Corona-Folgen für den Sport

Corona: Wimbledon-Absage und Ärger um Jérôme Boateng

Wimbledon 2020 abgesagt: Die Corona-Krise beschäftigt auch die frühere Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber

Wimbledon 2020 abgesagt: Die Corona-Krise beschäftigt auch die frühere Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber

Foto: MatthiasHauer / WITTERS

Roger Federer sehr emotional. Wird die Champions League im Juli fortgesetzt? Juventus spart 90 Millionen, Barça "nur" 14 Millionen.

Hamburg. Die Coronakrise stellt den Sport vor enorme Herausforderungen. Viele Vereine melden Kurzarbeit an und bitten ihre Spieler um einen Gehaltsverzicht, um die Liquidität nicht zu gefährden und eine drohende Insolvenz abzuwenden. In Toronto sind sämtliche Großveranstaltungen (auch ohne Publikum) bis Ende Juni untersagt, auch das traditionsreiche Tennisturnier von Wimbledon wurde inzwischen komplett abgesagt.

Im Fußball will nun die Fifa ihre prall gefüllte Geldschatulle öffnen, um existenzgefährdeten Vereinen unter die Arme zu greifen. Derweil könnte das Champions-League-Finale erst im August ausgetragen werden.

Verfolgen Sie hier die aktuellen Entwicklungen der Coronakrise im Sport:

FC Bayern: Ärger um Boatengs Verhalten

Ärger um Jérôme Boateng (31) beim FC Bayern München: Der Verein bestrafte den Verteidiger, weil er sich trotz der Corona-Ausgangsbeschränkungen von seinem Wohnort entfernt hatte. Boateng habe München ohne Genehmigung verlassen.

Über die Höhe der Geldstrafe ist nichts bekannt. sagte der „Bild“, er wisse, dass das ein Fehler war. !Aber in dem Moment hatte ich nur meinen Sohn in Kopf. Ihm ging es gesundheitlich nicht gut.“

Coronavirus: Wimbledon komplett abgesagt

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg fällt Wimbledon aus. Aufgrund der Coronaviruspandemie werde das vom 29. Juni bis 12. Juli angesetzte Tennis-Turnier nicht ausgetragen, teilten die Organisatoren mit und kündigten die nächste Auflage für den 28. Juni bis 11. Juli 2021 an. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Ian Hewitt, Vorsitzender des All England Lawn Tennis Club.

Rekordsieger Roger Federer (38) schrieb, er sei „am Boden zerstört“. Angelique Kerber, die 2018 in Wimbledon gewann, sagte: „Ich bin natürlich enttäuscht, dass neben Olympia auch Wimbledon abgesagt worden ist.“ Das Turnier sei jedes Jahr ihr absolutes Highlight: „Aber momentan zählen andere Dinge, die wichtiger sind.“

Anders als die French Open, die vom französischen Tennisverband eigenmächtig und ohne Absprache auf den Herbst (20. September bis 4. Oktober) verlegt worden sind, kann das Tennisturnier in London eine Komplett-Absage wirtschaftlich verkraften.

Champions League: Fortsetzung im Juli?

Die Champions League und Europa League könnten mindestens bis Juli pausieren. Wie das ZDF berichtet, war die weitere Aussetzung der Europapokal-Wettbewerbe ein Thema während der Konferenz der 55 Mitgliedsverbände der Uefa am Mittwoch. Demnach sollen auch die im Juni geplanten Länderspiele verlegt werden.

Gehaltskürzung bei erstem Trainer in England

Der englische Fußballtrainer Eddie Howe vom AFC Bournemouth verzichtet freiwillig auf einen Teil seines Gehalts. Howe, sein Assistenz-Trainer Jason Tindall, der technische Direktor Richard Hughes und Clubboss Neill Blake hätten laut Vereinsangaben „erhebliche, freiwillige Lohnkürzungen vorgenommen“. Der 42-jährige Howe ist damit der erste Coach in Englands Spitzenliga, der diesen Schritt geht.

Während viele Mitarbeiter von Englands Fußballclubs bereits einer Gehaltskürzung zugestimmt haben, verhandelt die Premier League immer noch mit den Gewerkschaften der Spieler und Trainer über eine solche Maßnahme. Am Dienstag hatte Tottenham-Boss Daniel Levy an sie appelliert. „Wir hoffen, dass die aktuellen Diskussionen (...) dazu führen, dass auch die Spieler und Trainer ihren Teil für das Fußball-Ökosystem tun“, sagte er.

Corona: Leipzig-Profis verzichten auf Gehalt

Auch die Profis der Bundesligisten RB Leipzig, Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim haben sich auf einen Gehaltsverzicht verständigt. Die Leipziger kommen dem Club mit Gehaltseinsparungen im unteren zweistelligen Prozentsatz entgegen, bei Leverkusen und Hoffenheim ist die Höhe unbekannt. Damit sollen insbesondere die Mitarbeiter der Vereine unterstützt werden.

