Horn

So lief das Geister-Galoppderby in Hamburg

"In Swoop" und Jockey Ronan Thomas laufen der Konkurrenz davon. Auf dem Gelände waren lediglich die Pferdebesitzer und Rennclubmitglieder als Zuschauer erlaubt.

"In Swoop" und Jockey Ronan Thomas laufen der Konkurrenz davon. Auf dem Gelände waren lediglich die Pferdebesitzer und Rennclubmitglieder als Zuschauer erlaubt.

Foto: Frank Sorge/imago-images

Beim 151. Deutschen Derby erhielt Jockey Ronan Thomas 390.000 Euro Preisgeld. Favorit Andrasch Starke enttäuschte.

Hamburg. Plötzlich herrschte Aufregung im Absattelring. Ronan Thomas, der gerade das 151. Deutsche Derby auf der Horner Rennbahn gewonnen hatte, fiel von seinem bockigen Pferd In Swoop. Schon vor dem Rennen hatte es sich im Führring von einer Pflegerin losgerissen. Nur mit Mühe konnte der Jockey seinen Kopf vor den Hufen schützen.

Es war ein kurzer, heftiger Schreckmoment, der so gar nicht zu der Gesamtleistung des gebürtigen Iren passte und den er bei seiner ersten Derbyteilnahme am Ende aber verschmerzen konnte. Der 147:10-Außenseiter verwies Torquator Tasso (Jack Mitchell) und Grocer Jack (Marco Casamento) auf die Plätze.

„Ich bin so froh und glücklich. Es war mein erstes Derby in Hamburg. Das Rennen war etwas zu schnell für mein Pferd, also haben wir uns die Zeit gelassen und uns auf der letzten Geraden so im Feld positioniert, dass wir als Erster die Ziellinie überqueren konnten“, freute sich der Jockey, der 390.000 Euro Preisgeld gewann. „Ich war mir nicht sicher, ob ich eine Chance habe, weil ich nicht genau wusste, was mich hier erwartet. Das Glück war mit uns“, ergänzte der strahlende Sieger.

Schreckmoment bei der Siegerehrung

Für großen Ärger sorgte eine Pferdepflegerin, als sie derart mitfieberte, dass sie völlig gedankenlos auf die Innenbahn lief und so beinahe von einem Kamera-Auto, das für spektakuläre Bilder sorgen sollte, erfasst wurde. Die Pflegerin und auch der Autofahrer kamen aber mit dem Schrecken davon.

Von all dem bekam Gebhard Apelt in der Freude nicht viel mit. Für den Geschäftsführer des Schlenderhan-Stalls war es der 19. Derbysieg und doch ein ganz besonderer. In diesem Jahr wird das 150-jährige Bestehen des Stalls gefeiert. „Vor 50 Jahren hat unser Hengst Adlerflug das Derby gewonnen“, erinnert sich Apelt und fügte an: „Wir haben praktisch den Stempel für das beste dreijährige Pferd in Deutschland.

Das ist eine Riesen-Auszeichnung. Und wir konnten uns auch in die Geschichtsbücher als Corona-Derbysieger schreiben“, sagte Apelt, der sogleich die Feierlichkeiten einläutete. „Mit Corona ist das nicht einfach, aber ich hoffe, wir kriegen hier noch ein Bier, und dann schauen wir mal, was im Hotel noch geht.“

Derby-Favorit Wonderful Moon enttäuschte

Des einen Freud war des anderen Leid. Der Stader Jockey Andrasch Starke enttäuschte mit Derby-Favorit Wonderful Moon auf ganzer Linie. Am Ende wurde der 46-Jährige im 19er-Feld lediglich Sechster. „Wir haben uns so viel vorgenommen und sind natürlich traurig. Chapeau an den Sieger. Für uns Deutsche ist es nicht so gut, dass der Sieg nach Frankreich geht, aber das beste Pferd hat gewonnen“, sagte Starke, der auf seinen achten Derbysieg in Horn warten muss. Das enttäuschende Abschneiden von Starke änderte aber nichts daran, dass die Verantwortlichen nach dem letzten Rennen ein Lächeln im Gesicht hatten.

Renntag 3: 151. Deutsches Galopp-Derby in Hamburg-Horn

Das Hygienekonzept wurde in großen Teilen sehr gut umgesetzt. Beim Einlass gab es trotz des Ausfüllens eines Gesundheitsbogens und des Fiebermessens kaum Schlangen, der An- und Abtransport der Pferde funktionierte gut, und auch im Waagegebäude hielten sich die Jockeys an Abstandsregelungen. Das konnte man vor der Tribüne und rund um den Absattelring nicht immer beobachten. „Alle Besucher waren aber sehr einsichtig“, sagte Schatzmeisterin Ilona Vollmers, die maßgeblich am Durchführungskonzept mitgearbeitet hatte.

Hygienekonzept beim Derby in Hamburg

Das Ordnungsamt und die Polizei patrouillierten am Sonnabend und Sonntag auf der Rennbahn. Verstöße wurden aber nicht registriert. „Es gab keinerlei Beschwerden. Das Ordnungsamt war mit der Veranstaltung zufrieden. Ich hoffe, dass es keine allzu wilde Party hier gibt und negative Meldungen folgen. Wir haben aber schon die Gastronomen gebeten, dass sie ab einer gewissen Zeit keine Getränke mehr ausschenken sollen“, sagte Vollmers erleichtert.

Die 70-Jährige hatte ohnehin beste Laune. Die vor der Veranstaltung kalkulierten 1,27 Millionen Euro Wettumsatz wurden an den drei Renntagen übertroffen. Nachdem am Freitag 356.510,26 Euro umgesetzt wurden, folgten am Sonnabend 514.162,13 Euro, ehe am Derby-Sonntag mit 950.469,68 Euro der Umsatz-Höhepunkt erreicht wurde. Allein im Deutschen Derby wurden 288.000 Euro Wettumsatz erzielt. Somit wurden über die gesamten drei Tage 1.821.141, 81 Millionen Euro Wettumsatz verbucht. „Die Schatzmeisterin strahlt aber so was von“, sagte Vollmers, die vor dem Derbymeeting bewusst hanseatisch-vorsichtig kalkuliert hatte.

Deutsches Derby: Die Finanzen stimmen

Wie groß der Gewinn ausfallen wird, soll nach dem „Kassensturz“, wie es Vollmers sagte, feststehen. Da doch mehr Pferdebesitzer akkreditiert wurden als zunächst erwartet, musste der Sicherheitsdienst verstärkt werden, was mit Mehrkosten verbunden war. Auch die kurzfristig aufgestellte Videowand konnte nur finanziert werden, weil für das Deutsche Derby zwei Pferde nachgemeldet wurden. „Ich will doch stark hoffen, dass wir mit einem kleinen Plus aus der Veranstaltung herausgehen“, sagte Vollmers. Im kommenden Jahr soll das 152. Deutsche Derby im Idealfall wieder mit Publikum am 4. Juli 2021 steigen.