Sport in der Coronakrise

Genehmigt: HSV und St. Pauli dürfen trotz Corona trainieren

Der Trainingsplatz des HSV ist für die Profis am Montag trotz der Coronapandemie wieder geöffnet. Die Stadt erteilte eine Ausnahmegenehmigung.

Der Trainingsplatz des HSV ist für die Profis am Montag trotz der Coronapandemie wieder geöffnet. Die Stadt erteilte eine Ausnahmegenehmigung.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Pause für HSV-Handballer verlängert. Bierhoff mit interessanter Corona-These über Götze. Startet die Tennissaison am Rothenbaum?

Wann kann wieder Fußball gespielt werden? Während der Coronakrise ruht der Ball. Nachdem die belgische Liga bereits die Saison abgebrochen, rät die Uefa den nationalen Verbänden von einer solchen Entscheidung ab. Die Fifa steht derweil vor der Revolution des Transfermarkts – und der Hamburger Rothenbaum könnte im Rampenlicht der internationalen Tennisszene stehen.

Verfolgen Sie hier die aktuellen Corona-Entwicklungen im Sport:

Coronapause für HSV-Handballer verlängert

Die Handball-Bundesliga (HBL) rüstet sich trotz der Hoffnung auf eine baldige Fortsetzung der Saison für das Szenario eines Abbruchs. Sollte es tatsächlich zu einem vorzeitigen Ende der Spielzeit wegen der Coronakrise kommen, würde es keine Absteiger geben. Darauf verständigte sich die HBL gemeinsam mit der Frauen-Bundesliga und dem Deutschen Handballbund, wie es in einer Mitteilung am Freitagnachmittag heißt.

Dennoch soll der Bundesliga-Spielbetrieb am 16. Mai im Idealfall fortgesetzt werden, um die derzeit unterbrochene Saison noch wie geplant bis zum 30. Juni zu Ende zu bringen. Eine Verlängerung der Spielzeit bis in den Juli oder sogar August, wie sie die EHF für die Europacup-Wettbewerbe plant, schloss die Liga nach rechtlicher Prüfung aus. Darauf einigten sich die HBL und die Clubchefs bei einer Videokonferenz.

Bisher sollte es am 23. April weitergehen. Für den HSV Hamburg stünden planmäßig am 16. und am 23. Mai die letzten beiden Heimspiele der Saison in der 2. Bundesliga an.

Coronakrise: Serie A uneinig über Gehaltskürzung

Im italienischen Fußball steht weiter eine Einigung zwischen der Serie A und der Spielergewerkschaft AIC zu möglichen Gehaltskürzungen wegen der Coronakrise aus. Nach mehrstündigen Verhandlungen per Videokonferenz mussten die Gespräche am Freitag auf die nächste Woche vertagt werden. Die Gewerkschaft der Profis lehnt den Vorschlag einer viermonatigen Aussetzung der Zahlung der Spielergehälter ab.

Stattdessen fordert AIC, dass lediglich das Märzgehalt nicht gezahlt werden soll. „Es gibt nicht nur die Serie A. In der Serie C genügen die Gehälter nicht einmal, um die Miete zu zahlen“, sagte AIC-Präsident Damiano Tommasi.

Coronavirus zwingt auch 1. FC Köln zu Kurzarbeit

Wie schon einige Bundesliga-Rivalen zuvor schickt auch der 1. FC Köln offenbar zahlreiche Mitarbeiter in Kurzarbeit. Nach Informationen der „Kölnischen Rundschau“ sind 70 Mitarbeiter aus allen Geschäftsbereichen betroffen. Die Reduzierung der Arbeitszeiten und des Gehalts unterscheide sich je nach Abteilung und Aufgabe. Der Verein gleiche aber die Differenz aus.

Der 1. FC Köln äußerte sich nicht zu dem Thema und verwies auf „interne Gespräche“. Zuvor hatten bereits einige andere Fußball-Erstligisten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt

WM-Kampf Joshua – Pulew wegen Coronavirus verschoben

Aufgrund der Coronapandemie wird auch der WM-Kampf im Schwergewichtsboxen zwischen Titelverteidiger Anthony Joshua und Herausforderer Kubrat Pulew verschoben. Ein Nachholtermin für das ursprünglich für den 20. Juni geplante Duell zwischen dem britischen Weltmeister und dem bulgarischen Schützling von Trainer Ulli Wegner steht noch nicht fest.