„Für uns als Mannschaft war klar, dass wir unseren Beitrag leisten müssen. Viele Menschen verlieren in diesen Tagen ihre Jobs oder müssen in Kurzarbeit“, sagte Leipzig-Kapitän Willi Orban: „Dass das bei RB bislang nicht notwendig ist, freut uns als Team natürlich, und wir wollen mit dem Verzicht auch dazu beitragen, dass das möglichst so bleibt.“ Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler sagte: „Der Trainerstab, die Geschäftsführung und das Management schließen sich dem natürlich an.“

Fifa will Clubs mit 2,5 Milliarden unterstützen

Die Fifa hat ihre Bereitschaft signalisiert, Opfern der Coronakrise aus der „Fußballfamilie“ unter die Arme zu greifen. Der Verband befinde „sich in einer starken finanziellen Situation, und es ist unsere Pflicht, alles zu tun, um ihnen in der Stunde der Not zu helfen“, sagte ein Sprecher. „Daher bestätigen wir, dass die Fifa nach einer umfassenden Bewertung der finanziellen Auswirkungen dieser Pandemie auf den Fußball an Möglichkeiten arbeitet, der Fußballgemeinschaft auf der ganzen Welt zu helfen.“

Das genaue Format und die Einzelheiten dieser Unterstützung würden „derzeit in Absprache mit den Fifa-Mitgliedsverbänden, den Konföderationen und anderen Interessengruppen geprüft und diskutiert, wobei zu berücksichtigen ist, dass in naher Zukunft eine Entscheidung getroffen und bekannt gegeben werden muss.“ Angeblich soll die Fifa bereit sein, ihre Geldreserven in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zu nutzen, um existenzgefährdete Vereine finanziell zu unterstützen.

Gehaltsverzicht bei Hertha BSC

Profis und Verantwortliche von Hertha BSC verzichten bis zum bisher geplanten Saisonende am 30. Juni auf Teile ihres Gehalts. „Auch bei Hertha BSC steht der Solidaritätsgedanke über allem“, sagt Geschäftsführer Michael Preetz (52), der von Einsparungen „im ordentlichen siebenstelligen Bereich“ spricht.

Ziel sei es, dass „der Betrieb hier weitergeht, die Auswirkungen minimiert werden“ und „keine Arbeitsplätze gefährdet werden“, sagte Preetz in einem vom Verein verbreiteten Video und ergänzte: „Wir stellen uns der Herausforderung dieser besonderen Situation.“

Niederlande stoppt Fußball bis Juni

Der niederländische Profifußball steht bis zum 1. Juni still. Das hat Ministerpräsident Mark Rutte in Den Haag mitgeteilt. Die Regierung hatte die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus auf den 28. April verlängert. Aber genehmigungspflichtige Veranstaltungen bleiben nach Darstellung von Rutte bis zum 1. Juni verboten. Der Premier zählte dazu ausdrücklich die Spiele der beiden Profiligen im Fußball. Auch ohne Publikum werde nicht gespielt. Nun muss der niederländische Fußballverband KNVB entscheiden, was dies für die noch verbleibenden acht Spielrunden bedeutet. Eine Entscheidung wird am Mittwoch erwartet.

Gehaltsverzicht: Barça spart 14 Millionen

Durch die vorübergehende Gehaltskürzung von 70 Prozent bei den Profis um Lionel Messi wird der FC Barcelona 14 Millionen Euro im Monat sparen. Da auch alle anderen Sportler des Vereins 70 Prozent, darunter die Spieler der ebenso sehr erfolgreichen Basketball- und Handballteams, weniger Geld bekommen würden, werde man die Ausgaben um insgesamt 16 Millionen Euro reduzieren.

„Wenn der Alarmzustand (in Spanien) einen Monat dauert, würde das in der Praxis eine Kürzung der Jahresgehälter um 5,75 Prozent bedeuten“, sagte Clubboss Josep Bartomeu dem Radiosenders „Catalunya Radio“. Er rechne damit, dass der seit dem 15. März geltende Alarmzustand „höchstens zwei Monate“ anhalten werde. In dem Fall würden alle Sportler des Clubs auf 11,5 Prozent des Jahresgehalts verzichten müssen. „Die Situation ist schwierig. Man musste Maßnahmen ergreifen.“

Motorsport: FIA ruft Ausnahmezustand aus

Der Motorsport-Weltverband FIA hat eine Art Ausnahmezustand ausgerufen. Um die aktuellen Herausforderungen „ohne Verzögerung und im Einklang mit den Statuten“ zu meistern, wird unter anderem die Macht von FIA-Präsident Jean Todt offiziell und zeitlich begrenzt ausgebaut. Der Franzose darf dringende Entscheidungen, die den Ablauf der Saison 2020 betreffen, nun quasi im Alleingang treffen. Jeder Maßnahme soll aber eine Beratung mit den Kollegen in der FIA-Führung vorausgehen.

