Tennis

Das neue Gesicht des Hamburger Rothenbaums

Innenarchitektin Marlene Wetzel und Rando Aust, Vorstand der Alexander-Otto-Sportstiftung, präsentieren die neuen Sitze auf dem Center Court.

Innenarchitektin Marlene Wetzel und Rando Aust, Vorstand der Alexander-Otto-Sportstiftung, präsentieren die neuen Sitze auf dem Center Court.

Foto: Witters

Die Umbauarbeiten der Anlage werden, da im Juli kein Tennisturnier stattfindet, bis in den September ausgeweitet.

Hamburg. Rando Aust ist kein Architekt, doch seine Begeisterung für die Details des größten Projekts, das die Alexander-Otto-Sportstiftung aktuell begleitet, wollte er nicht verbergen. „Mich fasziniert, wie eng die Realität an die visualisierte Vorlage heranreicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, als er am Dienstagmittag, während die Sonne durch die dichten Wolken brach und den roten Sand auf dem Center Court am Rothenbaum zum Leuchten brachte, einen Zwischenstand zum Umbau der Tennisanlage an der Hallerstraße präsentierte.

Seit Januar sind die Arbeiten, an denen unter der Leitung von Alexander Ottos ECE Projektmanagement GmbH und dem Architekturbüro Paul Schüler zehn Firmen beteiligt sind, in vollem Gange. Aktuell montieren zehn Mitarbeiter der Firma Otto Dörner die etwas mehr als 10.000 neuen Sitzschalen. 15 Minuten sind für die Montage eines ergonomisch geformten Stuhls veranschlagt, innerhalb der vergangenen sieben Tage konnte gut ein Fünftel angebracht werden. Die Farbgebung wird dominiert von Anthrazit, einzelne Sitze sind allerdings als Teil eines Farbkonzepts in unterschiedlichen Signaltönen gestaltet. Diese Farben finden sich an den jeweiligen Tribünenaufgängen wieder, um das Zuwegesystem auch visuell zu optimieren.

Neuer Boden in den Fluren und im Treppenhaus

Parallel laufen die Arbeiten auch an anderen Stellen weiter. Im Walk of Champions unter der Haupttribüne ist der neue Bodenbelag verlegt, eine Metallfassade als Unterkonstruktion für die an jener Stelle geplante, neuartige Dauerausstellung zur Geschichte der Anlage ist montiert. An der Eingangsplaza an der Hallerstraße steht ein neues Kassenhäuschen, der Bodenbelag wurde ebenfalls modernisiert. Im Eingangsbereich werden die Bereiche rund um die Bäume und Pflanztröge aktuell erneuert.

Im Spielerbereich wurden die Sanitärbereiche komplett saniert, in den Fluren und im Treppenhaus wurde neuer Boden verlegt. Dasselbe gilt für den Medienarbeitsbereich. Die öffentlichen Sanitäranlagen befinden sich noch in der Umgestaltung, auch sie wurden komplett entkernt. Die innere Membran des fahrbaren Faltdachs über dem Center Court war bereits im Juni 2019 ausgetauscht worden, im Herbst 2019 war der Austausch der äußeren Membran erfolgt.

Innenarchitektin: „Wir sind voll im Zeitplan“

Ursprünglich hätte das Stadion, das dem auf der Anlage ansässigen Club an der Alster gehört und vom Deutschen Tennis-Bund (DTB), der in der Arena seinen Hauptsitz unterhält, genutzt werden darf, am 24. Juni feierlich eröffnet und mit dem Herrentennisturnier Mitte Juli erstmals genutzt werden sollen. Dann kam Corona und wirbelte den Kalender der internationalen Tennistouren durcheinander. Bis mindestens Ende Juli ist der Spielbetrieb auf der ATP-Tour der Herren unterbrochen. Rothenbaum-Turnierdirektorin Sandra Reichel hofft weiterhin auf einen Ersatztermin im Herbst, eine Entscheidung darüber wird nicht vor Juni erwartet.

„Wir sind voll im Zeitplan, hatten weder bei unseren Lieferanten noch bei den am Umbau beteiligten Firmen irgendwelche Verzögerungen und hätten den Eröffnungstermin auf jeden Fall halten können“, sagte Marlene Wetzel, bei ECE als Innenarchitektin mit dem Projekt beauftragt. Auch das veranschlagte Budget von zehn Millionen Euro, von denen die Otto-Sportstiftung vier und die Stadt ein Fünftel trägt, wird nicht überschritten. „Im Gegenteil, ich rechne sogar damit, dass wir am Ende ein Stück darunter liegen werden“, sagte Architekt Paul Schüler.

Umfangreiches Hygiene- und Bestuhlungskonzept

Allerdings hat man sich aufgrund der Corona-Pause dazu entschieden, zusätzlich zu den geplanten Arbeiten die in Richtung Hallerstraße weisende Südfassade neu zu streichen. Das Lindgrün, das mit der Farbe der alten Sitzschalen korrespondierte, wird durch einen hellen Grauton ersetzt. „Es ergibt Sinn, diese Arbeiten, die erst für den Herbst geplant waren, nun in Angriff zu nehmen, da jetzt die Zeit dafür da ist“, sagte DTB-Sprecher Klaus-Peter Dittrich. Somit wird sich die Modernisierung bis Anfang September hinziehen.

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Die Hoffnung, die neue Anlage dann mit dem Tennisturnier eröffnen zu können, haben alle Beteiligten noch nicht aufgegeben. Alternativen wären ein hochkarätig besetzter Tennis-Schaukampf, ein Klassik- oder Popkonzert – oder auch ein Boxabend mit IBO-Weltergewichtsweltmeister Sebastian Formella (32), für den dessen Hamburger Promoter Erol Ceylan bereits ein umfangreiches Hygiene- und Bestuhlungskonzept ausarbeiten lässt. „Es wäre schon sehr schade, wenn wir dieses Schmuckstück ohne eine Veranstaltung eröffnen müssten“, sagte Rando Aust.

Turnierserie der Damen wird in Hamburg gespielt

Hochklassiges Tennis wird unterdessen bereits im Sommer am Rothenbaum zu sehen sein. Der DTB hat für Damen und Herren eine nationale Turnierserie ins Leben gerufen, die mit 32 Herren am 8. Juni und mit 24 Damen eine Woche später an insgesamt sieben verschiedenen Standorten mit der Vorrunde startet. Ein Zwischenrundenturnier der Damen wird dann vom 30. Juni bis 3. Juli in Hamburg ausgetragen, allerdings nicht auf der Baustelle Center Court, sondern auf einem der Nebenplätze. Zuschauer sind nicht zugelassen. Aber ein Vorgeschmack auf das, was kommen soll, dürfte es dennoch sein.