HSV

Van der Vaart redet früheren Hamburger Mitspieler schlecht

Rafael van der Vaart wurde von "Sportstudio"-Moderatorin Dunja Hayali natürlich auch zum HSV befragt.

Rafael van der Vaart wurde von "Sportstudio"-Moderatorin Dunja Hayali natürlich auch zum HSV befragt.

Foto: Imago/Martin Hoffmann

Der ehemalige HSV-Profi legt im ZDF-"Sportstudio" einen launigen Auftritt hin, nimmt dabei aber auch kein Blatt vor den Mund.

Mainz/Hamburg. In den größten Applaus des Abends fiel Rafael van der Vaart selbst ein. Als Dunja Hayali verkündete, dass im Rahmen des Abschiedsspiels für den langjährigen Hamburger Publikumsliebling am 13. Oktober im Volksparkstadion noch einmal die inzwischen eigentlich abgesetzte HSV-Hymne "Hamburg, meine Perle" über die Stadionlautsprecher ertönen soll, richtete sich der Studiogast des ZDF-"Sportstudios" mit stolz geschwellter Brust auf und schlug seine Hände besonders kräftig zusammen.

Van der Vaarts Sympathiebekundung für Lotto King Karls Stadionsong war nicht das einzige starke Statement, das der von Hayali als "Mr. HSV" anmoderierte Ex-Fußballer am späten Sonnabend im ZDF ablieferte. Vor allem seine Expertise zum EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen die Niederlande (2:4) war natürlich gefragt – und dabei ließ van der Vaart auch an einem ehemaligen Mitspieler aus seiner Hamburger Zeit kaum ein gutes Haar.

Van der Vaart zerpflückt DFB-Defensive

"Die Verteidigung ist unglaublich schlecht", urteilte der Vize-Weltmeister von 2010 über die deutsche Defensive um Niklas Süle und den ehemaligen HSV-Profi Jonathan Tah. "Der beste Mann am Ball war Manuel Neuer." Deshalb habe er auch kein Verständnis dafür, dass Bundestrainer Joachim Löw die Weltmeister Mats Hummels und Jérôme Boateng aussortiert habe. "Hummels ist noch immer besser als Süle oder Tah", sagte van der Vaart, der sich auch von Hayalis sanften Einwänden nicht von seinem harten Urteil abbringen ließ.

Zur Erinnerung: Mit dem inzwischen 23 Jahre alten Tah hatte van der Vaart in der Saison 2013/14 in 15 Bundesligaspielen gemeinsam für den HSV auf dem Platz gestanden. Dabei hatte der damals blutjunge Innenverteidiger Tah dem Routinier seinerzeit sogar einen seiner sieben Saisontreffer aufgelegt. Fast sechs Jahre später hat sein früherer Teamkamerad in van der Vaarts Augen aber offenbar wenig an Erfahrung gewonnen.

Van der Vaart: Löw wird Hummels brauchen

"Wenn man Leute aussortiert, dann müssen die anderen deutlich besser sein. Aber das sind sie nicht", sagte der 36-Jährige. Löw habe den Umbruch in der Abwehr "viel zu früh" vollzogen. Jonathan Tah und andere Spieler seien zwar jung, "aber sie müssen trotzdem Leistung bringen". In ein paar Monaten werde der Bundestrainer Hummels wieder benötigen, prognostizierte van der Vaart: "Die Mannschaft braucht so einen Typen mit Erfahrung. Die Verteidigung ist das größte Problem von Löw."

Löw: "Haben unter unserem technischen Niveau gespielt"

Dass der zweifache Vater nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn selbst derzeit so gut wie keine Baustellen hat, verriet van der Vaart dann auch noch. "Ich nehme alles mit Humor", sagte er etwa angesichts seiner letzten Station FC Midtjylland, bei der er auf dem Weg zur dänischen Meisterschaft lediglich zwei Kurzeinsätze feiern durfte ("Das waren ganz wichtige sechs Minuten"). Aktuell stehe er noch für eine Amateurmannschaft in seiner Wahlheimat Esbjerg auf dem Platz. "Ich mache es nur noch aus Spaß und, um nach dem Spiel ein Bier reinzuhauen", referierte er launig, bevor er das traditionelle Torwandschießen mit zwei Treffern für sich entschied.

Van der Vaart: "Der HSV gehört zu mir"

Das eine oder andere Getränk dürfte auch nach seinem endgültigen "Tschüs" im Volkspark gereicht werden. Mit dem Staraufgebot zum Spiel wolle er auch den HSV-Fans etwas zurückgeben. "Das ist ein Dankeschön und eine Entschuldigung", sagte van der Vaart auch angesichts des Transfer-Gates, als er sich 2007 schon mit einem Valencia-Trikot ablichten ließ, ehe der Wechsel doch noch platzte.

"Ich habe schöne Zeiten erlebt, aber auch schlechte Sachen gemacht." Auf dem Platz habe er aber immer alles gegeben. Das Volksparkstadion sei der richtige Ort für seinen Abschied, sagte van der Vaart: "Der HSV gehört zu mir, und ich gehöre zum HSV." Und wird sein Herzensverein am Ende der Saison nun endlich den Wiederaufstieg feiern können? "Das hatte ich letztes Jahr auch schon gedacht. Ich glaube es aber schon, ich bin richtig zufrieden mit Dieter Hecking, er ist ein Top-Trainer."