Mit Blick auf die Formel 1 sind von nun an Änderungen am schon arg ausgedünnten Kalender nur noch ein Fall für die FIA und das Königsklassen-Management, ohne Abstimmung der üblichen Entscheidungsgremien. Die ersten acht Rennen wurden bereits verschoben oder abgesagt, so viele wie möglich sollen nachgeholt werden. Zu diesem Zweck werden momentan auch Maßnahmen wie verkürzte Rennwochenenden und eine Ausdehnung der Saison bis in den Januar 2021 diskutiert.

Toronto untersagt Großevents bis Ende Juni

Der Bürgermeister von Toronto, John Tory, hat alle Großveranstaltungen in der kanadischen Millionenstadt bis zum 30. Juni untersagt. In Toronto ist mit den Raptors der amtierende Champion der Basketball-Profiliga NBA ansässig, auch das Eishockey-Team Toronto Maple Leafs aus der NHL oder die MLS-Fußballer des Toronto FC wären von den Einschränkungen betroffen.

Am Dienstag lag die Zahl der Covid-19-Fälle in Toronto bei knapp 800 (acht Todesfälle). „Diese Entscheidung ist nicht leicht zu treffen, aber sie ist notwendig, um die Öffentlichkeit zu schützen und Leben zu retten“, sagte Tory.

Gehaltsverzicht: Inter folgt Juventus

Die Profis von Inter Mailand akzeptieren als zweites Team der italienischen Serie A eine Gehaltskürzung. Stellvertretend für die Mannschaft hat sich Kapitän Samir Handanovic mit dem Management bis Ende Juni auf einen Verzicht geeinigt. Auch Trainer Antonio Conte soll zu Einbußen bereit sein.

Über die Höhe der Kürzung des Salärs soll mit jedem Spieler individuell verhandelt werden. Zuvor hatten die Profis von Juventus Turin und Trainer Maurizio Sarri bereits drastischen Gehaltskürzungen zugestimmt. Diese entsprechen den Gehältern der Monate März bis inklusive Juni und sparen dem Club 90 Millionen Euro. Bestbezahlter Akteur ist Superstar Cristiano Ronaldo, der laut Medienberichten auf 3,8 Millionen von seinen etwa 30 Millionen Euro Jahresgehalt verzichten soll.

Wie der Handball ums Überleben kämpft

Vorzeitiger Saisonabbruch? Davon will Frank Bohmann nichts wissen. Zumindest noch nicht. „Ich kann mir vorstellen, dass es im Mai unter gewissen Bedingungen wieder losgehen kann“, sagte der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga. Im Schatten des großen Fußballs kämpft der Handball ums wirtschaftliche Überleben und entwirft dabei fieberhaft Szenarien, die aktuell unterbrochene Spielzeit doch noch zu beenden.

Sogenannte Geisterspiele, von Bohmann treffend als „Medienspiele“ bezeichnet, könnten womöglich auch im Handball die Lösung sein. Das Problem: Die TV-Gelder machen im Gegensatz zum Fußball im Handball nur rund fünf Prozent des Etats aus. Um die Kosten zu senken, könnte beispielsweise in kleineren Hallen gespielt werden. Am Donnerstag und Freitag kommen erst das HBL-Präsidium und dann die Clubchefs zur Beratung zusammen. Intern werden Stimmen lauter, die einen Saisonabbruch fordern.

Hannover-Profis verzichten auf Gehalt

Die Profis von HSV-Ligarivale Hannover 96 haben einem Gehaltsverzicht zugestimmt. Der Sportliche Leiter Gerhard Zuber sowie Chefcoach Kenan Kocak schlossen sich ihrem Team an. Mit dem Geld soll ein Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze von Club-Mitarbeitern geleistet werden. „Das ist ein großer Beitrag der Mannschaft, der zeigt, dass die 96-Familie zusammenhält – und zwar nicht nur in guten, sondern auch in schwierigen Zeiten“, sagte Zuber.

„Es war uns ein großes Bedürfnis, uns solidarisch mit den vielen Mitarbeitern zu zeigen“, fügte Kapitän Marvin Bakalorz an: „Wir haben in der Mannschaft heute und in den vergangenen Tagen mehrere Ideen und Modelle diskutiert und uns dann gemeinsam mit der Clubführung, Gerry Zuber und Kenan Kocak für diese Lösung entschieden.“

KSC dementiert drohende Insolvenz

Trotz seiner finanziell kritischen Situation steht der abstiegsbedrohte Zweitligist Karlsruher SC derzeit nach eigenen Angaben nicht kurz vor der Insolvenz. „Es ist natürlich nicht so, dass uns in den nächsten Wochen die Zahlungsunfähigkeit droht“, sagt Geschäftsführer Michael Becker. „Nichtsdestotrotz ist die Lage so dynamisch, dass wir alle Eventualitäten prüfen. Es könnten ja zum Beispiel die TV-Gelder nicht kommen. Da müssen wir natürlich aktiv werden.“ Bis zum 30. Juni sei der KSC „gut aufgestellt“, sofern die TV-Gelder fließen.