Sport in der Coronakrise

Trotz Kroos-Veto: Real-Profis verzichten auf Gehalt

Toni Kroos hat mit seiner Ablehnung eines Gehaltsverzichts den Zorn der Spanier auf sich gezogen.

Toni Kroos hat mit seiner Ablehnung eines Gehaltsverzichts den Zorn der Spanier auf sich gezogen.

Foto: imago / AFLOSPORT

Helga-Cup auf Herbst vertagt. Topevents im Basketball und Rudern verschoben. Ibrahimovic vor Wechsel.

Die Coronakrise hat auch massive Auswirkungen auf den Sport.

Verfolgen Sie hier die aktuellen Entwicklungen:

Coronavirus: Helga-Cup auf Herbst vertagt

Die dritte Auflage des Helga-Cups kann wegen der Coronakrise in diesem Jahr nicht wie geplant im Juni stattfinden. Der veranstaltende Norddeutsche Regatta-Verein hat sich mit der Stadt darauf verständigt, die größte Frauensegelregatta der Welt auf den 1. bis 4. Oktober zu verschieben.

"Wir haben ganz klar eine Verantwortung für die Sportlerinnen, die Helfer und das Organisationsteam", sagte Helga-Cup-Initiator Sven Jürgensen. "Die Teams kommen aus der ganzen Welt, der Cup lebt vom pulsierenden Miteinander und Untereinander – all das geht in Corona Zeiten gar nicht, mal davon abgesehen, dass auch die Reisefreiheit noch in den Sternen steht und eine gewisse Planbarkeit schon nötig ist."

Der Helga-Cup gehört zu den sogenannten Top-Ten-Veranstaltungen im Hamburger Sport. Für die diesjährige Auflage waren bereits 80 Viererteams angemeldet worden. Gesegelt wird auf der Außenalster auf baugleichen J/70.

Ruder-WM wegen Coronapandemie verschoben

Mit der Ruder-Weltmeisterschaft fällt das nächste sportliche Topevent im Jahr 2020 der Coronakrise zum Opfer. Die vom 16. bis 23. August im slowenischen Bled angesetzten Welttitelkämpfe wurden für dieses Jahr abgesagt, dies teilte der Weltverband FISA am Donnerstag mit. Stattdessen soll die WM im kommenden Jahr vom 1. bis 5. September an gleicher Stelle nachgeholt werden.

Die Entscheidungen seien „nach einer Bewertung aller möglichen Lösungen auf der Grundlage der aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und unter Berücksichtigung der Verantwortung unserer Gemeinschaft für die Begrenzung des Umfangs interkontinentaler Reisen getroffen worden“, schrieb der Verband in einem Statement.

Bereits zuvor waren die drei für dieses Jahr geplanten Weltcuprennen abgesagt worden. Die Qualifikation für die Olympischen und die Paralympischen Spiele wurde ebenfalls auf das kommende Jahr verschoben. Die von 5. bis 7. Juni angesetzte Europameisterschaft soll eventuell noch im September oder Oktober nachgeholt werden.

Coronavirus: Basketball-EM findet ein Jahr später statt

Die Basketball-Europameisterschaft mit der geplanten Endrunde in Berlin findet im Zuge der Olympia-Verlegung in der Corona-Krise ein Jahr später im Spätsommer 2022 statt. Das teilte der Weltverband Fiba nach einer Entscheidung seines Exekutivkomitees am Donnerstag mit. Die EM solle in der Zeitphase zwischen dem 1. und 18. September steigen. Bislang war das Kontinentalturnier vom 2. bis 19. September 2021 geplant. Eine Vorrunde der EM ist in Köln geplant, als weitere Gastgeberländer in der Gruppenphase sind Georgien, Italien und Tschechien vorgesehen.

