Coronakrise im Sport

Ecclestone über Hamilton, Vettel – und Michael Schumacher

Der frühere Formel-1-Chef Bernie Ecclestone äußert sich zu Sebastian Vettel und Lewis Hamilton sowie Michael Schumacher

Der frühere Formel-1-Chef Bernie Ecclestone äußert sich zu Sebastian Vettel und Lewis Hamilton sowie Michael Schumacher

Foto: Nick Ansell / dpa

Bleibt München Spielort der EM 2021? Tennis-Rüpel gründet Lieferservice. SPD-Politiker Lauterbach äußert sich zur Bundesliga.

Die Coronakrise hat auch massive Auswirkungen auf den Sport weltweit.

Verfolgen Sie hier die aktuellen Entwicklungen:

Bernie Ecclestone: Vettel soll wechseln oder aufhören

Der ehemalige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone empfiehlt Sebastian Vettel entweder ein Karriereende nach diesem Jahr oder einen Teamwechsel. „Ich denke, dass Sebastians Leistungen in der letzten Zeit unter der Ferrari-Konstellation mit dem neuen Teamkollegen Charles Leclerc, der auch noch vom Sohn des FIA-Präsidenten gemanagt wird, gelitten haben. Ich vermute, er sieht in (Teamchef Mattia) Binotto nicht den Unterstützer, den er in seiner Situation braucht“, sagte der 89-jährige Brite dem TV-Sender Sport1. im Interview. „Sebastian sollte deshalb aufhören oder sich nach Alternativen für 2021 umsehen. McLaren, dann wieder mit Mercedes-Motoren, könnte so eine sein.“

Ecclestone weiter: Es gebe aber keinen Grund, warum neben Lewis (Hamilton) nicht auch Vettel Michael Schumachers sieben Titel erreichen könne.

Zieht sich München als Spielort der EM 2021 zurück?

Für die verlegte Fußball-EM 2021 steht die endgültige Zusage von München als Spielort weiter aus. „Nach der Verschiebung der Fußball-Europameisterschaft Euro 2020 auf das Jahr 2021 wird das weitere Vorgehen der Landeshauptstadt München aktuell stadtintern geprüft“, hieß es aus dem zuständigen Sportreferat der Stadt. Der europäische Dachverband Uefa hatte das Turnier wegen der Coronavirus-Pandemie um ein Jahr verschoben und prüft nun, ob alle zwölf geplanten Spielorte auch dann wieder zur Verfügung stehen. Eine Entscheidung soll wohl bis Ende April fallen.

Möglicherweise können manche Spielorte durch die Corona-Folgen ihre Verpflichtungen nicht erfüllen. Der „Kicker“ hatte zuletzt über Probleme in drei Austragungsorten berichtet, darunter Bilbao. Alexej Sorokin, Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees, hatte der Agentur Tass zu einem solchen Szenario gesagt: „Sollte irgendeine Stadt ausfallen, bleiben nur wenige Varianten.“ Es würden neue Austragungsorte ausgewählt oder Spiele auf die übrigen Städte verteilt. „Die zweite Option ist weniger zeitaufwendig“, sagte der Russe Sorokin, der auch das Organisationsteam des Spielorts St. Petersburg leitet.

In der Allianz Arena in München, dem einzigen deutschen EM-Standort, soll neben den Gruppenspielen der DFB-Auswahl gegen Frankreich, Portugal und einen Playoff-Sieger noch ein Viertelfinale stattfinden. Ob es Zweifel bei den Verantwortlichen in München an einer erneuten Gastgeber-Rolle gibt, ist offen. Bei der Kommunalwahl am 15. März hatten sich die Mehrheitsverhältnisse im Münchner Stadtrat deutlich geändert. Die Grünen wurden stärkste Kraft, vor CSU und SPD. Oberbürgermeister der Landeshauptstadt bleibt Dieter Reiter (SPD).

Freiburg droht wegen Coronakrise ein Stadionproblem

Das neue Stadion des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg wird nicht wie geplant fertig. „Beim Stadionbau wird es definitiv Verzögerungen geben“, sagte SC-Finanzvorstand Oliver Leki „kicker.de“. Das zeitliche Ausmaß ließe sich angesichts der Corona-Pandemie, die sich auch auf die Bauwirtschaft auswirkt, „zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht seriös prognostizieren“, sagte der 47-jährige Leki.

Ursprünglich war vorgesehen, dass die Mannschaft von SC-Trainer Christian Streich beim ersten Heimspiel der Saison 2020/21 erstmals in der neuen 35.000-Zuschauer-Arena im Freiburger Norden antritt. Martin Haag, Baubürgermeister der Stadt, hatte den Zeitplan schon Anfang des Jahres und vor dem Ausbruch der Corona-Krise als „extrem ambitioniert“ bezeichnet.

