EM

Handballer starten glanzlos – Rot für Kapitän Gensheimer

| Lesedauer: 3 Minuten
Björn Goldmann
Zum Zuschauen verdammt: Kapitän Uwe Gensheimer sah nach 15 Minuten die Rote Karte.

Zum Zuschauen verdammt: Kapitän Uwe Gensheimer sah nach 15 Minuten die Rote Karte.

Foto: imago / Revierfoto

Beim Erfolg über EM-Neuling Niederlande überzeugt vor allem der starke Torhüter Andreas Wolff. Wo die Mannschaft Probleme hat.

Trondheim. Am Ende konnten selbst Andreas Wolff und Uwe Gensheimer wieder lächeln. Das Spiel gegen die Niederlande war mit 34:23 (15:13) zu Ende gegangen, die deutschen Handballer waren erfolgreich in die EM gestartet. Zumindest auf den ersten Blick, denn das Ergebnis im norwegischen Trondheim war deutlicher, als es der Spielverlauf gegen den EM-Debütanten war.

Die erwartete Souveränität ließ das Team von Bundestrainer Christian Prokop phasenweise vermissen, es ließ dem Gegner zu viele Freiräume, kassierte zu viele Zeitstrafen und nutzte zahlreiche Torchancen nicht. Doch Wolff winkte nach Spielende ab: „Typisches Auftaktspiel.“

Minuten zuvor war der 28-Jährige, der in Polen für Vive Kielce spielt, weniger entspannt. Wütend trommelte er mit den Fäusten auf den Boden, als er mal wieder im Tor auf dem Allerwertesten saß und der Ball hinter ihm im Netz zappelte. Eine Situation, wie sie nach Ansicht des deutschen Torhüters an diesem Abend vor 4057 Zuschauern zu häufig passierte.

Warum Gensheimer die Rote Karte sah

Und auch Uwe Gensheimer war in der 16. Spielminute zornig. Der Kapitän von den Rhein-Neckar Löwen war zu seinem dritten Siebenmeter angetreten, zwirbelte den Ball mittig aufs Tor – und mitten ins Gesicht von Hollands Torhüter Bart Ravensbergen.

Die gerechte Folge: Rote Karte, Gensheimer war zum Zuschauen verdammt. „Das hat sich nicht gut angefühlt“, sagte er, ließ aber offen, ob er über sich oder über den niederländischen Torhüter sprach. „Rot geht völlig in Ordnung.“ Der 33-Jährige war erleichtert, dass sein Team die schwierige Phase nach seinem Ausscheiden überstanden hatte.

Jetzt folgt Schlüsselspiel gegen Spanien

Dabei ging es gegen die Niederlande darum, das im Vergleich zur letztjährigen WM auf vielen Positionen veränderte Team in den EM-Fluss zu bringen und auf das Spiel gegen Spanien am Sonnabend (18.15 Uhr/ARD) vorzubereiten, für das Gensheimer wieder spielberechtigt ist. Das Duell mit dem Titelverteidiger wird eine Schlüsselpartie auf dem Weg nach Schweden ins anvisierte Halbfinale sein.

„Spanien wird mit viel mehr Routine als die Niederlande gegen uns aufspielen“, war sich Gensheimer sicher. „Spanien wird ein ganz anderes Kaliber“, sagte Spielmacher Paul Drux von den Füchsen Berlin. Und auch Verbandsvizepräsident Bob Hanning mahnte: „Die Partie gegen die Niederlande ist nicht mit dem zu vergleichen, was am Sonnabend auf uns zukommt.“

Deutsche Abwehr bereitet Sorgen

Da werden Fehler ganz anders bestraft als vom Auftaktgegner. Als es zum Siebenmeter von Gensheimer kam, führte das deutsche Team nach holprigem Start 10:5. Danach aber war der Spielfluss versiegt. „Nach der Roten Karte gab es einen Bruch, da kam Unruhe rein. Wir haben lange gebraucht, um uns wieder zu sammeln“, analysierte Prokop.

Immer wieder kam Hollands Rückraumspieler Kay Smits zu Torerfolgen, die deutsche Abwehr war zu fehleranfällig. Erst Mitte der zweiten Halbzeit fand Deutschland seinen Rhythmus wieder und setzte sich kontinuierlich ab. Beste Werfer waren Kai Häfner (Melsungen) und Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen), die jeweils fünfmal trafen.

Viel Arbeit liegt vor dem Bundestrainer, der in einer Auszeit einen interessanten Trick benutzte. „Wie heißt du?“, fragte er Rechtsaußen Timo Kastening (Hannover-Burgdorf). Der blickte verdutzt. Prokop erklärte im Anschluss: „Ich wollte ein bisschen Auflockerung reinbringen, sodass die Mannschaft mal reagieren muss.“ Zumindest gegen die Niederlande funktionierte das.

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