Imke Wübbenhorst

Ex-HSV-Spielerin übernimmt großen Job im Männerfußball

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Im Oktober erhielt Imke Wübbenhorst den Walter-Bensemann-Preis für den "Fußballspruch des Jahres".

Im Oktober erhielt Imke Wübbenhorst den Walter-Bensemann-Preis für den "Fußballspruch des Jahres".

Foto: Imago/Zink

Trainerin Imke Wübbenhorst lebt ihren Traum weiter. Ein schlüpfriger Spruch verfolgt die ehemalige Lehrerin dabei aber noch immer.

Cloppenburg/Hamburg. Imke Wübbenhorst redet viel. Und sie redet schnell. Die Worte sprudeln förmlich aus ihr heraus, so viel hat die Trainer-Pionierin in der Domäne Männerfußball zu erzählen. Wübbenhorst war als Sensation im deutschen Fußball gefeiert worden, ehe es nach der Trennung vom Oberligisten BV Cloppenburg still um sie wurde. Nach turbulenten Monaten ist sie nun wieder da.

Am Freitag hat Regionalligist Sportfreunde Lotte Wübbenhorst als neue Trainerin verpflichtet. Die 31-Jährige unterschrieb einen Zweijahresvertrag bis zum 30. Juni 2022 und ist damit nach Inka Grings die erste Frau in Deutschland, die einen Männer-Viertligisten trainiert. "Ich habe dort die Möglichkeit, als Trainerin unter professionellen Bedingungen zu arbeiten", sagte Wübbenhorst, "das habe ich mir immer gewünscht.“

Wübbenhorst gab Job und Wohnung auf

Es ist eine Art Happy End einer kleinen Odyssee, denn für ihren Traum vom Job als Trainer im bezahlten Männerfußball ging Wübbenhorst im Sommer 2019 All-In. Die frühere U-20-Nationalspielerin des Hamburger SV ließ sich von ihrem Beruf als verbeamtete Gymnasiallehrerin in Bad Zwischenahn beurlauben und kündigte die Wohnung.

Sie verkaufte ihre Möbel und nistete sich bei Freunden ein, um die DFB-Fußballlehrer-Ausbildung zu finanzieren und sich ganz darauf zu konzentrieren. "Es war ein anderes Leben, aber es war auch schön. Und ich weiß, wofür ich es getan habe", sagt Wübbenhorst. Sie strahlt.

Wübbenhorst hospitierte bei Nagelsmann

In diversen Hospitationen ließ sich Wübbenhorst inspirieren, schaute bei Frank Wormuth in Almelo oder Julian Nagelsmann in Leipzig ganz genau hin. Am Ende der Ausbildung fehlten nur die Abschlussprüfungen - doch drei Tage vor deren Beginn wurde Wübbenhorst vom Lockdown aufgrund der Coronakrise ausgebremst. An ihren Qualitäten besteht aber kein Zweifel.

"Imke bringt eine unglaubliche Leidenschaft mit für das, was sie tut. Sie will unbedingt Trainerin auf höchstem Niveau werden. Das merkt man ihr in jedem Moment an“, sagte Daniel Niedzkowski, Leiter der DFB-Fußballlehrer-Ausbildung, in der ARD. Wübbenhorst ist Protagonistin einer Sportschau-Dokumentation über Deutschlands Trainer der Zukunft, die am Sonntag (18.30 Uhr) ausgestrahlt wird.

Wübbenhorst profilierte sich mit kessem Spruch

Wübbenhorst ist aber schon jetzt längst nicht mehr nur Fußball-Nerds ein Begriff. Ihr Engagement in Cloppenburg als erste Trainerin in der fünften Männerliga wurde damals zum großen Thema, zudem sorgte Wübbenhorst auch international für Schlagzeilen mit diesem einen Satz ("Ich stelle nach Schwanzlänge auf"), der ihr bis heute anhaftet.

"Da kommt man nicht so schnell von los. Aber ich möchte, dass das nicht immer in den Mittelpunkt gerät", sagt Wübbenhorst heute. Sie möchte "jetzt über sportliche Erfolge auf mich aufmerksam machen. Der Satz von damals zeigt aber auch, dass ich mich auch mit Schlagfertigkeit in der Männerdomäne Fußball durchsetzen kann."

"Das Ticket fürs Trainerkarussell gelöst"

Und doch wünscht sich Wübbenhorst noch immer mehr Akzeptanz. "Da muss noch mehr in die Köpfe, dass auch Frauen Ahnung vom Fußball haben“, sagt sie. Bei der Auswahl von Trainern werde noch immer "eher auf Sicherheitsentscheidungen“ gesetzt: "Aber nun gut, das Ticket für das Karussell Trainerbusiness habe ich nun gelöst.“