Tennisprofi Kyrgios will Essen an bedürftige Menschen ausliefern

Der australische Tennis-Star Nick Kyrgios will sein Versprechen anscheinend einlösen und Bedürftige in Zeiten der Coronakrise mit Lebensmitteln versorgen. Das geht aus einem Instagram-Post seiner Mutter Norlaila Kyrgios hervor, die ein Foto eines mit Nahrungsmitteln beladenen Tisches veröffentlichte. Dazu schrieb sie „Speisesaal oder Lebensmittelverteilungszentrum“ und verlinkte auf das Profil ihres Sohnes.

In der vergangenen Woche hatte Kyrgios seinen speziellen Lieferservice angeboten. „Bitte geht nicht mit einem leeren Magen ins Bett [...]. Ich wäre mehr als glücklich, alles was ich habe, zu teilen“, hatte der 24-Jährige auf Instagram geschrieben und dabei keine Bedingungen gestellt: „Habt keine Angst und schämt euch nicht, mir eine Nachricht zu schicken. Auch für eine Packung Nudeln, ein Laib Brot oder Milch. Ich stelle es vor eure Tür, ohne Fragen zu stellen.“

In Australien sind aufgrund der Corona-Pandemie Tausende Geschäfte und Firmen geschlossen. Vor den Ämtern bilden sich lange Schlangen mit Menschen, die auf Sozialleistungen hoffen. Der auf dem Court als Hitzkopf bekannte Kyrgios spendete bereits Anfang des Jahres für die von den Buschbränden in Australien Betroffenen. Bei einer Benefizveranstaltung sammelten der derzeitige Weltranglisten-40. und viele weitere Tennis-Stars knapp fünf Millionen australische Dollar (rund 3,3 Millionen Euro).

Löw setzt auf Teamwork gegen Corona

Bundestrainer Joachim Löw hat in der Coronakrise aufmunternde Worte an die Fußballfans und alle Mitmenschen gerichtet. „Wir sind sicher, zusammen können wir auch diesen Gegner schlagen“, sagte Löw in einem Clip von DFB-Partner Volkswagen: „Weil wir uns gegenseitig helfen. Weil wir einander Mut machen. Weil wir füreinander da sind, weil wir alle zusammen eine Mannschaft sind. Weil wir gewonnen haben, wenn der Ball da draußen wieder rollt.“

Für den 60-Jährigen und seine Nationalmannschaft fällt mit der ins kommende Jahr verlegten Europameisterschaft wegen der Pandemie auch der gemeinsame Höhepunkt des Sommers weg. „Fußball - was haben wir uns auch Dich gefreut. Wir wollten Dich feiern, in den Stadien, auf den Straßen. Überall in Europa. Doch dann kam ein Gegner, mit dem niemand gerechnet hat, gegen den wir zunächst keine Taktik hatten“, sagte Löw und wünschte den Fans: „Bleibt am Ball und bleibt gesund!“

IOC-Präsident Bach verteidigt Vorgehen bei Olympia-Verschiebung

Präsident Thomas Bach verteidigt das Vorgehen des IOC bei der Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio und wehrt sich gegen Kritik. „Da sind vielerlei Verschwörungstheorien verbreitet worden. Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache“, sagte Bach der "Welt am Sonntag". Der Fecht-Olympiasieger von 1976 sieht sich „weit entfernt“ von der Rolle des Buhmanns: „Es ist uns gelungen, binnen drei Tagen Olympische Spiele zu verschieben und sechs Tage später einen neuen Termin zu präsentieren. Das spricht für sich.“

Athleten, Funktionäre und Sportpolitiker hatten Bach und dem Internationalen Olympischen Komitee vorgeworfen, bei der Entscheidung über die Sommerspiele in der Coronakrise zu lange gezögert zu haben. So lief noch bis zum 16. März in London ein olympisches Qualifikationsturnier der Boxer, am 24. März folgte die unvermeidliche Verschiebung der Sommerspiele ins Jahr 2021. Auch die mangelnde Kommunikation des Ringekonzerns aus Lausanne war Gegenstand der Kritik.

Bach (66) räumt zumindest Verständnis für die Stimmen der Athleten ein. „Als Verantwortungsträger darf man in solchen emotionalen Situationen aber nicht aus dem Bauchgefühl heraus entscheiden, schließlich geht es um das langfristige Überleben der Olympischen Spiele und um das Kulturgut Olympische Spiele“, sagte Bach: „Die einzig mögliche kurzfristige Entscheidung wäre eine Absage gewesen, und die hat keiner der Athletenvertreter aus aller Welt in unseren gemeinsamen Telefonkonferenzen gewollt.“

Bach ist genervt von Verschwörungstheorien

Bach erklärte zudem, dass nur die Verschiebung auf das Jahr 2021 infrage kam. „Um auch da Verschwörungstheorien entgegenzutreten, muss klar gesagt werden, dass das IOC gegen eine Absage versichert gewesen wäre, was wir gegen eine Verschiebung nicht sind“, sagte er: „Für eine Verschiebung braucht es aber die Zustimmung des Organisationskomitees, das bereit sein muss, ein Jahr länger zu arbeiten, und die japanische Regierung muss bereit sein, die Vorbereitungen weiterhin zu unterstützen.“

Das IOC habe die Spiele zwei Tage vorher verschieben wollen, nachdem es neue Informationen der Weltgesundheitsorganisation WHO erhalten habe, behauptete Bach. „Dass unsere japanischen Freunde auf die Idee einer Verschiebung, die wir noch am 22. März in den Raum gestellt haben, nicht innerhalb einer Stunde mit ja oder nein antworten können, ist bei der Größenordnung von Olympischen Spielen selbstverständlich“, sagte er.

