Bundesliga

Schalke verliert 0:3 gegen Augsburg: Druck auf Wagner wächst

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Wie lange darf Schalke-Trainer David Wagner noch verlieren?

Wie lange darf Schalke-Trainer David Wagner noch verlieren?

Foto: Martin Meissner/AP-Pool/dpa

Trainer Heiko Herrlich stoppt die Pleitenserie des FC Augsburg und verschärfte die Krise von Schalke 04.

Gelsenkirchen. Heiko Herrlich setzte nach seinem Siegesschrei ein Zahnpasta-Lächeln auf, seine Mund-Nasen-Maske trug er wie eine Kapitänsbinde am Oberarm. David Wagner hingegen zog sich seinen königsblauen Stoffschutz äußerst mürrisch vors Gesicht – das 3:0 (1:0) des topmotivierten FC Augsburg bei den vollkommen schlaffen Derby-Verlierern von Schalke 04 war hervorragend an den Gesichtern der beiden Trainer abzulesen.

Für Herrlich war dieser Auswärtssieg bei seinem verspäteten Debüt eine Befreiung vom Druck und Spott nach der Einkaufsaffäre. „Ich bin total glücklich“, sagte er. „Wir feiern still, weil wir wenig Zeit haben. Aber der Turnaround ist erst mal geschafft.“ Vier Spiele hatte der FCA zuvor in Serie verloren.

Wagner wird sich hingegen unangenehmen Fragen stellen müssen: Die Schalker stehen nach dem Re-Start der Fußball-Bundesliga bei 0:7 Toren und null Punkten, sie blieben zudem erstmals seit 20 Jahren neun Spiele ohne Sieg. Die guten Leistungen der Hinrunde sind ferne Vergangenheit.

Für Schalke-Coach Wagner war die erste Hälfte in Ordnung

Umso mehr verwunderte am Sonntagnachmittag Wagners Einschätzung. „Die erste Halbzeit war in Ordnung. Es hat extremst doof begonnen. Wir hatten uns wahnsinnig viel vorgenommen“, sagte er. Das 0:1 fiel allerdings schon in der sechsten Minute durch einen tollen Freistoß von Eduard Löwen. Und danach? Kam fast nichts.

„Wir haben unsere Dominanz zu wenig genutzt, obwohl es eigentlich ein Spiel war, wie es uns entspricht“, nannte dies Wagner. Doch Torchancen gab es mit einer Ausnahme keine. Ein Aufbäumen nach dem 0:4 bei Borussia Dortmund vergangene Woche jedenfalls war nicht zu sehen.

Die Augsburger Noah Sarenren Bazee (76.) und Sergio Cordova (90.+1) nutzten in der Schlussphase die nachlässige Defensivarbeit der Gastgeber, die in der Rückrundentabelle nur 16. sind. Für die hochverschuldeten Königsblauen, die wegen der Coronakrise finanziell besonders unter Druck stehen, wird die Rückrunde vor Geisterkulisse immer gruseliger: In den erwähnten neun Spielen stehen 2:22 Tore zu Buche, die angestrebte Rückkehr in den Europapokal wird immer unwahrscheinlicher.

Schalke zunehmend verunsichert

Herrlich dagegen sah 75 Tage nach seiner Amtsübernahme einen Start nach Maß: Löwen zirkelte einen Freistoß aus 20 Metern über die Mauer. Der Schalker Weston McKennie hatte die erste Augsburger Offensivaktion eingeleitet, indem er den Ball in der eigenen Hälfte vertändelte.

Nach dem frühen Rückstand war die Verunsicherung der Schalker deutlich spürbar, die Fehlpässe im Aufbau häuften sich. Zumindest blieb den kriselnden Königsblauen ein gellendes Pfeifkonzert erspart. Für die erste Torannäherung sorgte Rabbi Matondo (28.), der nach einem Sololauf am Torhüter scheiterte.

Auch in der zweiten Hälfte fand Schalke zunächst kein Rezept gegen die Augsburger Defensive, zu ungenau waren die Pässe, zu ideenlos die Offensivbemühungen. Die Gäste waren erneut mit einem Freistoß gefährlich: Philipp Max scheiterte aber an Schubert (69.). Die Schalker wurden noch fahriger, die Gäste nutzten das dankbar aus.

Die Statistik

Schalke: Schubert - Kenny, Salif Sane, Nastasic, Oczipka - McKennie (74. Mercan), Serdar (56. Kutucu) - Caligiuri (76. Boujellab), Schöpf, - Gregoritsch, Matondo (76. Raman). - Trainer: Wagner

Augsburg: Luthe - Framberger, Jedvaj, Uduokhai, Max - Gruezo (83. Oxford), Khedira - Richter, Löwen (69. Moravek), Vargas (59. Sarenren-Bazee) - Niederlechner (83. Cordova). - Trainer: Herrlich

Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)

Tore: 0:1 Löwen (6.), 0:2 Sarenren-Bazee (76.), 0:3 Cordova (90.+1)

Zuschauer: keine

Gelbe Karten: - Vargas (8), Gruezo

Torschüsse: 12:9

Ecken: 3:2

Ballbesitz: 65:35 %