Hamburg. Der Hamburger Peter Kadiru boxt erstmals als Profi in seiner Heimat – und freut sich über besondere Unterstützung.

Über Mütter, deren Söhne Profiboxer sind, hat es schon viele Geschichten gegeben. Die Klitschko-Brüder mussten ihre Mutter nach ihren Kämpfen am besten noch aus dem Ring heraus anrufen, um ihren Sieg und – viel wichtiger noch – die körperliche Unversehrtheit zu melden. Selbst im Fernsehen traute sich Nadeshda Klitschko nicht zuzuschauen. Janet Bonsu ist da etwas weiter, die ersten sechs Profikämpfe ihres Sohnes hat sie im Internet oder im TV verfolgt. Aber wie es ist, live am Ring mitzufiebern, das wird sie erst an diesem Sonnabend herausfinden.

Um 22.30 Uhr (MDR live) tritt ihr Sohn Peter Kadiru zum ersten Mal in seiner im März 2019 aufgenommenen Profikarriere in seiner Heimatstadt Hamburg an. Auf dem Kooperations-Kampfabend seines Magdeburger Promoters SES mit dem Hamburger EC-Stall in der bereits ausverkauften edel-optics.de Arena in Wilhelmsburg bestreitet der 22 Jahre alte Schwergewichtler seinen ersten Titelkampf. Im auf acht Runden angesetzten Duell um die Junioren-WM des Weltverbands WBC geht es gegen seinen tschechischen Stallkollegen Tomas Salek (21), einen schlagstarken, aber boxerisch limitierten Mann, der die bislang höchste Hürde in Kadirus Karriere darstellt.

Kadiru: „Eine tolle Chance“

„Für mich ist das eine tolle Chance, auf so einer Bühne nach nur zehn Monaten bei den Profis bereits meinen ersten Titel gewinnen zu können“, sagt der Jugendolympiasieger von 2014. Besonderen Reiz zieht die Aufgabe vor allem aber aus dem Fakt, dass sich der in Altona aufgewachsene und bei der SV Polizei ausgebildete Sohn ghanaischer Eltern erstmals seinen Hamburger Fans präsentieren kann. „Es werden sehr viele Freunde kommen. Ich versuche, mir nicht zu viel Druck zu machen, sondern es zu genießen. Aber natürlich bin ich aufgeregt und will einen besonders guten Kampf liefern“, sagt er.

Dass er das Zeug dazu hat, davon ist Cheftrainer Christian Morales überzeugt. „Seine Entwicklung seit dem Profidebüt ist sehr zufriedenstellend. Er hat sich athletisch sehr gut entwickelt und an die veränderte Kampfdistanz im Vergleich zum Amateurboxen angepasst“, sagt er. Kadiru selbst, der mit Freundin Michelle und der gut ein Jahr alten Tochter Nila in Hamburg lebt, fühlt sich ebenfalls auf Profiniveau angekommen. „Ich habe gelernt, mir den Kampf optimal einzuteilen, bin viel ruhiger und kontrollierter in meinen Aktionen“, sagt er. Dazu trage die frühe Vaterschaft einiges bei. „Ich bin längst nicht mehr so viel unterwegs wie früher, entspanne am liebsten zu Hause. Ich weiß ja, dass ich jetzt eine ganz andere Verantwortung trage“, sagt er.

Highlight seines ersten Profijahres

Im Juni vergangenen Jahres hatte Peter Kadiru die Chance, im Vorprogramm des britischen Schwergewichtsstars Tyson Fury (31) in Las Vegas zu boxen. „Das war ganz klar das Highlight meines ersten Profijahres“, sagt er. Einmal die Luft des ganz großen Boxens zu atmen, die er irgendwann als Weltmeister dauerhaft um die Nase haben möchte, sei große Motivation gewesen für das, was kommen soll. Der erste Schritt wäre am Sonnabend der Gewinn der Junioren-WM – mit der Mama als erster Gratulantin direkt am Ring.