FC St. Pauli

Der brisante Kampf um den Platz an Veermans Seite

Der schwedische Leihstürmer Viktor Gyökeres (21) hat bisher sieben Saisontore für den FC St. Pauli erzielt.

Der schwedische Leihstürmer Viktor Gyökeres (21) hat bisher sieben Saisontore für den FC St. Pauli erzielt.

Foto: TimGroothuis / Witters

Beim FC St. Pauli punktet Viktor Gyökeres im Duell mit Dimitrios Diamantakos. Gyökeres’ Zukunft ist noch ungeklärt.

Hamburg. Unterschiedlicher hätten die Gemütslagen der beiden St.-Pauli-Stürmer nicht sein können. Auf der einen Seite strahlte Viktor Gyökeres (21) nach dem hart erkämpften und glücklichen 1:0-Sieg im Geisterspiel gegen den 1. FC Nürnberg voller Freude darüber, dass er als „Joker“, der erst in der 68. Minute eingewechselt worden war, den Siegtreffer erzielen konnte. Auf der anderen Seite hatte Dimitrios Diamantakos (27) den Frust über seine schon in der 38. Minute vollzogene Auswechslung bereits unmittelbar danach herausgelassen, indem er ein am Spielfeldrand platziertes Hütchen wegtrat und mit der Hand an die Plexiglaswand der Ersatzbank schlug, was in dem leeren Stadion deutlich zu vernehmen war.

Es muss vor dem Spiel eine knappe Entscheidung gewesen sein, wem von beiden St. Paulis Trainer Jos Luhukay den Vorzug gibt, um neben dem praktisch gesetzten Mittelstürmer Henk Veerman aufzulaufen. Im Training an den Tagen zuvor hatte Luhukay beide Varianten getestet. Zwischenzeitlich waren Veerman und Diamantakos wegen leichter körperlicher Beschwerden auch mal geschont worden, während Gyökeres, der in der gesamten Saison noch nicht verletzt war, das Programm pro­blemlos hatte durchziehen können.

Luhukay scheut sich nicht, in den ersten 45 Minuten auszuwechseln

Dennoch hatte Luhukay dem Griechen Diamantakos den Vorzug gegeben, und zwar in überwiegend zentraler Rolle neben Veerman und weniger als verkappter Linksaußen, wie er es noch beim 2:0 im Stadtderby beim HSV im Februar praktiziert hatte. Noch vor dem Ende der ersten Halbzeit aber beendete der Coach dieses Experiment und stärkte mit der Einwechslung von Finn Ole Becker zunächst das Mittelfeld. „Die Auswechslung war taktisch bedingt. Wir hatten Probleme, die Bälle vorn festzumachen, und auch damit, dass Nürnberg immer sehr gut von hinten herausgespielt hat. Henk und Dimi wurden häufig überspielt, so bekamen wir im Mittelfeld Probleme“, erklärte Luhukay.

Ohnehin ist Luhukay kein Trainer, der sich scheut, schon in den ersten 45 Minuten auszuwechseln. Auch beim Derby beim HSV hatte er dies getan und Talent Becker durch den robusteren Marvin Knoll ersetzt. Jetzt, da sogar fünf Auswechslungen erlaubt sind, fällt ihm eine solche Maßnahme noch leichter.

Gyökeres’ Zukunft ist noch ungeklärt

Im Hinblick auf St. Paulis erstes Auswärtsspiel nach der Corona-Pause am kommenden Sonnabend (13 Uhr) bei Darmstadt 98 hat sich Gyökeres mit seinem gelungenen „Joker“-Auftritt in Position für einen Platz in der Startformation gebracht. Als laufstarker Offensivakteur könnte er auch dort verstärkt über die Außenbahn kommen und so versuchen, das Darmstädter Abwehrgefüge auseinanderzureißen.

St. Pauli: Geisterspiel am Hamburger Millerntor

Gyökeres’ Zukunft ist noch ungeklärt. Der für diese Saison an St. Pauli verliehene Schwede hat noch bis Juni 2022 einen Vertrag beim abstiegsgefährdeten englischen Premier-League-Club Brighton & Hove Albion. Eine erneute Leihe wäre denkbar, allerdings sind laut Berater Per Jonsson auch Clubs aus der Bundesliga an Gyökeres interessiert. Vertragsabschlüsse sind derzeit allerdings vorerst nicht zu erwarten. Das gilt auch für Diamantakos, dessen Kontrakt bei St. Pauli Ende Juni ausläuft.

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Bei seinem Stammverein in Brighton wurde Gyökeres’ Auftritt mit Freude registriert. „Wenn er getroffen hat, hat sein Team nicht verloren“, twitterte der Club. Tatsächlich gab es in den Spielen, in denen der Schwede einen seiner bisher sieben Ligatreffer erzielte, vier Siege und zwei Unentschieden – ein Argument für einen Einsatz in Darmstadt.