kampfführung zu sein und Dinge auszuprobieren, die in späteren Kämpfen gegen stärkere Gegner selbstverständlich funktionieren müssen“, sagt Kadiru.

Um sich athletisch auf das nächste Level zu bringen, hat er in der Vorbereitung mit einem neuen Fitnesscoach gearbeitet, der verstärkt auf Elemente aus dem Crossfit setzt. „Das war eine neue Härte, ich musste oft an meine Grenzen und auch darüber gehen. Aber das muss man in Kämpfen auch, also ist es gut, das zu trainieren“, sagt er. Drei Runden „Black Jack“ sind geschafft, Peter Kadiru, der die Bank gespielt hat, hat gegen Morales und den Abendblatt-Redakteur alles verloren. Am Sonnabend, da ist er sich sicher, wird es anders ausgehen.

Mittelgewichtler Artur Ohanyan-Beck (22), der in Hamburg bei Christian Morales trainiert, gibt in Magdeburg sein Profidebüt gegen Miguel Aguiltar (33/Spanien). Dafür will der erfolgreiche Amateur seinen Nachnamen in Henrik ändern.