Es werde zudem geprüft, ob der Kampf um die Titel der Weltverbände WBA, IBF, WBO und IBO weiter im Tottenham-Hotspur-Stadium in London stattfinden könne, teilten die Veranstalter am Freitag mit.

HSV und St. Pauli dürfen trotz Corona trainieren

Der HSV und der FC St. Pauli dürfen trotz der Coronapandemie von Montag an unter Auflagen wieder auf ihre Trainingsplätze. Die Hamburger Innenbehörde erteilte den beiden Zweitliga-Lokalrivalen am Freitag eine Ausnahmegenehmigung. So dürfen die Profis nur in Kleingruppen unter Ausschluss der Öffentlichkeit arbeiten. Auch müssen sie Hygienestandards angesichts der Coronabedrohung einhalten.

Die Genehmigung gilt nur, solange sich die Situation nicht verschärft. Der Spielbetrieb in der 2. Bundesliga ruht ebenso wie in der Bundesliga vorerst bis zum 30. April. Die Behörden in Hamburg hatten am 15. März verfügt, dass wegen der Coronavirus-Pandemie bis Ende April auch alle Sportstätten gesperrt werden. Seitdem waren die Spieler des HSV und des FC St. Pauli im Heimtraining.

"Erweitertes Individualtraining" des FC St. Pauli:

Anfang der Woche hatte der Kiezclub schon ohne behördliche Genehmigung in Kleingruppen trainiert. Damit wurde nach Ansicht der Hamburger Innenbehörde die Allgemeinverfügung zur Schließung von Sportstätten nicht befolgt.

Bierhoff: Götze muss sich umgucken

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff skizziert am Beispiel von Mario Götze (27) die vermutlich massiven Auswirkungen der Coronakrise auf den Fußball. „Der Transfermarkt wird sich abkühlen. Die Preise werden sinken“, sagte Bierhoff der „Gazzetta dello Sport“. „Ein Spieler am Ende des Vertrages, nehmen wir zum Beispiel Mario Götze her, wird sich schwertun, wieder auf die alten Zahlen zu kommen.“ Götzes hochdotierter Vertrag beim BVB läuft am Saisonende aus.

Bierhoff übte grundsätzliche Kritik an den Entwicklungen im Fußball vor der Coronapandemie. „Bis jetzt hat es eine sehr hohe Geschwindigkeit im Fußball gegeben, man wollte immer mehr, jeder meinte stets, dass man bei jeder Veränderung immer dazugewinnen müsse. Gier war immer das oberste Prinzip. Am Ende explodiert das System.“

Die Zukunft sieht nach Ansicht des Europameisters von 1996 so aus: „Jetzt fangen wir wieder auf einem niedrigeren Level an. Wir kehren dahin zurück, wo man froh ist, einen Job zu haben, wo man sich gut fühlt, zur Arbeit gehen zu können. Das ist ein neues Glücksgefühl.“

Tennissaison soll im Juli starten – am Rothenbaum?

Dirk Hordorff (63), Vizepräsident des Deutschen Tennis Bundes, hält die Absage des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon für „verantwortungsbewusst, sie ist an den Fakten und an der heutigen Situation orientiert“. Die 134. Ausgabe des Rassen-Klassikers soll nun vom 28. Juni bis 11. Juli 2021 ausgetragen werden.

Die Männer-Tour ATP und die Frauen-Tour WTA dehnten im Zuge der Wimbledon-Entscheidung ihre Spielpause bis mindestens zum 13. Juli aus. Das Herrenturnier am Rothenbaum (11. bis 19. Juli) bleibt damit auf dem Terminplan. Allerdings wurden auch Befürchtungen laut, dass in diesem Jahr überhaupt kein Profitennis mehr gespielt werden kann, wenn Reisen weiterhin kaum möglich sind und Zuschauer nicht in die Stadien gelassen werden.