Führt die Fifa ein drittes Transferfenster ein?

Der Fußball-Weltverband Fifa hat in der Coronavirus-Pandemie weitere Flexibilität für den Transfermarkt angekündigt. Bislang gibt es zwei Phasen, in denen Spieler wechseln dürfen: eine zwischen den Saisons, die nicht länger als zwölf Wochen dauern darf, und eine zur Mitte der Saison, die vier Wochen nicht überschreiten darf. „Was wir jetzt sehen könnten in der Krise, wäre, dass Verbände ein zusätzliches, drittes Transferfenster öffnen“, stellte James Kitching, Fifa-Direktor Football Regulatory, in der ARD-„Sportschau“ zu den neuen Empfehlungen klar. „Das würden wir flexibel handhaben, wenn die 16 Wochen Gesamtzeit nicht überschritten werden.“

Die Fifa hatte zuletzt diverse Empfehlungen und Richtlinien mit Bezug auf Transfers und Verträge in der Coronavirus-Krise abgegeben. Im deutschen Männerfußball waren bislang zwei so genannte Registrierungsperioden für Transfers geplant: Vom 1. Juli bis 31. August 2020 sowie vom 2. Januar bis 1. Februar 2021. Sollte die derzeit unterbrochene Saison länger als geplant dauern, könnten die Transferperioden verlegt werden.

Der Weltverband hatte sich zudem dafür ausgesprochen, dass Verträge von Profis an den wirklichen Ablauf der derzeit unterbrochenen Spielzeit angepasst werden. Demnach sollen auslaufende Kontrakte solange verlängert werden können, bis die Saison beendet ist. Im Sommer geplante Spielerwechsel sollen ebenfalls erst danach vollzogen werden. Die Fifa kann in diesen Fragen jedoch keine bindenden Vorgaben machen. „Wir müssen anerkennen, dass das nationale Arbeitsrecht und die Autonomie von Clubs und Spielern immer Vorrang haben“, sagte Kitching.

Karl Lauterbach sieht Fortsetzung der Saison im Herbst

SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht eine mögliche Wiederaufnahme der Fußballsaison in den kommenden Wochen und Monaten kritisch. Die von den Profiklubs anvisierten „Geisterspiele“ im Mai trotz der Corona-Pandemie hält Lauterbach für „keine gute“ Idee. „Ich persönlich denke, dass es im Herbst wieder losgehen kann“, sagte der 57-Jährige im Doppelpass bei Sport1.

Nach Angaben Lauterbachs mache die Deutsche Fußball Liga (DFL) „Druck, der in Berlin ankommt“. Er nehme dies dem Profifußball „nicht übel“, aber eine verfrühter Wiederbeginn wäre „ein Eigentor“. Laut Lauterbach ist schon jetzt absehbar, dass es auch in einigen Wochen noch nicht genügend Tests und andere medizinische Kapazitäten geben werde.„Wenn der Fußball eine “Extrawurst' gebraten bekommt, wird es Ressentiments in der Bevölkerung geben„, äußerte der Bundestagsabgeordnete: “Das würde dem Fußball nicht gut tun."

Köln-Präsident glaubt nicht, dass bis Ende 2020 Spiele mit Zuschauern erlaubt werden

Unterdessen glaubt Präsident Werner Wolf vom 1. FC Köln nicht, dass die Bundesliga im Jahr 2020 noch einmal vor Zuschauern spielt. „Meine persönliche Einschätzung ist: Ich glaube nicht, dass wir in diesem Jahr noch einmal live Fußballspiele sehen werden“, sagte Wolf beim Online-Talk „Loss mer schwade“.

Der 63-Jährige hofft aber auf die baldige Rückkehr zum Spielbetrieb. „Denn Fußball ohne Fußball macht viel Arbeit, aber keinen Spaß.“ Nach einer einstimmigen Entscheidung der Vereine glaubt Wolf, dass die Saison fortgesetzt werden kann: „Wir hoffen, dass es entweder am ersten oder zweiten Mai-Wochenende in Form von Geisterspielen weitergehen wird.“

Die Kölner hatten bei der 1:2 Derby-Niederlage in Mönchengladbach am 11. März das bisher einzige Geisterspiel der Saison absolviert. „Ich behaupte: Wäre es kein Geisterspiel gewesen, hätten wir es nicht verloren“, sagte Wolf. Die Zuschauer würden zwar spürbar fehlen, „aber man kann sich an solche Dinge auch gewöhnen“.