Wassersport

Kitesurferin Leonie Meyer segelt auf Olympia-Kurs

Leonie Meyer rast mit bis zu 70 km/h
übers Wasser.

Leonie Meyer rast mit bis zu 70 km/h übers Wasser.

Foto: CW

Deutsche Meisterin vom vom Norddeutschen Regatta Verein profitiert von Neuordnung der Disziplinen. Förderung fehlt.

Hamburg. Noch ist es nur eine fixe Idee, „ein kleiner Traum“, wie Leonie Meyer verrät. Deutschlands beste Kitesurferin im Racing denkt an das Jahr 2024, Olympische Sommerspiele vor Marseille, den alten Hafen dort, das Mittelmeer – und an ihren geräumigen Van. „Damit würde ich bis nach Marseille fahren, könnte darin im Olympischen Dorf schlafen.“ Mit dem Wohnmobil direkt an den Strand – für „Surfergirl“ Meyer ist das keine Seltenheit.

Von diesem Mittwoch an startet die 26-Jährige vom Norddeutschen Regatta Verein (NRV), die in Kiel lebt und Medizin studiert, bei der Kite-EM auf Sardinien (Italien/bis Sonntag). Ihren Bus mit Küche, Bad, Bett „und Platz für alle meine Kites“ hat sie seit knapp 14 Tagen tatsächlich am EM-Strand von Torre Grande geparkt. „Das spart Kosten“, sagt die Umsteigerin, die Olympia 2016 als junge Skiffseglerin im 49erFX noch verpasst hatte und sich anschließend erst einmal ihrem Studium widmete.

Ihren Bundeskaderstatus verlor sie, ihren Platz in der Sportfördergruppe der Bundeswehr ebenso wie die finanzielle Unterstützung durch das Team Hamburg. Einzig das NRV Olympic Team hielt zu ihr, unterstützt mit Privatsponsoren. „Ohne Kaderstatus gibt es keinen Förderanspruch. Den gibt es für uns wohl erst nach Olympia 2020“, klagt Meyer, „andere Länder sind früher dran als wir hier in Deutschland.“ Der Deutsche Segler-Verband (DSV) verliere Zeit, für die Sportler seien die unterschiedlichen Voraussetzungen unfair. Immerhin: Bei der EM unterstützt Ex-49er-Bundestrainer Thomas Rein, der 2016 mit Erik Heil/Thomas Plößel Olympia-Bronze feierte, die Kiter vor Ort.

Junge Disziplin

Dabei gibt es gute (Olympia-)Gründe, jetzt zu investieren. Die junge Disziplin wird 2024 in Paris und Marseille erstmals olympisch sein. Vorgesehen sind Mixed-Regatten in der „Formula Kite­foil“, bei der auf dem Tragflügel (Hydrofoil) unter dem Board Spitzen­geschwindigkeiten von 40 Knoten
(70 km/h) erreicht werden.

Bei der WM im Frühjahr belegte die dreifache deutsche Meisterin Meyer gemeinsam mit Florian Gruber (25/Garmisch-Partenkirchen) Rang vier in der Teamstaffel, im Einzel wurde sie WM-Elfte. Bei der EM könnte es wegen der wegfallenden Konkurrenz aus den USA, Australien oder Neuseeland weiter nach vorne gehen. Platz für eine Medaille wäre im Van vorhanden, sagt Meyer.