Deutschland bleibe Ausrichter, bestätigte Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bunds, der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist die richtige Entscheidung der Fiba, die EM auf 2022 zu verschieben, weil der Kalender im Jahr 2021 sehr, sehr voll ist“, sagte Weiss, der auch Schatzmeister des Weltverbands ist. „Aus unserer Sicht ist das ein viel besserer Termin, weil wir uns ein Jahr vor der WM befinden und dort mit Sicherheit die stärksten Mannschaften sehen werden.“

Coronakrise: Ibrahimovic trainiert in Stockholm

Fußball-Weltstar Zlatan Ibrahimovic hat am Donnerstag in seiner Heimat Schweden am Training des Erstligisten Hammarby teilgenommen und die Spekulationen über seine Zukunft angeheizt. Noch steht der 38-Jährige beim italienischen Renommierclub AC Mailand unter Vertrag, will aber offenbar seine Option zur Vertragsverlängerung nicht nutzen.

Ibrahimovic gehören 25 Prozent der Anteile an dem Stockholmer Club Hammarby. Er hatte Italien wegen der Coronakrise bereits im März verlassen. Schweden hat mit vergleichsweise lockeren Regelungen auf die Pandemie reagiert.

Kein Gehaltsverzicht: Bei Baskets Bamberg hängt Haussegen schief

Geschäftsführer Arne Dirks vom Basketball-Bundesligisten Brose Bamberg hat sich enttäuscht über die fehlende Bereitschaft zu einem Gehaltsverzicht in Teilen der Mannschaft gezeigt. „Besonders im Mannschaftssport sind Werte wie Gemeinschaft, Solidarität und Loyalität hervorzuheben. Daher bin ich selbstverständlich enttäuscht, dass nicht alle an einem Strang ziehen“, sagte Dirks auf der Homepage des Klubs.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Stoschek hatte am Mittwoch namentlich Kapitän Elias Harris als Abweichler genannt und dafür viel Kritik erhalten. Dirks stellte sich nun hinter Stoschek. „Die Kritik ist nicht nachvollziehbar. Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Präsidium der Bamberger Basketball GmbH stehen klar hinter der Aussage unseres Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Stoschek“, sagte er.

Harris hatte sich am Mittwoch juristisch gewehrt. „Das Statement über meinen Mandanten ist inhaltlich falsch“, teilte sein Anwalt Marcel Lesser mit, „mein Mandant ist gerne dazu bereit, auf Teile seines Gehalts zu verzichten. Es muss dabei aber fair ablaufen. Dass unser Mandant für ein rechtmäßiges Verhalten öffentlich an den Pranger gestellt wird, ist eine schwerwiegende Verletzung seines Persönlichkeitsrechts und des Arbeitsvertrages.“

Frankfurt-Profis verzichten auf 20 Prozent Gehalt

Die Profis von Eintracht Frankfurt verzichten in den kommenden drei Monaten auf 20 Prozent des Gehalts. Auch der Vorstand, die sportliche Leitung, das Trainerteam und die Bereichsleiter schlossen sich der Maßnahme an. Ein Drittel der Beschäftigten von AG und Verein werden zudem in Kurzarbeit gehen. „Die Gespräche mit den Spielern waren sehr positiv. Alle haben ein großes Verständnis und Gefühl für ihre Rolle und ihre Verantwortung“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. „Wir gehen geschlossen durch diese schwierige Zeit. Wir wissen, dass viele Mitarbeiter im Klub auf unterschiedlichste Art und Weise ihren Beitrag dazu leisten.“

Trotz Kroos' Veto: Real-Profis verzichten auf Gehalt

Nur wenige Stunden nachdem sich Toni Kroos gegen einen Gehaltsverzicht ausgesprochen hatte und dafür in Spanien teilweise heftig kritisiert worden war, haben sich die Profis von Real Madrid mit der Clubführung auf einen Verzicht von mindestens zehn Prozent ihres Einkommens geeignigt. Dadurch spart der Club rund 50 Millionen Euro. Sollte die Saison nicht beendet werden, würden die Spieler ihren Gehaltsverzicht auf 20 Prozent aufstocken.

