FC Porto

Platz verlassen: Rassismus-Opfer wehrt sich gegen Mitspieler

Der rassistisch beleidigte Porto-Stürmer Moussa Marega (l.) zeigt den Zuschauern den Daumen nach unten und verlässt den Platz. Beim Verlassen des Platzes versucht ihn sein Mitspieler Afonso Henriques aufzuhalten.

Der rassistisch beleidigte Porto-Stürmer Moussa Marega (l.) zeigt den Zuschauern den Daumen nach unten und verlässt den Platz. Beim Verlassen des Platzes versucht ihn sein Mitspieler Afonso Henriques aufzuhalten.

Foto: imago / GlobalImagens

Erschütternde Szenen: Von Fans rassistisch beleidigter Profi wechselt sich selbst aus und muss sich gegen eigenes Team wehren.

Porto. Ein erneuter Rassismus-Eklat im Fußball hat Portugal erschüttert. Beim 2:1-Auswärtserfolg des FC Porto bei Vitoria Guimarães ist Siegtorschütze Moussa Marega von gegnerischen Fans mit Affenlauten verschmäht worden. Es ist nicht nur der abstoßende Vorfall an sich, der für Aufregung sorgt, es ist vor allem die Reaktion seiner eigenen Mannschaft, die erschütternder kaum sein könnte.

Denn Marega zeigte die einzig richtige Reaktion und verließ das Spielfeld vorzeitig. In diesem Moment verpassten es seine Mitspieler, ein Zeichen für Courage und Menschlichkeit zu setzen. Statt dem 28 Jahre alten Nationalspieler aus Mali zu folgen, versuchten sie ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Ein Portospieler nach dem anderen stellte sich demonstrativ vor Marega, um ihn zum Weiterspielen zu bewegen.

Doch Maregas Entschluss stand trotz aller Widerstände der eigenen Mitspieler fest. Beim Verlassen des Platzes verurteilte er die rassistischen Beleidigungen gegen seine Person, indem er in Richtung der Zuschauer seine Daumen nach unten zeigte. Selbst bei dieser Aktion zerrten Merages Kollegen an seinen Armen, um seine Geste zu unterdrücken. Für den Stürmer muss es sich angefühlt haben wie ein wahr gewordener Albtraum, der sich am Sonntagabend im Estádio Dom Afonso Henriques abspielte.

Rassismus-Eklat: Schiri zeigt Marega Gelb

Zu allem Überfluss hatte Marega kurz zuvor auch noch von Schiedsrichter Luis Miguel Godinho die Gelbe Karte gesehen, weil er beim Jubeln einen der Sitze über dem Kopf gehalten hatte, die von Fans auf das Feld geworfen worden waren.

„Und ich bedanke mich bei den Schiedsrichtern, dass sie mich nicht verteidigt und mir die Gelbe Karte gezeigt haben, weil ich meine Hautfarbe verteidigt habe“, schrieb der 28-Jährige noch am Abend bei Instagram und postete ein Bild, auf dem er den Zuschauern, die für den Rassismus-Eklat sorgten, den Mittelfinger zeigt. Den Unparteiischen bezeichnete er außerdem als „eine Schande“.

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Rassismus-Opfer Marega mit deutlichen Worten

Auch für einige Unverbesserlichen auf den Rängen hatte Marega deutliche Worte parat. „Diesen Idioten, die ins Stadion gehen, um rassistische Schreie auszustoßen, möchte ich sagen ... fick dich.“

Diese Worte lassen nur erahnen, wie sich Porto-Profi Marega auf dem Spielfeld gefühlt haben muss. Verschmäht von den Zuschauern – und gnadenlos im Stich gelassen von den eigenen Mitspielern. Der 16. Februar wird als schwarzer Tag in die Geschichte des portugiesischen Fußballs eingehen.

Politiker und Weltstars schalten sich ein

Der Fall hat inzwischen auch die Politik erreicht. „Kein Mensch sollte einer solchen Erniedrigung ausgesetzt werden“, twitterte der portugiesische Ministerpräsident António Costa.

Währenddessen hat die Anti-Diskriminierungs-Organisation Fare hat die Mitspieler von Marega kritisiert. Der FC Porto hatte ein Bild von Marega mit der Überschrift „Wir sind eine Familie“ veröffentlicht. „Entschuldigt, aber das hat sich nicht wie Familie angefühlt, als es passiert ist“, schrieb Fare bei Twitter. „Was haben eure Spieler gemacht?“

Auch der einstige Weltklasse-Angreifer Ruud Gullit hat sich Marega Teamkollegen vorgeknöpft. „Die anderen Spieler hätten ihn beschützen sollen und für ihn eintreten müssen. Diese Entscheidung, den Platz zu verlassen, sollte nicht nur bei dem Spieler liegen“, sagte Gullit am Rande der Laureus World Sports Awards am Montag in Berlin. „Darüber bin ich enttäuscht.“

Bei einem Podiumsgespräch forderte Trainer-Legende Fabio Capello zudem ein härteres Durchgreifen der Verbände gegen die Täter. „Man müsste diese Leute ein Leben lang vom Fußball ausschließen, nicht nur zwei oder vier Jahre“, sagte der Italiener. „Die Spiele müssen gestoppt werden. Es muss insgesamt mehr getan werden, um das zu stoppen.“ Gullit sagte außerdem: „Wenn es Affengeräusche sind, dann ist das einfach viel zu viel. Diese Leute sind keine Fans.“