Düsseldorf: Profis verzichten auf 25 Prozent Gehalt

Fortuna Düsseldorf hat sich mit seinen Spielern auf einen freiwilligen Gehaltsverzicht geeinigt. Laut der „Bild“ soll der Club künftig 25 Prozent an Spielergehältern einsparen, dies entspräche rund 300.000 Euro im Monat. Demnach sollen die Spieler zunächst auf 12,5 Prozent der Gehälter komplett verzichten und weitere 12,5 Prozent dem Verein stunden. Dieser Anteil soll erst ausbezahlt werden, sobald wieder finanzielle Mittel in Form von Zuschauer- und TV-Einnahmen fließen.

Ex-HSV-Coach Wolf über Saisonaus in Belgien

Der frühere HSV-Coach Hannes Wolf ist inzwischen Trainer beim KRC Genk in Belgien und somit unmittelbar vom vorzeitigen Saisonabbruch betroffen. Die Entscheidung der belgischen Pro League habe ihn überrascht. „Dass bereits jetzt so klar entschieden wurde, kam schon überraschend. Ich kann jeden verstehen, der noch ein bisschen wartet mit der Entscheidung. Ich kann die Entscheidung aber absolut nachvollziehen“, sagte Wolf.

In Belgien steht nun Tabellenführer Club Brügge als belgischer Meister fest. Wolf und Genk haben als Tabellensiebter keine Chance mehr, die europäischen Plätze zu erreichen, da die Playoffs gestrichen wurden. „Vor einigen Wochen war mit so einem Szenario noch nicht zu rechnen. Man muss die Situation im Gesamtkontext betrachten. Und in diesem geht es um die Gesundheit der Menschen. Wichtig ist, dass das Leben weitergeht und der Fußball überlebt“, sagte Wolf.

Transfermarkt-Revolution? Fifa kündigt Lösung an

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat baldige Ergebnisse bei der Suche nach Lösungen für Transferprobleme im internationalen Fußball durch die Coronavirus-Pandemie angekündigt. „Wir haben eine Task Force, die bereits arbeitet und in Kürze Vorschläge zum Schutz der Vereine und Spieler unterbreiten wird“, sagte der Schweizer. Durch die Saison-Zwangspausen in praktisch allen internationalen Ligen sind Eckdaten wie der 30. Juni als Vertragsende vieler Profis sowie das Sommertransfenster wohl nicht zu halten.

Atlético-Profis verzichten auf 70 Prozent Gehalt

Die Profis von Atlético Madrid machen es ihren Kollegen von Meister FC Barcelona nach und akzeptieren eine vorübergehende Gehaltskürzung von 70 Prozent. Der Club unterzeichnete ein entsprechendes Abkommen mit den Spielern von Trainer Diego Simeone. Atlético hatte bereits vorige Woche Kurzarbeit für 430 Angestellte des Vereins beschlossen, um den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise zu begegnen. Neben Barça und Atlético hatten bisher in Spanien auch Espanyol Barcelona und Deportivo Alavés Kurzarbeit angekündigt.

Uefa rät Ligen von Saisonabbruch ab

Die Uefa hat ihren Mitgliedsverbänden von einem Abbruch der nationalen Fußballligen zum jetzigen Zeitpunkt abgeraten. Man sei „zuversichtlich, dass Fußball in den kommenden Monaten zu den Bedingungen der Behörden wieder starten kann und jede Entscheidung, die inländischen Wettkämpfe aufzugeben, zu diesem Zeitpunkt, verfrüht und nicht gerechtfertigt ist“, schrieb der Verband in einem Brief.

In Belgien war am Donnerstag die Entscheidung gefallen, die Saison nach 29 der 30 Hauptrunden-Spieltage abzubrechen und auf die Playoffs zu verzichten. Der FC Brügge soll demnach zum Meister proklamiert werden. In der Bundesliga hofft man auf einen Neustart Anfang Mai.

Gehaltsverzicht beim SC Paderborn

Die Spieler und Mitarbeiter des SC Paderborn verzichten auf Teile ihres Gehalts, um den Folgen der Coronakrise entgegenzuwirken. Dies teilte der Tabellenletzte am Freitag mit, ohne Angaben zur Größenordnung zu tätigen.