Kroos sieht diese Maßnahme kritisch. „Was ich besser finde, ist, schon das volle Gehalt zu bekommen, aber dann mit dem Gehalt vernünftige Sachen zu machen und links und rechts zu helfen“, hatte der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler am Dienstag im SWR-Podcast „Steil extra!“ gesagt. „Es gibt viele Stellen, wo es nötig ist.“ Der Weltmeister von 2014 erklärte weiter: „Auf das Gehalt zu verzichten, ist wie eine Spende ins Nichts oder an den Verein, wobei es hier nicht nötig ist.“

Kroos wehrt sich gegen heftige Kritik

In Spanien ist Kroos für diese Einstellung in die Kritik geraten. Von Medien und Fans wurde er unter anderem als unsolidarisch und realitätsfremd getadelt. „Er muss auf die Erde zurückkehren. Er hat eine Gefühlslosigkeit gezeigt, die mir wehtut“, sagte der in Spanien bekannte Journalist Tomás Roncero von der Zeitung „AS“ in einer TV-Talkrunde. Kroos habe gezeigt, „dass er sich nicht um das Unternehmen schert, das ihn bezahlt“. Das sei „wie eine Ohrfeige“, meinte der frühere Torhüter und Ex-Trainer Jorge D'Alessandro in derselben Sendung. „Dieser Mann lebt doch in einer Blase, in einer anderen Welt.“

Am Morgen danach hat Kroos nun zur Gegenoffensive ausgeholt und seine Aussagen gerechtfertigt. „Es ist möglich, dass das nicht korrekt übersetzt wurde oder dass es manche nicht verstehen wollen“, schrieb der Nationalspieler bei Twitter. „Ihr kennt mich gut, meine Meinung war von Anfang an folgende: Wenn wir Arbeitern und Sektoren im Club helfen können, sehe ich es als logisch an, dass wir auf einen Teil unseres Gehalts verzichten.“

Gehaltsverzicht bei erstem Premier-League-Club

Als erster Fußballverein der Premier League hat der FC Southampton mit seinen Spielern eine Einigung über einen vorläufigen Gehaltsverzicht erzielt. Der Clubvorstand, Trainer Ralph Hasenhüttl (Ex-Leipzig-Coach), sein Stab und die Profis haben zugestimmt, einen Teil ihres Gehalts für die Monate April, Mai und Juni aufzuschieben. Zahlen nannten die Saints dazu nicht. Southampton betonte außerdem, dass der Club keine Hilfe der Regierung in Anspruch nehmen wolle und die Inhaber dafür sorgen würden, dass alle Mitarbeiter, die nicht vom Gehaltsaufschub betroffen sind, bis zum 30. Juni ihr volles Gehalt beziehen würden.

Mehrere Premier-League-Clubs hatten ihre nicht spielenden Mitarbeiter in den Zwangsurlaub geschickt, während die Profis weiter ihr volles Gehalt beziehen sollten. Das hatte in England eine Debatte ausgelöst. Der FC Liverpool hatte ebenfalls geplant, das Regierungsprogramm zu nutzen, sich nach massiver Kritik der Fans aber umentschieden. Viele Fußballer hatten individuell ihre Bereitschaft zum Gehaltsverzicht geäußert. Zudem hatten Hunderte Premier-League-Stars am Mittwoch eine Initiative ins Leben gerufen, die vor allem die Menschen unterstützen soll, die während der Coronavirus-Pandemie „an vorderster Front kämpfen“.

Coronaregeln missachtet: Mourinho sagt Sorry

Tottenham-Trainer José Mourinho hat sich dafür entschuldigt, dass er sich nicht an die vorgeschriebene Abstandsregel gehalten hat. „Ich akzeptiere, dass mein Handeln nicht im Einklang mit den Regierungsempfehlungen standen und wir nur Kontakt zu Mitgliedern aus dem eigenen Haushalts haben dürfen“, sagte der Portugiese.

