Tennis in Hamburg

Pläne für Rothenbaum trotz Corona: Kommen Zverev und Nadal?

Im vergangenen Jahr kamen rund 60.000 zahlende Zuschauer zum Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum.

Im vergangenen Jahr kamen rund 60.000 zahlende Zuschauer zum Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum.

Foto: dpa / Picture-Alliance / Daniel Bockwoldt

Hamburg könnte das erste Turnier beim Re-Start der Tennissaison werden. Veranstalter dürfen auf Unterstützung der Stadt rechnen.

Hamburg.  Die positive Nachricht erhielten Sandra Reichel und ihr Vater Peter-Michael Reichel am vergangenen Wochenende. Ihre Tests auf das Sars-CoV-2-Virus fielen negativ aus. Der Verdacht auf eine Infektion bestand, weil Sandra Reichel in der Vorwoche mit einer schweren Erkältung aus Hamburg in ihre Heimatstadt Wels in Oberösterreich zurückgereist war.

Gute Nachrichten sind für die Veranstalter des Herren-Tennisturniers am Hamburger Rothenbaum derzeit eher selten. Wie alle Sportveranstaltungen droht auch das Traditionsevent in diesem Jahr auszufallen oder zumindest nicht am geplanten Termin vom 11. bis 19. Juli stattzufinden. Peter-Michael Reichel hat seinen Optimismus dennoch nicht verloren: „Stand jetzt gehe ich davon aus, dass wir eine 60-prozentige Chance haben, das Turnier zum vorgesehenen Zeitpunkt zu spielen.“

Hamburg könnte erstes Turnier beim Re-Start werden

Bis zum 8. Juni hat die Herrentennisorganisation ATP bislang alle Turniere abgesagt, von Mitte Juli an, das ist der aktuelle Plan, soll wieder regelmäßig Tennis auf der Tour gespielt werden, falls es die Behörden erlauben und die derzeitigen Reisebeschränkungen weitgehend aufgehoben sind.

Der Rothenbaum würde in diesem Fall den Re-Start der Spielzeit eröffnen, was der Veranstaltung zusätzliche Attraktivität verleihen dürfte. Am Mittwochmittag könnte dieser Zeitplan auf einer Telefonkonferenz mit allen ATP-Veranstaltern vorläufig festgelegt werden – so weit Festlegungen in Zeiten wie diesen überhaupt möglich und sinnvoll sind.

Tennis: Wimbledon vor Komplett-Absage

Am heutigen Dienstagabend tagen in London die Organisatoren des Grand-Slam-Turniers von Wimbledon, das vom 29. Juni bis 12. Juli stattfinden sollte. Eine Absage ist wahrscheinlich, gleichzeitig auch die Streichung der für Juni und Juli in Europa vorgesehenen Rasensaison. Eine Verschiebung Wimbledons in den Herbst halten die Veranstalter für riskant, weil der Rasen nicht mehr im besten Zustand wäre, dass ohne Zuschauer gespielt wird, schließen sie aus.

Ein Ausfall des Turniers könnten sich die Engländer finanziell leisten, im Gegensatz wohl zu den French Open, die offenbar aus wirtschaftlichen Gründen auf die Durchführung angewiesen sind. Ohne Rücksprache hatten die Pariser ihr Turnier aus dem Mai/Juni auf Ende September/Anfang Oktober verlegt, was zu Unmut in der Tennisszene führte.

In den heutigen Zeiten sei „Solidarität angesagt und nicht Alleingänge, wie das der Präsident des französischen Tennisverbandes gemacht hat“, sagte Dirk Hordorff, Vizepräsident des Deutschen Tennis Bundes.

Schlagen Zverev und Nadal am Rothenbaum auf?

Trotz der Unabwägbarkeiten laufen bei den Reichels die Vorbereitungen auf das Hamburger Turnier und die derzeit schwierige Sponsoren-Akquise weiter. Mit dem Weltranglistendritten Dominic Thiem (26) steht ein herausragender Teilnehmer fest, der Österreicher hatte sich bereits im vergangenen Jahr auf einen erneuten Auftritt am Rothenbaum verpflichtet.

Sollte Hamburg das erste Turnier nach der Zwangspause werden, dürften ihm weitere Weltklassespieler folgen. Auch der Spanier Rafael Nadal (33), der beste Sandplatzspieler der Welt, wäre in dieser Konstellation eine Option.

Alexander Zverev (22) hat sein Interesse bei den Reichels gleich nach der Absage der Olympischen Spiele in Tokio vergangenen Dienstag hinterlegt. Wegen Olympia, das eine Woche nach dem Finale am Rothenbaum begonnen hätte, wollte Zverev in diesem Sommer nicht in seiner Heimatstadt aufschlagen. 2019 stand er hier im Halbfinale, verlor gegen den späteren Turniersieger Nikolos Bassilaschwili (28) aus Georgien in drei Sätzen.

Rothenbaum-Turnier im Spätsommer?

Für eine Verlegung des Turniers in den Spätsommer wären die Reichels offen. Das Tennisstadion mit seinem mobilen Dach ließe einen späteren Spielbeginn zu. Die zehn Millionen Euro teure Renovierung und Modernisierung der Anlage liegt im Zeitplan, nur die für den 4. Juni angedachte interne Einweihungsfeier der Alexander-Otto-Sportstiftung mit 200 Gästen dürfte wohl ausfallen.

Die Stadt Hamburg ist derzeit im Austausch mit den Sportarrangeuren. „Die Frage, ob Veranstalter etwas absagen, müssen sie selbst beantworten. Wir raten im Zweifelsfall, über eine Verschiebung in die zweite Jahreshälfte nachzudenken, wenn sich die Lage hoffentlich ein wenig entspannt hat“, sagt Sportstaatsrat Christoph Holstein (SPD). Man bemühe sich zum Beispiel, den Haspa-Marathon, der am 19. April gelaufen werden sollte, in den Herbst zu verlegen.

Alle Veranstalter können jetzt die Soforthilfen der Stadt, Zuschüsse und Kredite beantragen. Die vom Senat grundsätzlich in Aussicht gestellten Zuwendungen werden jedoch erst fällig, wenn das Event auch stattfindet. Das Rothenbaum-Turnier soll bisher mit einer halben Million Euro unterstützt werden.

Hamburg hofft auf Leben nach Corona

„Wenn Kosten aufgelaufen sind, das Event am Ende aber ausfällt, müssen wir uns zusammensetzen und kreative Lösungen erarbeiten“, sagt Holstein. „Kein Veranstalter soll Insolvenz anmelden müssen. Wir wollen alle Events schließlich auch für die nächsten Jahre in der Stadt halten.“ Dass Veranstaltungen, die unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden, mitfinanziert werden, hält Holstein für „sehr unwahrscheinlich“. Das sei auch in den entsprechenden Zuwendungsbescheiden geregelt.

Für die Reichels ist das keine Option. „Wir bleiben zuversichtlich, dass wir die Rückkehr zu einer gewissen Normalität in den nächsten Monaten schaffen werden. Und dann wird es das Ro­thenbaumturnier mit Sicherheit geben“, sagt Peter-Michel Reichel.