Zuvor waren Aufnahmen des 57-jährigen Portugiesen mit drei Spielern von Tottenham Hotspur aufgetaucht. Darauf war zu sehen, wie sie in einem Londoner Park trainierten und dabei die Regeln missachteten. „Es ist lebenswichtig, dass wir alle unseren Teil beitragen und den Anweisungen der Regierung folgen“, stellte Mourinho klar, „um unsere Helden beim (nationalen Gesundheitsdienst) NHS zu unterstützen und Leben zu retten.“

Thiago verlängert wohl beim FC Bayern

Inmitten der Coronakrise treibt der FC Bayern die Kaderplanung voran: Nach Trainer Hansi Flick und Thomas Müller soll auch der spanische Mittelfeldspieler Thiago einen neuen Vertrag bis 2023 erhalten. Laut dem "Kicker" seien die Gespräche bereits „sehr weit fortgeschritten und allenfalls noch Kleinigkeiten zu klären“. Weitere Entscheidungen dürften bald folgen: Bis 2021 laufen auch die Verträge von Kapitän Manuel Neuer (34), David Alaba (27) und Jerome Boateng (31).

Naldo bietet sich Werder Bremen an

Der brasilianische Innenverteidiger Naldo liebäugelt offenbar mit einer Rückkehr zu seinem Ex-Club Werder Bremen. „Frank Baumann muss sich nur melden“, sagte der aktuell vereinslose 37-Jährige dem Portal "Deichstube". „Ich bin nicht abgeneigt, noch mal nach Bremen zurückzukommen. Wenn Werder mich braucht, bin ich bereit.“ Mit dem heutigen Sportchef Baumann hat Naldo früher bereits zusammengespielt, 2009 gewannen die beiden gemeinsam den DFB-Pokal.

Corona: Robben war in Quarantäne

Die Frau des früheren Bayern-Stars Arjen Robben hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Das sagte der 36-Jährige im „FC Bayern Podcast“. Der einstige Angreifer von Bayern München, seine Frau und die drei Kinder hätten anschließend strikte Quarantäne halten müssen. „Zum Glück hat sie sich wieder erholt, aber es war nicht schön. Bei ihr war das Schlimmste der Druck auf der Brust, sie hatte Probleme beim Atmen“, sagte Robben: „Komischerweise wurden ich und meine Kinder negativ getestet, aber vielleicht waren wir schon vorher dran und haben es nicht bemerkt.“

Freunde hätten die Familie in dieser Zeit unterstützt, die Einkäufe übernommen und wären mit dem Hund spazieren gegangen. Robben warnte zudem davor, das Virus zu unterschätzen. „Am Anfang haben es die Leute nicht ernst genommen, aber ich hoffe, dass es jetzt alle kapiert haben“, sagte der Niederländer.

Union-Coach verplappert sich: Malli in Quarantäne

Mittelfeldspieler Yunus Malli von Union Berlin befindet sich in häuslicher Quarantäne. Das verriet Trainer Urs Fischer in einer Video-Konferenz mit Journalisten eher unfreiwillig. Der Coach war davon ausgegangen, dass die Teilnehmer des Skype-Calls bereits über den Fall Bescheid wüssten, irrte sich dabei jedoch. Der 54-Jährige hatte die Reporter nachträglich gebeten, die Information noch für sich zu behalten, da hatte sich diese allerdings schon verbreitet. „Das ist mein Fehler, damit kann ich leben“, sagte Fischer.

Unklar ist, ob sich der 28 Jahre alte Malli, Leihspieler vom VfL Wolfsburg, mit dem Coronavirus infiziert hat. Der Mittelfeldspieler stehe dem Verein im Training derzeit nicht zur Verfügung. Zum Zeitpunkt einer möglichen Rückkehr machten Fischer und der Club keine Angaben.